Die Sennhütte in Düsseldorf war früher ein Bahnhofsklo – heute ist sie ein Kultlokal mit Terrasse direkt an den Gleisen.
Hand aufs Herz – wer denkt beim Thema Gastronomie in Düsseldorf schon an ein ehemaliges Bahnhofsklo? Klingt wild, ist aber genau die Geschichte hinter der „Zur Sennhütte“ an der Rethelstraße in Düsseltal. Und ja, das Teil ist mittlerweile ein echter Kultort – mit einer Geschichte, die so skurril ist, dass man sie sich kaum ausdenken könnte.1
Betreiber Jimmy Leung kennt die Sennhütte seit seiner Kindheit – und ehrlich gesagt gruselte er sich früher vor ihr. Wie ein kleines „Hexenhaus“ habe sie ausgesehen, sagt er selbst. Als Kind lief er fast täglich an ihr vorbei, auf dem Weg zwischen den Restaurants seiner Eltern. Heute, etwa 40 Jahre später, betreibt er das Lokal selbst – seit der Übernahme 2023.1
Die Geschichte des Hauses ist genauso abgefahren wie sein Charme: Ursprünglich diente das kleine Häuschen direkt an den Gleisen der S-Bahnstation „Düsseldorf-Zoo“ als Bahnhofsklo. Irgendwann wurde daraus eine klassische Altherrenkneipe – rauchende Männer, Bier, hitzige Diskussionen quer durch den Laden. Leung erinnert sich: „Anfangs war es eine klassische Altherrenkneipe. Immer wenn ich hier vorbeiging, sah ich drinnen rauchende alte Männer Bier trinken.“1
Wer die Sennhütte heute betritt, checkt schnell, was den Vibe ausmacht: tiefe Decken, verwinkelte Räume, kaum Platz. Im rustikal eingerichteten Obergeschoss hängen Gemälde von Düsseldorfer Künstlern, Weinflaschen zieren die Wände und durch die moosbewachsenen Fenster kommt kaum Licht rein. Und dann – fast ein bisschen versteckt – eine steile Treppe nach unten.1
Unten angekommen steht man auf einer Holzterrasse, die direkt auf die Gleise und die Franklinbrücke blickt. Leung selbst sagt: So gar nicht typisch Düsseldorf sei dieser Ort – als wäre man in einem Dutzend Treppenstufen von Düsseldorf nach Berlin gelaufen. Und genau dieses Gefühl zieht die Leute an. Im Internet ist die Sennhütte längst in unzähligen Insta-Reels und TikToks als „Geheimtipp“ gelandet.1
In der Küche steht Chefkoch Joshua Emmerich am Herd, unterstützt von Sous-Chef Leonardo Viera. Die beiden servieren eine Mischung aus filigranen und herzhaften Gerichten. Ein paar Highlights aus der Karte:1
Leung weiß, dass 28,90 Euro für ein Schnitzel nicht jeder einfach so locker macht – deshalb hat er bewusst auch günstigere Alternativen im Angebot.1
Wer einen Platz auf der begehrten Terrasse im Untergeschoss ergattern will, sollte vorher reservieren – auch wenn nur etwa 30 Prozent der Plätze dafür freigegeben werden. Der Andrang ist real. Aber: Vollauslastung bedeutet nicht automatisch schwarze Zahlen. Im ersten Jahr nach der Übernahme schrieb die Sennhütte sogar rote Zahlen. Zu viel Personal, komplizierte Laufwege, eine noch nicht eingespielte Küche – das trieb die Kosten hoch.1
Mittlerweile läuft’s deutlich besser. Und das Geheimnis dahinter? Betriebsleiterin Kato Tevadze entscheidet vieles organisch statt starr nach Plan – und das Team zieht mit. „Das ist, glaube ich, der Grund, warum das hier alles relativ gut funktioniert“, sagt Leung.1
Die Sennhütte ist mehr als ein Restaurant. Sie ist ein Treffpunkt, an dem Menschen zusammenkommen – manchmal buchstäblich. 2023 lernten sich zwei Gäste auf der Terrasse kennen, mittlerweile haben sie ein gemeinsames Kind. Wenn das kein Argument für einen Besuch ist! „Es ist ein sehr besonderer Ort, den es in Düsseldorf so kein zweites Mal gibt“, sagt Leung – und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!