Der Kölner Zukunftsplan „Neue Mitte Köln“ nimmt Fahrt auf: Eine Studie testet jetzt die Akzeptanz der Bevölkerung für den radikalen Umbau rund um den Dom.
Wir haben in einem früheren Beitrag schon darüber berichtet: Architekt Paul Böhm hat eine ziemlich radikale Vision für Köln – den Hauptbahnhof weg vom Dom, die Hohenzollernbrücke für Fußgänger und Radfahrer, grüne Parks dort, wo heute Gleise liegen. Klingt utopisch? Stimmt. Aber inzwischen ist da deutlich mehr Bewegung drin, als viele gedacht hätten.1
Der Kern der Idee bleibt bestehen: Der überregionale Fernverkehr soll ins Rechtsrheinische verlagert werden. Der heutige Kölner Hauptbahnhof – direkt am Dom, eingeklemmt zwischen Hohenzollernbrücke und Innenstadt – ist nämlich nicht nur ein städtebauliches Problem, sondern auch ein echtes Nadelöhr für die Deutsche Bahn. Verspätungen, schlechte Anbindung ans internationale Netz, Stau auf der Brücke: Das alles kennt ihr vermutlich selbst aus leidvoller Erfahrung.1
Was mit dem freiwerdenden Raum passieren soll? Die alte Bahnhofshalle würde zum Kultur- und Marktplatz umgebaut. Die Hohenzollernbrücke – bisher Liebesschloss-Hotspot und Zugstrecke – könnte zur begrünten Parkbrücke für Fußgänger und Radfahrer werden. Und entlang der abgebauten Gleise entstünde ein sogenanntes Parkband: ein grünes Wegenetz mitten durch die Stadt. Ökologisch wie sozial wäre das laut Böhm ein echter Quantensprung.1
Und hier wird’s jetzt wirklich interessant – denn das Projekt ist kein reines Papierprojekt mehr. Der Verein „Neue Mitte Köln“ (nmk.koeln) ist aktiv und vernetzt. Und im September stellt das Rheingold Institut eine tiefenpsychologische Studie vor, die untersucht, wie die Kölner Bevölkerung überhaupt zu diesem radikalen Plan steht. Denn eines ist klar: Ohne die Menschen mitzunehmen, läuft hier gar nichts.1
Paul Böhm weiß das selbst am besten. Er hat mit dem Bau der Moschee in Ehrenfeld schon erlebt, wie wichtig gesellschaftliche Akzeptanz bei großen Projekten ist. Und Negativbeispiele wie Stuttgart 21, der Berliner Flughafen oder die Kölner Opern- und Schauspielhaus-Sanierung mahnen zur Vorsicht – solche Bauprojekte können aus dem Ruder laufen.1
Als Vorbild gilt das dänische Kopenhagen: Die Stadt hat sich konsequent neu erfunden und gilt heute als lebenswertes Musterbeispiel für gelungene Stadterneuerung. Böhm und seine Unterstützer sind überzeugt: Köln könnte ähnliches schaffen – wenn der Mut da ist.1
Der Vergleich mit Konrad Adenauer drängt sich auf. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte der damalige Kölner Oberbürgermeister die Krise als Chance: Grüngürtel, Uni-Neugründung, Messebau in Deutz, Mülheimer Brücke, Ansiedlung von Ford – all das geht auf ihn zurück. Hundert Jahre später wird er dafür noch gefeiert.1
Die entscheidende Frage jetzt: Springt der neue Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester auf diesen Zug auf? Nichts ist bisher in Beton gegossen – aber die Idee ist im Raum, sie gewinnt Unterstützer, und mit der Bevölkerungsstudie im September wird sie erstmals systematisch auf Akzeptanz getestet.1
Wie Gastautor Michael Hirz es treffend formuliert: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Ob Köln den großen Wurf wagt oder weiter im Klein-Klein versinkt – das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Wir bleiben dran.1
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