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Kult-Kneipe in Köln-Sülz: Die „Wundertüte
7. September 2026

Die Wundertüte in Köln-Sülz ist eine echte Kultkneipe – mit rustikalem Charme, selbst gebrutztelten Frikadellen und dem wohl ersten Kölner Raucherfenster.

Eine Kneipe, die einfach Kneipe ist – und das auf die beste Art

Stell dir vor, du rufst an und fragst nach einer Tischreservierung für zwei – und die Wirtin fragt dich zurück: „Ja, was wollt ihr denn machen?“ Genau das passiert regelmäßig, wenn junge Kölner die Wundertüte am De-Noel-Platz in Sülz entdecken. Die Antwort von Wirtin Rosy Hagemeier ist dabei immer dieselbe: „Das hier ist eine Kneipe. Kommt einfach vorbei. Wir finden eine Ecke.“1 Und irgendwie trifft das den Spirit des Ladens auf den Punkt.

Die grün umwucherte Eckkneipe, geschmückt mit Lichterketten, ist so gut gealtert wie ein edler Rotwein. Zwischen Vietnamesen, Italienern, Sushi-Bars und moderner Cross-Over-Gastronomie hält die Wundertüte tapfer an ihrem rustikalen Kneipen-Charme fest – und wird dabei von Jung und Alt geliebt.1

Von der Pfälzer Straße an den De-Noel-Platz

Die Wundertüte zog vor 15 Jahren von der Pfälzer Straße an ihren heutigen Standort. Rosy Hagemeier ist bereits seit den 70er-Jahren die Wirtin – damals stieg sie als Partnerin ein, als das Lokal noch an der Pfälzer Straße beheimatet war. Den Namen bekam die Kneipe übrigens vom damaligen Wirt als Anspielung auf einen Joint. Rosy behielt ihn, weil er ihr passend erschien für einen Ort voller Überraschungen.1

Beim Umzug nahm sie Namen und Interieur einfach mit: Die Kupferummantelung ziert heute noch den Tresen, an dem frisches Gaffel-Kölsch für 2,20 Euro zapft wird. Die Fototapete an der Rückwand, die eine längst vergangene Szene aus einem französischen Lokal zeigt und für den Anisschnaps Ricard wirbt, hängt ebenfalls noch. Geblümtes Bettzeug dient an der Decke als unkonventioneller Schallschutz – irgendwo zwischen charmant und genial.1

Das wohl erste Kölner Raucherfenster – eine echte Erfindung aus Trotz

Wer die Wundertüte kennt, kennt auch Rosy Hagemeiers Unbeugsamkeit. Als das Rauchverbot in Gaststätten kam, kaufte sie sich zunächst eine Kiste Havanna-Zigarren und rauchte diese demonstrativ mit Stammkunden am letzten Abend vor dem Verbot an. Die WDR-Lokalzeit war sogar dabei.1

Doch damit nicht genug: Als Ordnungsbeamte regelmäßig zur Kontrolle auftauchten, entwickelte Hagemeier ihre kreativste Erfindung – das erste Kölner Raucherfenster. Eine Plexiglasscheibe mit zwei Löchern: eines für den Kopf, ein kleineres für die Hand, die die Zigarette hält. Wer sagt, Kölner haben keinen Einfallsreichtum?1 Mittlerweile sind die Gäste zwar daran gewöhnt, zum Rauchen komplett nach draußen zu gehen – aber das Raucherfenster bleibt als Symbol für den Spirit der Wundertüte bestehen.

Mehr als nur Kölsch und Frikadellen

Die Speisekarte wurde im Laufe der Jahre auf das Wesentliche reduziert: selbst gemachter Kartoffelsalat (5,50 Euro) und selbst gebrutzelte Frikadellen (4 Euro). Die sind übrigens legendär – „Sobald es anfängt danach zu riechen, sind sie schon fast weg“, so Hagemeier.1

Aber die Wundertüte ist auch kulturell aktiv. Unter dem Titel „Trau Dich, Feigling“ dürfen aufstrebende Musiker zum ersten Mal vor Publikum spielen. Eine Lesebühne gibt Autor:innen Raum, ihre Texte vorzustellen. Kleine Konzerte und das beliebte „Table-Quiz“ – bei dem Teams an den Tischen gegeneinander raten – runden das Programm ab.1 Und auch die Band Annenmaykantereit, heute auf großen Festivals zu Hause, gab hier ihr allererstes Konzert. Ein Schwarz-Weiß-Foto davon hängt noch an der Wand.

72 Jahre jung und immer noch unangepasst

Mit 72 Jahren ist Rosy Hagemeier alles andere als in Rente. Die Wundertüte lebt von ihrer Persönlichkeit – und von der perfekten Mischung aus Stammkunden, die sie noch aus der Pfälzer-Straße-Zeit kennt, und neuen Gesichtern, die die Kneipe gerade für sich entdecken. Manche ihrer alten Gäste sind damals mit Kind und Kegel nach Sülz gezogen und sitzen heute wieder als Single an ihrem Tresen.1

Wenn du also mal in Sülz bist und Lust auf echten Kneipen-Charme hast, dann schau einfach vorbei. Kein Reservieren nötig. Rosy findet eine Ecke für dich.

Wundertüte, De-Noel-Platz 1, Köln-Sülz

Quellen

  1. Institution in Sülz: In der „Wundertüte“ gibt’s das wohl erste Kölner Raucherfenster – Kölner Stadt-Anzeiger


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