Die Stiftung Frauenleben in Köln wollte ein Gästehaus für wohnungslose Frauen in Mülheim einrichten – doch das Projekt scheitert vorerst am Kaufpreis der…
Stell dir vor, du hast die perfekte Immobilie gefunden, alle Beteiligten sind begeistert – und dann scheitert das Ganze trotzdem. Genau das ist der Stiftung Frauenleben in Köln passiert, die ein Wohnhaus für wohnungslose Frauen im Mülheimer Norden einrichten wollte. Eine Geschichte, die zeigt, wie schwer es ist, gute Projekte in der Realität umzusetzen.1
Die Idee klang wirklich gut: Ein 360 Quadratmeter großes Gästehaus im ersten Stock mit zwölf Apartments – zehn davon fertig als Unterkunft nutzbar, alle mit eigenem Bad und kleiner Küche. Dazu Gemeinschaftsräume und eine Dachterrasse, wo ein Miteinander entstehen kann, wenn die Frauen das möchten.1
„Die Immobilie ist ideal für Frauen, die plötzlich ohne Wohnung auf der Straße stehen, aber selbstständig leben können“, erklärt Maria Beckermann von der Stiftung Frauenleben in Köln. Der Plan war, dass die Bethe-Stiftung die Immobilie kauft und sie an die Soziale Wohnraumagentur (SWA) der Stadt Köln als Generalmieterin weitergibt. Die Stiftung Frauenleben sollte die Initialzündung geben und anschließend so eingebunden bleiben, wie es sinnvoll ist.1
Zusätzlich träumten die drei Stifterinnen – alle Frauenärztinnen – von Krankenwohnungen, einer kleinen frauenmedizinischen Praxis und einem Begegnungsraum im Erdgeschoss, wo sich eine ehemalige Tischlerei befindet. Aber das Wichtigste waren die Apartments für die Frauen.1
Hinter dem Projekt steckt ein echtes Problem: Laut Wohnungslosenbericht sind rund 40 Prozent der Wohnungslosen weiblich – doch bei der Arche für Obdachlose in Mülheim sind 85 Prozent der Gäste Männer. „Da fragen wir uns, wo sind die wohnungslosen Frauen?“, sagt Beckermann. Die Antwort ist erschreckend: Sie sind im öffentlichen Raum häufig unsichtbar. Sie brauchen sichere Räume – und genau die sollten im Mülheimer Norden entstehen.1
Neun Monate nach dem Start der Planungen ist klar: Aus dem Vorhaben wird erstmal nichts. Der Knackpunkt? Der Preis. Der Eigentümer Heinz-Uwe Becker hatte die Immobilie für 2,3 Millionen Euro angeboten. Für die Bethe-Stiftung war das zu viel – sie bot 1,8 Millionen. „1,8 Millionen kann ich nicht machen“, sagt Becker. Der Erlös sei seine Rente, die er fest eingeplant habe. Außerdem zog er sein ursprüngliches Angebot, das Gästehaus separat zu verkaufen, zurück – ohne die Tischlerei im Erdgeschoss wollte keine der Stiftungen die Immobilie übernehmen.1
„Es war ein halbes Jahr ein Hin und Her“, erklärt Becker. Und weiter: „Ich finde es schade, dass es jetzt nicht klappt. Es wäre eine schöne Sache gewesen, aber ich muss davon leben.“1
Auch die Stadt Köln äußerte sich: Grundsätzlich habe sie großes Interesse an Wohnangeboten ausschließlich für Frauen. Über die SWA könne eine Anmietung für diesen Zweck prinzipiell sichergestellt werden. Doch ohne einen Käufer oder ein neues Konzept für die gesamte Immobilie ist das vorerst hinfällig.1
Maria Beckermann gibt nicht auf – auch wenn sie die Situation „traurig“ findet. „Jetzt kommen so viele Hürden von allen Seiten, dass ich es nicht für sinnvoll halte, das zu erzwingen“, sagt sie. Gleichzeitig bleibt sie optimistisch: „Ich denke und hoffe, dass sich andere Möglichkeiten ergeben werden, um wohnungslosen Frauen zu helfen. Wir können keine großen finanziellen Sprünge machen, aber engagieren werden wir uns weiterhin.“1
Das Projekt zeigt, wie dringend bezahlbare und sichere Unterkünfte speziell für wohnungslose Frauen gebraucht werden – und wie viele Stolpersteine auf dem Weg dahin lauern können. Bleibt zu hoffen, dass sich eine neue Lösung findet.
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