Im Kreis Wesel droht rund 7.000 Gastro-Beschäftigten ein Reallohnverlust – die NGG kämpft für 6 Prozent mehr Lohn und kritisiert das Arbeitgeberangebot scharf.
Stell dir vor, du schuftest den ganzen Abend in einer Küche, räumst den Geschirrspüler aus und schälst Zwiebeln – und am Ende des Monats hast du real weniger in der Tasche als vorher. Genau das droht gerade rund 7.000 Beschäftigten in Hotels und Gaststätten im Kreis Wesel. Die Stimmung ist mies, der Lohnstreit eskaliert, und die Gewerkschaft schlägt laut Alarm.1
Mitten in der laufenden Tarifrunde für das Gastgewerbe hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Nordrhein-Westfalen (Dehoga NRW) ein Angebot auf den Tisch gelegt, das bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für echte Wut sorgt. Adnan Kandemir, Geschäftsführer der NGG Nordrhein, macht klar, was das konkret bedeutet: „Ein Koch oder eine Restaurantleiterin im Kreis Wesel soll lediglich 1,9 Prozent mehr bekommen. Wenn man das auf den Stundenlohn umrechnet, dann sind das nicht einmal 31 Cent – also weniger, als ein trockenes Brötchen kostet.“1
Zum Vergleich: Im August lag die Inflation laut NGG bei 2,9 Prozent. Das Arbeitgeberangebot gleicht also nicht mal den Preisanstieg aus – unterm Strich bedeutet das einen echten Reallohnverlust für alle, die in der Gastro arbeiten.1
Besonders bitter wird es für Menschen ohne gastronomische Ausbildung. Küchenhilfen sollen laut dem Arbeitgeberangebot künftig nur noch den gesetzlichen Mindestlohn bekommen. Kandemir stellt dazu eine ziemlich berechtigte Frage: „Ich bin gespannt, wer sich dann im Kreis Wesel noch in die Küche stellt und Zwiebeln schält oder den Geschirrspüler ausräumt. Da locken Dutzende Jobs, die besser bezahlt werden und bei denen man nicht abends um 21 Uhr noch arbeiten muss.“1
Noch eins drauf kommt die Lage für Auszubildende: Die sollen laut dem Dehoga-Angebot komplett leer ausgehen. Für eine Branche, die bereits jetzt massive Nachwuchsprobleme hat, klingt das für Kandemir wie ein schlechter Witz: „Wer die Nachwuchsprobleme der Branche kennt, kann da nur mit dem Kopf schütteln.“1
Die NGG bleibt bei ihrer Forderung und lässt sich davon nicht abbringen:
Klingt eigentlich fair, oder? Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Arbeitgeber seit Anfang des Jahres schon richtig profitieren: Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wurde von 19 auf 7 Prozent gesenkt – das sind 12 Prozentpunkte weniger. Bei den Gästen im Kreis Wesel ist davon kaum etwas angekommen, und bei den Beschäftigten bislang schon gar nichts.1
Die NGG warnt unmissverständlich: Wenn der Dehoga NRW nicht noch die Kurve kriegt, werden Gaststätten, Restaurants und Hotels im Kreis Wesel in den kommenden Monaten ihre Leute verlieren. Und wer einmal weg ist, kommt – wie schon nach Corona – nicht mehr zurück. Das wäre für eine Branche, die ohnehin schon mit Personalmangel kämpft, ein echter Knockout.1
Die entscheidende dritte Verhandlungsrunde zwischen NGG und Dehoga NRW fand am 11. September statt. Ob dabei ein faires Ergebnis für die 7.000 Gastro-Beschäftigten im Kreis Wesel rausgekommen ist, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Branche steht an einem Scheideweg – und die Menschen, die täglich für unser Essen und unsere Gastfreundschaft sorgen, verdienen definitiv mehr als 31 Cent extra pro Stunde.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!