Elisabeth Lambert (20) aus Köln lernt Goldschmiedin – trotz 36 Absagen. Wie sie ihren Traumjob gefunden hat und warum das Handwerk so wichtig ist.
Polo-Shirt, rote Nägel, funkelnde Ohrringe – und mittendrin ein hölzernes Werkbrett. Elisabeth Lambert ist 20 Jahre alt, kommt aus Köln und hat sich bewusst gegen den klassischen Uni-Weg entschieden. Statt Vorlesungssälen und Seminararbeiten wählt sie Hammer, Lötstation und Amboss. Ihr Ziel: Goldschmiedin werden. Und das in einem Beruf, der langsam ausstirbt.1
Dabei war ihr Weg alles andere als geradlinig. Nach ihrem Abitur 2024 versuchte Elisabeth es zunächst mit zwei Semestern Kunstgeschichte – unglücklich. Dann eine halbherzige Bewerbung an der KISD (Köln International School of Design) – auch kein Volltreffer. Der entscheidende Moment kam durch einen Witz: Ein Bekannter fragte sie, warum sie eigentlich nicht Goldschmiedin werde, da sie doch immer so viel Schmuck trage. Der Satz setzte sich fest.1
Was folgte, war kein einfacher Start. Mit einem Bewerbungsordner auf dem Beifahrersitz fuhr Elisabeth gemeinsam mit ihrer Mutter Kölner Goldschmiedebetriebe ab. 36 Absagen später hatte sie immer noch nicht aufgegeben. Viele Betriebe bilden schlicht nicht mehr aus – und das, obwohl von den rund 34.000 Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer zu Köln nur etwa ein Sechstel überhaupt Auszubildende annimmt.1
Schließlich fand Elisabeth ihren Platz bei Meisterin Sabrina Schildgen in der Werkstatt „GoldKunstKöln“ in der Kölner Südstadt – ein Ein-Frau-Betrieb, den Schildgen erst vor zwei Jahren gegründet hat. Einen Ausbildungsplatz anzubieten, war für sie auch ein wirtschaftliches Wagnis: „Es kostet mich rund 1000 Euro im Monat, ohne dass ich erst einmal eine Arbeitsleistung erwarten darf“, sagt sie. Trotzdem stand für Schildgen fest: „Mindestens einmal möchte ich mein Wissen weitergeben.“1
Elisabeths Alltag ist anspruchsvoll: 40 Stunden Werkstatt pro Woche, dazu noch die Berufsschule. Die Ausbildungsvergütung beträgt rund 570 Euro im Monat – in Köln definitiv kein Luxusbudget. Elisabeth wohnt deshalb bei ihren Eltern. Laut Ulrike Pütz, die die Karrierewerkstatt der Handwerkskammer zu Köln leitet, gibt es aber finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wie Wohngeld oder Berufsausbildungsbeihilfe.1
Ihr wichtigster Rat für alle, die einen ähnlichen Weg gehen wollen: früh Kontakt zu Betrieben aufnehmen und ein Praktikum machen. Genau das war auch bei Elisabeth der Schlüssel – denn schon am ersten Praktikumstag wusste sie: „Ja, das ist es.“1
Inzwischen hat Elisabeth bereits eigene Ohrringe geschmiedet, die sogar im Schaufenster von „GoldKunstKöln“ ausgestellt werden. Aktuell arbeitet sie an einem Karnevalsorden, den sie beim Wettbewerb von „Fest in Gold“ einreichen will – einer Initiative, die sich für die Förderung der Goldschmiedekunst einsetzt.1
Auf Instagram teilt Elisabeth regelmäßig Einblicke in ihre Ausbildung. Damit baut sie sich Reichweite auf – denn ihr großer Traum ist ein eigenes kleines Atelier und irgendwann das Weitergeben ihres Wissens an die nächste Generation. „Man braucht Ehrgeiz, um es zu schaffen“, sagt sie – und fügt hinzu: „Manchmal sitzt man ewig an einer Sache, muss es wieder und wieder neu machen, damit man am Ende etwas hat, das man seinem Kunden gerne zeigt.“1
Für Elisabeth ist Schmuck weit mehr als Ästhetik – es ist Vertrauen und Emotion. „Die Leute kommen hier hin und vertrauen uns ihre Dinge an“ – Eheringe von verstorbenen Partnern, den Schmuck der Oma, den Traum vom Verlobungsring. „Und wir machen daraus dann etwas Neues, das ihnen richtig viel bedeutet.“1
Die Zukunft des Goldschmiedens ist ungewiss – aber Elisabeth lässt sich davon nicht entmutigen. „Es ist so ein schönes Handwerk – so vielfältig. Ich möchte, dass die Menschen das sehen.“ Und wir sagen: Respect, Elisabeth! 🙌 Das ist echte Leidenschaft.1
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