Kahle Buchenkronen, kranke Eichen: Förster in NRW untersuchen mehr als 10.000 Bäume – und die Ergebnisse zeigen, wie stark Hitze und Trockenheit dem Wald…
Wer durch den Dämmerwald bei Schermbeck spaziert, denkt erstmal: Alles gut hier. Grüne Blätter, mächtige Kronen, angenehmer Schatten. Doch Förster Holger Keding und Michael Drews von Wald und Holz NRW sehen mit ihren Ferngläsern ganz genau hin – und was sie entdecken, macht ihnen echte Sorgen.1
Die beiden sind derzeit im Rahmen der Waldzustandserhebung unterwegs und checken ausgewählte Bäume systematisch durch. Und das Ergebnis? Nicht unbedingt beruhigend.
Der Gesundheitscheck startet direkt am Stamm: Umfang messen, Rinde begutachten, Schäden und Ungezieferbefall dokumentieren. Bei einer gut 120 Jahre alten Eiche stellt Förster Michael Drews deutliche Nekrosen fest – also trockene Stellen an Ästen und Blättern. Sein Urteil: „Bei dieser Eiche schätzen wir den Blattverlust auf 45 Prozent.“ Das ist eine Menge.1
Seit den 1980er-Jahren wird der Waldzustand in NRW systematisch erfasst. Mehr als 10.000 Bäume an festgelegten Stichprobenpunkten werden untersucht – nach einem einheitlichen Verfahren, das Vergleiche über Jahrzehnte hinweg möglich macht. Die Daten fließen sogar in ein europaweites Monitoring ein.1
Besonders die alten Eichen im Dämmerwald tragen noch immer die Spuren der extrem trockenen Jahre seit 2018. Viele von ihnen sind über 100 Jahre alt und können sich nur langsam an veränderte Bedingungen anpassen. Was die aktuelle Dürre angeht: Deren volle Wirkung wird sich laut den Förstern wohl erst im kommenden Jahr zeigen.1
Ein entscheidender Indikator bei der Untersuchung ist die sogenannte Kronenverlichtung. Die Förster schauen minutenlang mit dem Fernglas nach oben und schätzen, wie viele Blätter oder Nadeln im Vergleich zu einer voll belaubten Krone fehlen. Je mehr fehlen, desto stärker ist der Baum geschädigt.1
Wenn die Förster von einem Baum besonders besorgt sind, dann von der Buche. Ihr Wurzelsystem erreicht Wasserreserven in tieferen Bodenschichten teilweise schlechter als das anderer Baumarten. Mehrere trockene Jahre hintereinander hinterlassen deshalb deutliche Spuren – im Dämmerwald sind manche Buchenkronen nahezu kahl. Das ist beim Durchlaufen schlicht beängstigend anzusehen.1
Die Waldzustandserhebung liefert nicht nur eine Diagnose für den heutigen Wald – sie zeigt auch, wo es hingehen muss. Für die Förster ist klar: Die Zukunft gehört dem Mischwald. Wenn verschiedene Baumarten nebeneinander wachsen, verteilt sich das Risiko. Kommt eine Art mit Hitze, Trockenheit oder Schädlingen schlechter klar, können andere die Lücke füllen. Der Wald wird widerstandsfähiger – und das ist bitter nötig.1
Wie stark Hitze und Trockenheit den NRW-Wäldern in diesem Jahr insgesamt zugesetzt haben, lässt sich aktuell noch nicht abschließend sagen. Die Daten der laufenden Erhebung müssen erst vollständig ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Wochen vorliegen.1
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