Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen vier Falck-Mitarbeiter wegen Vorwürfen rund um Patientenaufnahmen und Gefährdung.
Der Fall um den privaten Rettungsdienst Falck auf Wache 3 in Duisburg schlägt weiter hohe Wellen. Nachdem Team-Insider dem WDR berichtet hatten, dass Kollegen Patienten fotografiert, verhöhnt und möglicherweise sogar bewusst gefährdet haben sollen, sind die Ermittlungen jetzt offiziell: Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.1
Die Staatsanwaltschaft Duisburg teilt auf WDR-Anfrage mit: „Es wurde nun ein Ermittlungsverfahren gegen vier Beschuldigte wegen des Verdachts der Beleidigung, der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und der Belohnung und Billigung von Straftaten eingeleitet.“ Die vier Beschuldigten waren zum möglichen Tatzeitpunkt bei Falck beschäftigt.1
Damit hat sich die Lage im Vergleich zum Beginn der Affäre deutlich verschärft. Damals wurde zunächst nur geprüft, ob überhaupt ausreichende Hinweise auf Straftaten vorliegen – jetzt laufen formelle Ermittlungen. Ähnlich wie bei dem Vorfall, über den wir in unserem Beitrag zu Schüssen in Köln-Mülheim mit vier Verletzten berichtet haben, sind es Zeugenaussagen und erste Ermittlungsschritte, die den Stein ins Rollen bringen.2
Falck selbst hat jetzt die Ergebnisse einer externen Anwaltskanzlei veröffentlicht, die 18 Gespräche mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern der Wache 3 führte und schriftliche Unterlagen auswertete. Das Ergebnis laut Unternehmen: Es handele sich um „Fehlverhalten einzelner“, nicht um ein systematisches Problem. Gleichzeitig gesteht Falck „Defizite in der Weiterleitung“ von Informationen über Fehlverhalten an übergeordnete Stellen ein.1
Konkret bestätigt wurde, dass Mitarbeitende in zwei Fällen Patientenaufnahmen angefertigt hatten. In einem Fall wurde ein solches Bild auf der Wache herumgezeigt – der betreffende Mitarbeiter wurde entlassen. Auch zu dem Vorwurf, dass eine Patientin im Rettungswagen bewusst abgeschnallt und dann scharf gebremst worden sei, äußert sich das Gutachten: Beweise für diesen konkreten Vorgang lägen nicht vor, ein Mitarbeiter habe aber eingeräumt, Patienten nicht wieder angeschnallt zu haben, die sich eigenständig abgeschnallt hatten. Auch er ist nicht mehr im Unternehmen.1
Intern wurde laut Gutachten eine starke Gruppenbildung auf der Wache festgestellt: Zwei Gruppen stünden sich mit unvereinbaren Aussagen gegenüber. In manchen Fällen stand Aussage gegen Aussage – und die Kanzlei konnte die Vorwürfe nicht abschließend aufklären. Nach WDR-Informationen wurden innerhalb des Falck-Teams weitere Gespräche angekündigt, und weitere personelle Konsequenzen seien möglich. Offiziell bestätigt das Unternehmen das nicht.1
Als Reaktion auf die Vorfälle kündigt Falck an, bestehende Regeln zum Foto- und Videofilmverbot „noch konsequenter“ durchzusetzen. Außerdem soll es organisatorische Veränderungen im Team auf Wache 3 geben – durch Rotationsmodelle, Supervision und gezielte Reflexion von Gruppennormen, um „problematische informelle Strukturen künftig frühzeitiger“ zu erkennen und aufzubrechen.1
Die Stadt Duisburg als Auftraggeber des Rettungsdienstes begrüßt zwar, dass die betroffenen Mitarbeiter nicht mehr für Falck eingesetzt werden. Aber der Fall ist für sie noch lange nicht abgeschlossen. Die Stadt prüft den Untersuchungsbericht mit externer rechtlicher Unterstützung auf mögliche vertragliche und organisatorische Konsequenzen. Das Verhältnis zwischen Stadt und Unternehmen hatte zuletzt stark gelitten – die Stadt hatte mehrfach deutlich gemacht, dass ihr die bisherigen Aufklärungsschritte von Falck nicht ausreichten und sie sich zu spät informiert fühlte.1
Falck kämpft um seinen Ruf und seine Zukunft in Duisburg. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Stadt prüft rechtliche Schritte – und weitere personelle Konsequenzen könnten folgen. Der Skandal um Wache 3 ist also alles andere als erledigt. Wir halten euch auf dem Laufenden.1
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