Nach dem Scheinehen-Skandal im Kölner Ausländeramt zieht die Stadt Köln rechtswidrige Aufenthaltstitel zurück. Alle Fakten zum Fall im Überblick.
In Köln sorgt ein Fall für Aufsehen, der tief in die Stadtverwaltung reicht: Eine ehemalige Mitarbeiterin des Ausländeramts Ehrenfeld soll Teil einer Schleuserbande gewesen sein. Die Stadt Köln hat jetzt reagiert und alle betroffenen Vorgänge der Frau überprüft. Aufenthaltstitel, die sich dabei als rechtswidrig erteilt herausgestellt haben, wurden zurückgenommen. Das teilte die Stadt Köln mit, wie Bild berichtet.
Die 37-jährige Subha L. soll gemeinsam mit ihrem Mann und zwei weiteren Beschuldigten Scheinehen zwischen Bulgarinnen und Indern auf Zypern arrangiert haben. Die Anträge auf Aufenthaltsgenehmigung soll sie anschließend selbst bearbeitet und genehmigt haben. Laut Bild sollen sie und ihr Mann dafür rund 76.000 Euro kassiert haben. Seit ihrer Festnahme Ende letzten Jahres sitzt die Frau in Untersuchungshaft.
Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, wurde die Stadtverwaltung bereits 2025 von Sicherheitsbehörden über den Verdacht informiert. Die Ermittlungen seien von der Stadt „vollumfänglich“ unterstützt worden, unter anderem durch die zügige Bereitstellung von Dokumenten und Zugang zu Dienstgebäuden. Festgenommen wurde die Frau bereits im Dezember, öffentlich bekannt wurde der Fall jedoch erst später.
Die Frau arbeitet nicht mehr für die Stadt. Nach Durchsuchung und Festnahme seien laut Stadt unmittelbar „personal- und disziplinarrechtliche Maßnahmen“ ergriffen worden, es folgte die Kündigung. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt geht nach eigener Aussage von Fluchtgefahr aus. Nach aktuellem Ermittlungsstand gehe die Stadt davon aus, dass es sich um die Tat einer Einzelperson handle – weitere Verdächtige im Ausländeramt gebe es demnach nicht.
Laut Angaben der Stadt gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger werden aufenthaltsrechtliche Entscheidungen eigentlich nach einem dokumentierten Vier-Augen-Prinzip bearbeitet. Mitarbeitende dürfen nicht an eigenen Fällen oder an Fällen von Familienmitgliedern arbeiten, in der Einbürgerung sind Back- und Front-Office getrennt. Alle Entscheidungen müssen im Fachverfahren und im Ausländerzentralregister erfasst werden, Zugriffe auf die Systeme werden gespeichert. Das Amt wird zudem regelmäßig und anlassbezogen kontrolliert.
Trotzdem fiel der Fall offenbar lange nicht auf. Die Stadt spricht laut Kölner Stadt-Anzeiger von einer „echt wirkenden Legende“ mit Angaben zu vermeintlichem Wohnsitz und Heirat. Erkennbar geworden sei die Masche letztlich nur durch die Häufung ähnlicher Fälle. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Stadt ihre internen Systeme erneut geprüft. Mehrere Veränderungen sollen künftig dafür sorgen, dass Häufungen bestimmter Fallkonstellationen schneller auffallen – welche genau, teilte die Stadt nicht mit.
Der aktuelle Fall ist nicht der erste dieser Art in der Kölner Stadtverwaltung. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt, wurde erst vor wenigen Wochen vor dem Amtsgericht Köln gegen eine Mitarbeiterin des Kundenzentrums Mülheim verhandelt, die zwischen 2018 und 2020 in 35 Fällen falsche Pässe und Ausweise ausgestellt haben soll – unter anderem an Führungsköpfe der internationalen Kokainszene. Die Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 78.000 Euro verurteilt.
Bereits 2023 war zudem eine weitere Mitarbeiterin des Kölner Ausländeramts wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, Falschbeurkundung im Amt und Bestechlichkeit zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. In einer Neuverhandlung wurde das Strafmaß 2024 leicht auf vier Jahre und fünf Monate reduziert.
Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat gegen Subha L. und drei weitere Beschuldigte Anklage erhoben. Laut Bild soll der Prozess im Februar 2027 am Landgericht Darmstadt beginnen. Eine wichtige Rolle dürfte dabei der jüngste Beschuldigte, der 26-jährige Kuljeet S., spielen – sein Verteidiger kündigte gegenüber Bild ein umfassendes Geständnis seines Mandanten an.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!