Das Buehnchen in Köln ist der erste Social-Media-Kiosk der Stadt: Wer zustimmt, wird gefilmt und landet auf TikTok. Alle Infos zum verrückten Konzept hier.
Stell dir vor, du gehst kurz zum Kiosk, um einen Schokoriegel zu holen – und plötzlich bist du der Star eines TikTok-Videos. Genau das ist das Konzept hinter dem Buehnchen in der Kyffhäuserstraße 15 in Köln. Der Social-Media-Kiosk hat vergangenes Wochenende offiziell eröffnet und ist nach eigener Aussage der erste seiner Art in Köln.1
An der Eingangstür hängt ein grüner Buzzer. Wer ihn nicht drückt, kauft sein Kölsch und geht wie gehabt. Wer ihn drückt und aktiv zustimmt, wird Teil der Show. Ein kurzer Jingle ertönt, Betreiberin Anna-Lena Pittelkow erklärt die Regeln – und schon läuft die Kamera. Das Ganze landet später geschnitten auf TikTok und YouTube. Für den schnellsten Finder gibt’s einen Gutschein. Klingt wild? Ist es auch.1
Das Design des Kiosks ist bewusst aufgedreht: 80er-Jahre-Vibes in Neonpink, Neongelb und Neongrün, ein aufgeblasener freundlicher Kaktus im Schaufenster und Licht, das extra so eingestellt ist, dass es im Video nicht flackert. Sogar die Kühlschränke dürfen nicht brummen – Content first, sozusagen.1
Hinter dem Buehnchen steckt Anna-Lena Pittelkow, 46 Jahre alt, langjährige Marketing-Erfahrung und Inhaberin der Marketingfirma „LePitt“. Ihr Team besteht aus Gaming-Moderatorin Melly Balgün, Creative Director Alex Aussem und Schauspieler Stefan Hartmann. Zusammen haben sie ein Programm entwickelt, das täglich wechselt und den Kioskbesuch zu einem echten Erlebnis machen soll.1
Das Buehnchen plant richtig große Sachen: Kunden sollen künftig regelmäßig von Schauspielern bedient werden. An einem Regler kann man sogar bestimmen, in welcher Emotion einem der Schokoriegel verkauft wird – wütend, euphorisch oder lieber traurig. Bereits am Eröffnungsfreitag hat die Schauspielgruppe Büdchen Theater eine Probe im Laden abgehalten, während der normale Kioskbetrieb einfach weiterging.1
Außerdem sollen sogenannte Microdramas produziert werden – Miniserien im Hochkant-Format mit festem Kioskpersonal als fiktive Charaktere. „Es ist dann, als ob ich die Schauspieler von GZSZ bei der Arbeit besuchen kann und von denen mein Kölsch bekomme“, erklärt Pittelkow das Konzept.1
Das Geschäftsmodell kombiniert Kioskverkauf, Social-Media-Werbeeinnahmen und Markenpartnerschaften. Ob damit wirklich Geld zu machen ist? „Wir wissen noch nicht, womit wir reich werden. Es ist zu früh zu sagen, ob wir überhaupt reich werden“, sagt Pittelkow – und lacht dabei.1
Das Buehnchen hat auch eine klare Haltung. Das Motto lautet „funny feminist“ und das merkt man: Im Laden gibt es einen Gender Pay Gap – aber umgekehrt. Frauen zahlen 16 Prozent weniger, weil sie im echten Leben ja auch weniger verdienen. Wer außerdem ein Statement für Bodypositivity in die Kamera spricht, bekommt ein Sixpack Getränke und einen Fettlöser gratis dazu. Und das anfangs beschriebene Einkaufsspiel? Das soll Männer zeigen lassen, dass sie genauso schnell und gut einkaufen können wie Frauen.1
Nicht alle feiern das Konzept. Auf Reddit häufen sich kritische Kommentare, vor allem wegen datenschutzrechtlicher Bedenken. Der meistgelikte Kommentar mit über 500 Likes: „Ja, also ich würde dort keinen Fuß mehr reinsetzen und mir ein anderes Stammbüdchen suchen.“ Pittelkow bleibt dabei entspannt: „Wir filmen nur Menschen, die das möchten, es gibt keine versteckte Kamera.“ Wer offensichtlich betrunken reinkommt, wird auch nicht gepostet – kein Interesse, kein guter Content.1
Aktuell hat das Buehnchen auf TikTok erst 239 Follower, die ersten Kundenvideos sollen bald erscheinen. Der Kiosk öffnet mittwochs bis sonntags jeweils mittags bis abends. Ob das Konzept langfristig trägt, wird sich zeigen – aber der Start ist gemacht. Wir sind gespannt, was Köln daraus macht!1
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