Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln schließt bis Ende 2028 für Sanierung und Erweiterungsbau. Was Direktor Dekiert plant und warum er kein Interim will.
Stell dir vor, dein Lieblingsmuseum verschwindet einfach – bis Ende 2028. Genau das passiert gerade in Köln: Das Wallraf-Richartz-Museum schließt für eine große Sanierung und bekommt gleichzeitig einen brandneuen Erweiterungsbau. Museumsdirektor Marcus Dekiert erklärt, was hinter dem großen Umbau steckt – und warum er trotz aller Wehmut richtig aufgeregt ist.1
Der Grund klingt erstmal unspektakulär, ist aber richtig ernst: Das gesamte Rohrsystem des Gebäudes muss in großen Teilen ersetzt werden. Dafür müssen Wände, Böden und Decken geöffnet werden – und das geht halt nicht, wenn gleichzeitig Kunst drin hängt. Dazu kommen Themen wie Barrierefreiheit, Brandschutz, Sicherheit und – wer hätte es gedacht – schlicht zu kleine Garderoben und Sanitäranlagen. Der Ungers-Bau ist jetzt 30 Jahre alt, und so manche Sache entspricht einfach nicht mehr dem heutigen Standard.1
Das ist eigentlich der spannende Part: Der gesamte Kunstbestand zieht aus. Das Team – etwas über 20 Mitarbeitende – zieht direkt gegenüber in die Martinstraße, in eine Liegenschaft der Stadt, die eigentlich für die Büros der Baufirmen gedacht war. Dekiert hat sich dafür eingesetzt, dass das Museumsteam dort zusammenbleibt – für den Zusammenhalt, auch wenn’s nicht ganz so komfortabel wird wie bisher.1
Die Restauratorinnen und Restauratoren dürfen sogar ins Museum Ludwig umziehen, wo man sie mit offenen Armen empfangen hat. Rund zwei Dutzend Kunstwerke sollen dort in der Zwischenzeit untersucht und restauriert werden – sodass die Wiedereröffnung dann mit einem echten Bonus-Moment aufwartet.1
Viele fragen sich: Warum zeigt das Wallraf seine Sammlung nicht einfach irgendwo anders, solange gebaut wird? Dekiert hat sich bewusst dagegen entschieden – und das aus einem ziemlich cleveren Grund. Ein Interim würde den Druck rausnehmen. Seine Sorge: Wenn Rembrandt und Lochner auch woanders zu sehen sind, warum dann schnell fertig werden? In Köln – das sagt er ganz direkt – besteht die Gefahr, länger im Interim zu bleiben, als eigentlich geplant. Kein Interim bedeutet: voller Fokus auf die Fertigstellung.1
„Mit einem Interim hieße es vielleicht: Man kann Lochner, Rembrandt und Van Gogh auch so sehen, dann können wir auch erst fünf Jahre später fertig werden.“ – Marcus Dekiert1
Der Erweiterungsbau – entworfen von den Architekten Christ und Gantenbein, die den Wettbewerb bereits 2013 gewonnen haben – bekommt keinen eigenen Eingang. Der Zugang läuft über das Foyer des bestehenden Ungers-Baus, das künftig als Stadtloggia dienen soll. Im neuen Gebäude wird dann die Sammlung des 19. Jahrhunderts zu sehen sein – mit einem Rundgang von Caspar David Friedrich bis Vincent van Gogh, inklusive der Werke der Fondation Corboud. Klingt ehrlich gesagt ziemlich episch.1
Und Dekiert träumt sogar noch größer: Zur Wiedereröffnung könnte gemeinsam mit dem benachbarten MiQua gefeiert werden – einem weiteren Museum, das gegenüber entsteht. Ein kultureller Hotspot direkt im Schatten des Historischen Rathauses? Das wäre richtig was für Köln.1
Wer in Kölns Innenstadt gräbt, findet immer was – das ist quasi garantiert. Auf der Baustelle des Erweiterungsbaus tauchten mittelalterliche Keller auf, eine rund 2000 Jahre alte Spundwand und – etwas unerwartet – Quecksilber im Erdreich, das von mittelalterlichen Spiegelmachern und Goldschmieden stammt. Das alles musste sorgfältig dokumentiert und fachgerecht entsorgt werden und hat Zeit gekostet. Laut Projektsteuerung wurde dadurch der Zeitpuffer angeknabbert, aber der Zeitplan insgesamt bleibt realistisch.1
Auf die Frage, welches Bild ihm am meisten fehlen wird, muss Dekiert nicht lange überlegen: das Selbstbildnis von Rembrandt. Ein Werk, das ihn als Kunsthistoriker aus dem niederländischen Barock schon sein ganzes Berufsleben begleitet. Rembrandt blickt darin direkt in die Augen des Betrachters – ohne Schnörkel, ohne Pomp, einfach menschlich. Für Dekiert gehört es zu den großen Kunstschätzen nicht nur des Hauses, sondern der ganzen Stadt Köln.1
Ja, die Schließung bis Ende 2028 ist lang. Und ja, das schmerzt – den Direktor, das Team und alle Kölnerinnen und Kölner, die das Wallraf lieben. Aber die Chance, die hier steckt, ist riesig: ein saniertes Haus, ein spektakulärer Erweiterungsbau und vielleicht sogar der Beweis, dass große Projekte in Köln auch mal in time fertig werden können. Dekiert nennt es selbst „das Gelingen zeigen“ – und das klingt nach einem Ziel, das sich mehr als lohnt.1
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