Peter Harf – Kölner Investor, Mäzen und DKMS-Gründer – über sein Leben, seine größten Erfolge und warum Menschenleben mehr zählen als Milliarden.
Wer Peter Harf ist, lässt sich kaum in einem Satz zusammenfassen. Der 80-jährige Kölner ist Investor, Mäzen, Kunstsammler – und vor allem: ein Mensch, dem Menschen wichtiger sind als Milliarden. Aufgewachsen in einer Notunterkunft im zerstörten Nachkriegs-Köln, hat er aus einer mittelständischen Waschmittelfirma aus Ludwigshafen die weltweite JAB Holding mit einem Volumen von rund 40 Milliarden Euro gebaut. Marken wie Dr Pepper, Coty, Krispy Kreme und Jacobs Douwe Egberts gehören dazu. Doch was ihn wirklich antreibt, ist etwas anderes.1
Wie hat er das gemacht? Harfs Antwort klingt fast zu einfach: „Neugier. Das Gespür für Nischen in guten Geschäften. Und dann vor allem großes Vertrauen in die Menschen, mit denen man arbeitet.“ Als junger Mann sei er regelrecht besessen vom Thema Recruiting gewesen – zu einer Zeit, als das kaum jemand so ernst nahm. Sein Credo erinnert an einen bekannten Management-Gedanken: Wenn die richtigen Leute im Bus sitzen, finden sie selbst heraus, wohin die Reise geht. Fährt der Bus falsch, drehen sie um.1
Ein frühes Beispiel für seinen unkonventionellen Geschäftssinn: Calgon. Das Wasch-Hilfsmittel repositionierte er konsequent als „Versicherung für deine Waschmaschine“ – und erhöhte den Preis um 40 Prozent auf einen Schlag. Gegen die herrschende Lehre, aber es funktionierte.1
Neben dem Geschäft ist Harf ein leidenschaftlicher Sammler. Erstausgaben von Goya, alte Möbel und wertvolle Musikinstrumente – darunter Guarneri und Stradivari – gehören zu seiner Sammlung mit einem Versicherungswert von 70 Millionen Euro. Ein Cello, das fast 100 Jahre lang stumm war, hat er einem jungen begnadeten Cellisten überlassen, der damit in der Carnegie Hall aufgetreten ist. „Die Instrumente müssen leben“, sagt Harf.1
Für Köln hat er Großes geleistet: Eine jahrzehntelang leerstehende Villa in Köln-Lindenthal hat er mit eigenem Geld restaurieren lassen und der Universität Köln zur Verfügung gestellt. Im Zuge der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Eigentümerfamilie Reimann wurde die Alfred-Landecker-Foundation gegründet, die 25 Millionen Euro pro Jahr über zehn Jahre ausschüttet – unter anderem für den Bau und Betrieb der Adenauer School of Government in Köln. „Ein bisschen Elite kann Köln sicher nicht schaden“, sagt Harf trocken. Das Studium dort ist kostenlos.1
Was ist die wichtigste Leistung seines Lebens? Harfs Antwort ist eindeutig: nicht die JAB Holding, nicht die Milliarden – sondern die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei. Gegründet zusammen mit seiner ersten Frau Mechtild, die an Leukämie starb, ist sie heute die größte Knochenmarkspenderdatei der Welt. Mehr als 13 Millionen registrierte Spenderinnen und Spender weltweit, über 130.000 Patientinnen und Patienten, denen geholfen werden konnte. „Nicht Milliarden, sondern Menschenleben. Das ist mein wahres Vermächtnis“1 – dieser Satz von Peter Harf sitzt. Tief.
Trotz Wohnsitzen am Comer See, in London und New York zieht es Harf immer wieder nach Köln zurück. Die Stadt findet er ehrlich gesagt „eine der hässlichsten, die ich kenne“ – aber der Dom, der Karneval, die Menschen mit ihrem Lebensmut: Das geht einfach nicht weg. Mit 80 Jahren steht er täglich um 4 Uhr auf, beantwortet alle Mails bis 7 Uhr und trainiert täglich zwei Stunden. Sein Ziel: 100 Jahre alt werden. Das wären noch 20 Jahre. Wir glauben ihm das irgendwie.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!