Das Church-Planting-Projekt in Köln-Zollstock endet vorzeitig: Was hinter dem frühen Aus für St. Pius steckt und wie es jetzt weitergeht.
Was im Herbst 2025 mit viel Hoffnung startete, ist knapp ein Jahr später schon wieder vorbei: Das Church-Planting-Projekt in der Kölner Gemeinde St. Pius in Zollstock wird deutlich früher als geplant beendet.1 Ursprünglich war das Projekt auf mindestens fünf Jahre angelegt – jetzt steht fest, dass der Vertrag zum 31. Dezember 2027 gekündigt wurde. Und es laufen sogar Gespräche über eine noch frühere Beendigung.1
Das klingt erstmal nach einer kleinen Lokalmeldung, steckt aber ganz schön viel dahinter. Was war da los in Zollstock?
Als das Erzbistum Köln das Projekt im Herbst 2025 startete, waren die Erwartungen groß. Ein eigenes Team aus Pfarrer, Referentin und Kirchenmusiker sollte die Kirche „zu einem Ort machen, an dem sich Menschen begegnen, unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht“.1 Besonders Menschen, die bisher wenig Kontakt zur Kirche hatten, sollten angesprochen werden. Auf dem Programm standen unter anderem:
Das klingt eigentlich super – und zeigt, wie viele niedrigschwellige Anlaufstellen für Menschen in Köln gerade entstehen oder entstehen sollten. Wer übrigens auf der Suche nach Unterstützung für junge Menschen ist, findet in unserem früheren Beitrag über neue Anlaufstellen für psychische Unterstützung in Köln hilfreiche Infos.2
Warum es nun doch so früh vorbei ist? Das bleibt bisher ziemlich nebulös. Im aktuellen Pfarrbrief heißt es lediglich, es sei „kein Geheimnis, dass rund um das Projekt der Gemeindegründung auch Konflikte und Verletzungen entstanden“ seien.1 Das Erzbistum Köln gibt sich auf Nachfrage bedeckt und erklärt nur, man sei nach zahlreichen Gesprächen zu der Einschätzung gelangt, dass das Projekt „an diesem Standort nicht dauerhaft fortgeführt werden soll“.1
Etwas persönlicher klingt es von Pfarrer Christoph Hittmeyer, dem leitenden Pfarrer der Pfarrei Köln Am Südkreuz. Er schreibt: „Manchmal passen Dinge nicht ganz zusammen.“ Es sei „beidseitig nicht recht möglich“ gewesen, gemeinsam Zukunft zu gestalten. Trotzdem sieht er den Versuch nicht als Fehler: „Ich trenne mich nicht mit einem schlechten Gefühl, denn es ist gut, sich beim ‚Nicht-zusammenpassen‘ zu trennen und mit Hoffnung auf gute zukünftige Wege zu gehen.“1
Dass es nicht rund lief, war allerdings schon früher ein Thema. Ein Protokoll des Pfarrgemeinderats vom März 2026 zeigt: Mehrere Mitglieder kritisierten, dass sie weder über die Planungen noch über den Start des Projekts informiert oder einbezogen worden seien.1 Eine langjährige Pfarrgemeinderätin sprach von mangelnder Wertschätzung für das Engagement der Ehrenamtlichen – und legte daraufhin ihr Mandat nieder.1
Auf mehrfache Nachfrage der Kölnischen Rundschau, welche der angekündigten Projekte bereits umgesetzt wurden, reagierte das Team bisher nicht und verwies auf September für weitere Antworten. Hochbeete im Pfarrgarten – eines der angekündigten Projekte – finden sich bisher jedenfalls nicht.1
Für das Church-Planting-Team sucht das Erzbistum bereits einen neuen Standort. Ziel sei es laut Erzbistum, „die gemachten Erfahrungen sorgfältig auszuwerten und einen Ort zu finden, an dem die Gemeinde unter guten Rahmenbedingungen weiter wachsen kann“.1 Positives soll dabei nicht verloren gehen: Pfarrer Hittmeyer betonte, dass gute Erfahrungen aus dem Projekt – etwa die neu gestaltete Firmvorbereitung – erhalten bleiben sollen.1
St. Pius selbst wird wieder vollständig in die Pastorale Einheit Köln Am Südkreuz integriert und geht mit der geplanten Fusion in der neuen Großpfarrei Regina Pacis auf.1 Eine Stellungnahme des Kirchenvorstands steht noch aus – genauso wie weitere Antworten vom Church-Planting-Team und dem Erzbistum nach der Sommerpause. In den kommenden Wochen dürfte also noch mehr rauskommen.
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