Die 18. DC Open bringt Bewegung in die Kunstszene: 50 Galerien in Köln und Düsseldorf öffnen gleichzeitig – mit spannenden Neueröffnungen und Top-Ausstellungen.
Wer dachte, die Kunstszene im Rheinland schläft vor sich hin, liegt komplett daneben. Bei der 18. DC Open öffnen fünfzig Galerien aus Köln und Düsseldorf gleichzeitig ihre Türen und zeigen frische Ausstellungen. Das Besondere: Hinter den Kulissen tut sich gerade richtig viel – Galerien ziehen um, neue Zweigstellen entstehen, und manche müssen leider auch schließen.1
André Schlechtriem, gebürtiger Troisdorfer und damit sozusagen halb Kölner, bringt seine Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem ins Belgische Viertel. Er hat sich in Berlin räumlich verkleinert – und damit genau die Ressourcen freigeschaufelt, um ein neues Kapitel am Rhein aufzuschlagen. Sein Argument? Am Rhein gebe es die „tollsten und treuesten“ Sammler neben jenen aus den USA. Außerdem kämen in Berlin seit Jahren immer weniger Interessenten vorbei.1
Den Auftakt macht Schlechtriem mit einer Schau von Zuzanna Czebatul. Die 1986 in Miedzyrzecz geborene, in Berlin lebende Künstlerin presst Sinnsprüche wie mit Zuckerguss auf herzförmige Objekte, die aussehen wie überdimensionale Lebkuchen – etwa der Satz „Desire Dies in Fulfilment“. Draußen vor der Tür hängt ein tapetengroßes Abbild von Kanzler Merz als Kleinkind neben einem Kunststoffpanzer – laut Galerist ein Statement gegen allgemeinen Wehrdienst und Kriegstreiberei. Preise: 5.000 bis 15.000 Euro. Die Schau läuft bis zum 24. Oktober.1
Nach 25 Jahren in Köln hat die Galerie van der Grinten den Sprung nach Düsseldorf gewagt – genauer gesagt nach Flingern. Und das aus gutem Grund: Dort gibt es inzwischen einen echten Galerie-Distrikt mit Prenzlauer-Berg-Flair und echtem Spaßfaktor beim Hopping. Franz van der Grinten nennt noch ein weiteres Argument für die Landeshauptstadt: Immer wieder tauchen dort kaufkräftige, lokale Sammler quasi aus dem Nichts auf, die vorher niemand auf dem Schirm hatte.1
Die neuen Räume eröffnet die Galerie mit opulenten Fotoarbeiten von Valérie Belin. Die 1964 in Boulogne-Billancourt geborene Künstlerin inszeniert in aufwendigen Shootings mit professionellen Models sämtliche Klischees und Schönheitsstereotypen, die der modernen Frau aufgedrängt werden. Preise: 14.300 bis 37.500 Euro. Zu sehen bis zum 7. November.1
Das Kölner Stammhaus der Galerie Karsten Greve bleibt, wo es ist – und das ist gut so. Denn was gerade dort zu sehen ist, hat es wirklich in sich: eine exzellente Werkschau von Louise Bourgeois mit rund fünfzig Skulpturen, Zeichnungen und Aquarellen aus dem Zeitraum seit 1947. Alle Werke stammen aus dem persönlichen Besitz des Galeristen, der sie nach eigenen Angaben allesamt direkt von der Künstlerin erworben hat.1
Highlights der Schau: schlanke, vertikale Skulpturen um 1948 mit Preisen um zwei Millionen Euro, ein farbstrahlendes Aquarell aus 2004 mit einem Meer aus wogenden Brüsten, und – wirklich schockierend – ein Miniaturgalgen aus dem Jahr 1998, an dem die Figur einer Frau hängt: „The Suicide“. Krass. Wer die Schau sieht, versteht sofort, warum Greve betont, er wolle „begrenzt verkaufen“. Die Ausstellung läuft bis zum 7. November.1
Nicht alles, was sich bewegt, ist eine Erfolgsgeschichte. Philipp von Rosen, lange Jahre mit einem profilierten Programm unterwegs, musste seine Kölner Galerie kürzlich schließen – ökonomisch sei es einfach nicht mehr gegangen. Ein echter Verlust für die Szene. Für ihn persönlich geht es als Experte beim Auktionshaus Lempertz weiter.1
Egal ob du Kunst-Nerd bist oder einfach mal was Besonderes erleben willst – die DC Open in Köln und Düsseldorf ist genau der richtige Moment, um in die lebendige Galerie-Welt des Rheinlands einzutauchen. Von Lebkuchenherz-Kunst bis zu Louise-Bourgeois-Raritäten ist für jeden was dabei. Schau vorbei – es lohnt sich!1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!