CDU-Innenstadt fordert Rücktritt von Rau wegen Drogen-Zentrum Köln – Parteispitze zögert. Alle Hintergründe im Überblick.
In der Kölner CDU sorgt die Debatte um das geplante Suchthilfezentrum im Pantaleonsviertel für erheblichen Streit. Der CDU-Stadtbezirksverband Innenstadt verlangt jetzt den Rücktritt von Sozialdezernent Harald Rau. Die Parteispitze und die Ratsfraktion distanzieren sich jedoch von dieser Forderung.
Die Diskussion um den Standort und die Leitungsfragen beim geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben spitzen sich zu. Anlass der Rücktrittsforderung durch den CDU-Innenstadtverband ist insbesondere der Umgang von Harald Rau mit der sich verändernden Drogenszene in Köln.
CDU-Innenstadtchef Andreas Bohl und der Kommunalpolitiker Florian Weber fordern, Rau solle für einen neuen Dezernenten Platz machen, der der „krisenhaften Lage gewachsen ist“. Hintergrund ist auch, dass Rau sein langjähriges Konzept für die offene Drogenszene am Neumarkt jüngst selbst als gescheitert bezeichnete, nachdem er es zuvor gegen Kritik verteidigt hatte. Der Stadtrat soll am 5. Februar über das neue Zentrum entscheiden (Express).
Harald Rau ist seit 2016 Sozialdezernent, gehört den Grünen an und ist dienstältestes Mitglied im Dezernenten-Team. Er betont, die gescheiterten Konzepte seien keine Frage persönlichen Versagens, sondern ein Spiegelbild der Entwicklung rund um den gestiegenen Crack-Konsum in Kölns Drogenszene. Bereits zuvor äußerten Kritiker, die Politik habe die Probleme zu lange ignoriert.
Die CDU-Fraktion im Rat und die Parteiführung unterstützen die Rücktrittsforderung nicht. CDU-Chefin Serap Güler und Fraktionschef Bernd Petelkau kritisieren Rau zwar ebenfalls für langsame Reaktionen, warnen jedoch, Rau dürfe nicht an den Bürgerinnen und Bürgern vorbei agieren. Zugleich hatte die CDU im März 2024 noch für Raus Wiederwahl und eine Amtszeitverlängerung bis 2028 gestimmt, um das damals bestehende Mehrheitsbündnis nicht zu gefährden (Kölner Stadt-Anzeiger).
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Christiane Martin hält die Rücktrittsforderung für „haltlos, populistisch und inhaltlich völlig unbegründet“. Sie betont, Rau habe – wie auch Oberbürgermeister und Polizeipräsident – nach aktuellem Stand informiert und argumentiert, dass die Situation sich dynamisch entwickle.
Eine Mehrheit für den Rücktritt von Rau ist derzeit nicht in Sicht. Eine Entscheidung zur Zukunft des Suchthilfezentrums soll im Rat am 5. Februar getroffen werden. Die Debatte um die richtige Strategie für die Offenlage und Bekämpfung der Drogenszene bleibt damit politisch brisant und weiterhin ein zentrales Thema in der Kölner Kommunalpolitik.
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