Mehrwertsteuersenkung rettet Gastro-Betriebe vor der Pleite – doch Mindestlohn und Personalmangel setzen Restaurants weiter unter Druck. Alle Infos hier.
Restaurants, Kneipen und Imbisse haben es gerade richtig schwer. Steigende Kosten für Lebensmittel und Personal setzen vielen Betrieben zu – und das nicht nur in NRW, sondern bundesweit. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent hat laut Experten eine echte Insolvenzwelle verhindert.
Das sagt zumindest Axel Klein, Geschäftsführer des Dehoga Sachsen, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Seine Einschätzung: Ohne die steuerliche Entlastung hätten vor allem auf dem Land zahlreiche Betriebe dichtmachen müssen. Wie n-tv berichtet, sagte Klein dazu klipp und klar: Ohne die Senkung wäre es eine Katastrophe geworden.
Der Bundestag hat mit dem Steueränderungsgesetz 2025 beschlossen, die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie dauerhaft auf 7 Prozent zu senken. Wichtig zu wissen: Das gilt nur fürs Essen. Bei Getränken bleibt es weiterhin beim vollen Satz von 19 Prozent. Trotzdem hat die Maßnahme laut Dehoga-Geschäftsführer Klein mehr gebracht, als man vielleicht denkt.
Nach seinen Angaben sind dadurch über 90 Prozent der Preise stabil geblieben – und das, obwohl die Kosten für Lebensmittel und Personal gleichzeitig gestiegen sind. Der niedrigere Steuersatz federt also einen Teil der Mehrkosten ab und schafft laut Klein sogar Spielraum für Investitionen.
Ganz entspannt ist die Lage für die Branche trotzdem nicht. Der gesetzliche Mindestlohn ist zum Jahresbeginn 2026 von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen. Für 2027 ist bereits die nächste Erhöhung auf 14,60 Euro geplant. Das bedeutet: Die Personalkosten klettern weiter nach oben, während die Steuersenkung nur einen Teil der Belastung ausgleicht.
Klein macht deutlich, dass die Steuersenkung allein nicht reicht, um die Gastronomie nachhaltig zu entlasten. Die Branche bleibt also unter erheblichem Kostendruck – auch wenn das Schlimmste erstmal abgewendet wurde.
Technische Innovationen wie das kürzlich eröffnete Roboter-Restaurant am Leipziger Hauptbahnhof sieht Klein zwar grundsätzlich positiv. Allerdings glaubt er nicht, dass solche Konzepte die personellen Engpässe in der Gastronomie wirklich lösen können. Automatisierung mag an der einen oder anderen Stelle helfen – ein Ersatz fürs Personal ist sie aber nicht.
Stattdessen sieht der Dehoga-Geschäftsführer vor allem bei den Arbeitszeitregelungen Handlungsbedarf. Klein plädiert dafür, die aus seiner Sicht zu starren Vorgaben flexibler zu gestalten. Konkret schlägt er vor, dass Beschäftigte nach Absprache mit ihrem Arbeitgeber an einzelnen Tagen auch mal elf Stunden arbeiten können sollten – solange die vereinbarte 40-Stunden-Woche insgesamt eingehalten wird.
Diese Flexibilisierung könnte aus Sicht des Verbandes helfen, die Arbeitsorganisation in Gastro-Betrieben besser an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Denn Personalmangel bleibt neben den Kosten eine der größten Baustellen der Branche.
Die Mehrwertsteuersenkung hat also erstmal für etwas Verschnaufpause gesorgt – gerade für kleinere Betriebe auf dem Land, die sonst eventuell hätten schließen müssen. Trotzdem zeigt sich: Die Gastro-Branche braucht mehr als nur eine Steuer-Entlastung, um langfristig stabil zu bleiben. Ob flexiblere Arbeitszeiten, technische Innovationen oder weitere politische Maßnahmen – die Diskussion um die Zukunft der Restaurants und Gaststätten ist definitiv noch nicht vorbei.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!