Obdachlose übernachten jetzt gegenüber dem Kölner Zeughaus – die Stadt spricht von einer Verlagerung. Was Geschäftsleute, Ordnungsamt und Polizei dazu sagen.
Wer morgens früh durch die Kölner Innenstadt läuft, dem fällt es auf: Vor dem ehemaligen italienischen Restaurant gegenüber dem Zeughaus haben sich in den vergangenen Wochen neue Schlafplätze gebildet. Matratzen, Kleidung, Gepäck – und Menschen, die dort die Nacht verbringen. Was steckt dahinter, und warum ändert sich so wenig an der Lage?1
Früher schliefen viele der Betroffenen vor allem an der Hohe Straße. Das hat sich nun verschoben. Laut Stadt Köln ist die Verlagerung Richtung Zeughaus „höchstwahrscheinlich auf die verstärkte frühmorgendliche Präsenz“ des Kommunalen Ordnungsdienstes auf der Hohe Straße zurückzuführen.1 Weil der Druck dort gewachsen ist, weichen die Menschen einfach aus – ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel.
Bei den Menschen, die gegenüber dem Zeughaus übernachten, handelt es sich laut Stadt zu großen Teilen um Bettler aus Rumänien, die tagsüber in der Kölner Innenstadt mit Pappschildern – oft mit Aufschriften wie „Bitte für Essen“ – um Geld bitten. Viele von ihnen kommen aus der Gegend um Brasov und Fagaras, einer der ärmsten Regionen der EU, und reisen zeitweise nach Köln.1 Als EU-Bürger dürfen sie sich bis zu 90 Tage visumfrei in Deutschland aufhalten. Einfaches Betteln ist in Köln grundsätzlich erlaubt – verboten sind nur aggressive, verkehrsbehindernde oder bandenmäßige Formen sowie bettelnde Kinder.1
Daniela Schlottmann, 57, arbeitet bei der Karnevalsschneiderei Jung und Ortmanns an der Komödienstraße – direkt in der Nähe des Zeughauses. Für sie ist die Situation Alltag: „Eigentlich jeden Morgen derselbe Obdachlose“ liege vor der Tür, wenn sie aufschließt. Ihr Fazit ist klar: „Eigentlich tun mir die Leute leid. Aber es ist nicht schön – nicht für uns, nicht für die Kunden, die das hier dann sehen – und auch nicht für die Menschen, die hier auf der Straße leben.“1
Seit der Betrieb im April 2025 an den Standort in der Innenstadt gezogen ist, sei die Präsenz von Obdachlosen rund um den Laden immer größer geworden, erzählt sie. Das Ordnungsamt zu rufen, helfe nur bedingt. „An Hausverbote hält sich da keiner. Und auch wenn ich die Polizei rufe, verweist die meist an das Ordnungsamt – und umgekehrt.“1 Zu körperlichen Übergriffen oder Bedrohungen sei es bisher nicht gekommen – trotzdem sagt Schlottmann: „So kann es nicht weitergehen. Es ist keine gute Situation für niemanden.“1
Sowohl Ordnungsamt als auch Polizei Köln haben bestätigt, dass die Lage am Zeughaus bekannt ist. Ein Polizeisprecher erklärte, es sei bekannt, dass Obdachlose dort seit Geraumer Zeit lagern und den Brunnen gegenüber zum Waschen nutzen.1 Als neuer Hotspot der Drogenszene sei der Ort bisher allerdings nicht aufgefallen, entsprechende Beschwerden gebe es nur vereinzelt, so eine Stadtsprecherin.
Ein Einschreiten des Ordnungsdienstes sei bei Obdachlosen „nur begrenzt möglich“, da die Menschen „hauptsächlich auf Privatflächen liegen“. Erst wenn Störungen in den öffentlichen Raum wirken – etwa durch organische Abfälle oder Notdurft – und Personen zugeordnet werden können, greife der Ordnungsdienst ein. Weitere Maßnahmen seien laut Stadtverwaltung nicht geplant.1
Hinweise auf Zwang, Banden oder kriminelle Hintergründe gibt es laut Stadt und Polizei übrigens nicht. Die ähnlichen Bettelschilder seien eher Ausdruck gegenseitiger Hilfe – viele der Bettler gehörten etwa zur selben Familie.1
Dass sich die Übernachtenden ausgerechnet gegenüber dem Zeughaus sammeln, hängt wohl auch mit der Umgebung zusammen. Das ehemalige Restaurant, dessen Vordach als Unterschlupf dient, steht seit mehr als einem Jahr leer. Das Zeughaus – ehemaliger Sitz des Kölnischen Stadtmuseums – ist ebenfalls seit Langem nicht mehr in Betrieb. Ringsum: vor allem Büros, einzelne Restaurants und Geschäfte. Nachts ist dort wenig los.1 Ein ruhiges Plätzchen also – zumindest bis der Ordnungsdienst morgens wieder seine Runden dreht.
Denn gegen 9 Uhr sind die Menschen, Matratzen und das Gepäck in der Regel schon verschwunden. Und kehren, wie eine Gastronomin in der Nähe bestätigt, oft erst gegen 22 Uhr wieder zurück. Das Katz-und-Maus-Spiel geht weiter – und eine echte Lösung ist bislang nicht in Sicht.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!