Eine 200 Jahre alte Rotbuche am Severinsklösterchen in Köln soll einem Neubau weichen – doch die Bezirksvertretung Innenstadt kämpft einstimmig dagegen.
Eine etwa 200 Jahre alte Rotbuche und eine rund 100 Jahre alte Kastanie – beide stehen auf dem Gelände des Severinsklösterchens in Kölns Südstadt, und beide sollen eigentlich einem Neubau weichen. Doch so einfach wollen Kölner Politiker das nicht hinnehmen.1
Die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt hat sich einstimmig gegen die Fällpläne der Cellitinnen ausgesprochen. Grüne, Linke, CDU und Volt brachten gemeinsam einen Dringlichkeitsantrag ein – und das Gremium stimmte geschlossen dafür. Das Verfahren zur Fällgenehmigung soll erstmal ausgesetzt werden.1
Im Mittelpunkt der Debatte steht vor allem die mächtige Rotbuche. Mit einem Stammumfang von ganzen vier Metern ist sie ein echtes Naturjuwel mitten in der Stadt. Die BV-Politiker fordern, dass „nachvollziehbar“ dargelegt wird, warum die Rotbuche – beschrieben als „mächtig und ortsprägend“ – nicht durch eine Planungsänderung erhalten werden kann. Immerhin befinde man sich noch in einem frühen Projektstadium.1
Besonders brisant: Bei einer früheren Präsentation des Bauprojekts soll laut den Antragstellern ausdrücklich zugesichert worden sein, dass die Rotbuche unangetastet bleibt. Deshalb hatten die Bezirksvertreter in einer vorangegangenen Sitzung im Januar keinen ergänzenden Antrag eingebracht. Dann kam jedoch eine Umplanung – und die Bäume standen plötzlich doch auf der Streichliste.1
Klar ist: Die Politiker sprechen sich nicht grundsätzlich gegen den Ausbau des Severinsklösterchens aus. Das Krankenhaus der Augustinerinnen hat sich Anfang dieses Jahres mit dem Krankenhaus St. Antonius zusammengeschlossen und ist seitdem Teil eines größeren Gesundheitsdienstleisters der Cellitinnen. Ein Neubau macht da durchaus Sinn.1
In dem geplanten Flachdach-Bau mit Unter-, Erd- und drei Obergeschossen sollen unter anderem eine Arztpraxis, eine Kita mit Außenspielfläche, ein Wohnheim für Pflege- und Klinikpersonal sowie Schulungs- und Veranstaltungsräume entstehen.1
Als Ausgleich für die Fällungen sind laut Bau- und Nutzungsbeschreibung 16 Ersatzpflanzungen vorgesehen – für viele aber kein wirklicher Ersatz für Bäume, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsen sind.1
Neben den Bäumen gibt es noch zwei weitere Streitpunkte. Da wäre zunächst die geplante Kita: Offiziell als Betriebskindergarten deklariert, sollen laut Reinhold Goss, Vorsitzender der Grünen-Fraktion in der BV, nur ein kleiner Teil der Plätze für Kinder des Klinikpersonals reserviert sein – der Rest stehe allen Kindern offen. Die BV fordert deshalb einen Nachweis, dass der Bedarf an Kita-Plätzen im Viertel tatsächlich groß genug ist, zumal gerade die Schließung der benachbarten Kita Karl-Korn-Straße zur Diskussion steht.1
Die SPD hingegen sieht das anders: Fraktionsmitglied Alicem Polat betonte, man unterstütze zwar das Ziel, die Bäume zu erhalten, teile aber nicht die Bedenken gegenüber dem Betriebskindergarten. Dieser diene den Bedürfnissen arbeitender Menschen und dürfe nicht an der allgemeinen Jugendhilfeplanung gemessen werden. Die SPD enthielt sich bei der Abstimmung.1
Zusätzlich steht ein geplanter Kreisverkehr mit „Kiss and Ride“-Zone in der Kritik. Die Erfahrung mit einem früheren Rondell am Haupteingang habe gezeigt, dass dort regelmäßig dauerhaft geparkt wurde. Die Bezirksvertreter befürchten deshalb Rückstaus bis zum Kartäuser Hof und zur Severinstraße.1
Die Bäume stehen vorerst noch. Die Cellitinnen müssen jetzt darlegen, ob die Rotbuche und die Kastanie wirklich nicht in die Planung integriert werden können. Ob der jahrhundertealte Baum am Ende gerettet wird, bleibt abzuwarten – aber die Kölner Politik hat klar signalisiert: So einfach fällt hier nichts.
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