Autorin Husch Josten spricht über Kölns Kultur zwischen Größenwahn und Realität – mit Lieblingsorten, Kritik an der Kulturpolitik und Tipps für den August.
Köln und seine Kultur: Das ist eine Liebesgeschichte mit ordentlich Drama. Autorin Husch Josten hat das in der Kölnischen Rundschau so treffend auf den Punkt gebracht, dass man innerlich nickt und gleichzeitig den Kopf schüttelt. Denn wer Köln kennt, kennt auch dieses Gefühl: stolz und frustriert zugleich.1
Josten ist in Köln aufgewachsen, hat samstags mit ihrem Vater Museen, den Dom und romanische Kirchen besucht – und danach gab’s Kuchen im Café Reichard auf roten Samtstühlen. Klingt nach einer ziemlich guten Kindheit, oder? Genau diese Prägung erklärt, warum sie bis heute eine tiefe Verbindung zu den Kirchen der Stadt hat. Ihr liebstes Duo: Maria Lyskirchen als kleinste und bescheidenste Kirche auf der einen Seite – und St. Gereon mit seinem beeindruckenden Dekagon auf der anderen. Für sie verkörpern die beiden Kirchen Köln in einem: das Bescheidene und das Kühne.1
Wenn Husch Josten von Köln schwärmt, dann bitte mit Substanz – keine leere Lobhudelei. Das Kolumba-Museum ist für sie so ein echter Herzensort. Warum? Weil es nichts erklärt, sondern dich selbst entdecken lässt. Aufgebaut auf römischen Ruinen, gotischen Trümmern und Weltkriegs-Schutt will das Gebäude laut Josten „nicht prahlen, sondern verwandeln“. Das hat was.1
Auch die Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig hat sie beeindruckt – Weltklasse, keine Frage. Aber: An manchen Stellen regnet es ins Museum rein. Josten findet klare Worte: Das 50 Jahre alte Haus ist ein Aushängeschild der Stadt und zeigt unter der Leitung von Yilmaz Dziewior mitreißende Ausstellungen – da muss beim Gebäude etwas passieren.1
Und dann ist da noch die Galerie Braunsfelder in Ehrenfeld – einer ihrer liebsten Spots überhaupt. Wechselnde, super kuratierte Ausstellungen, junge Künstlerinnen und Künstler und obendrauf eine Kunst- und Jazzbibliothek. Wer Jazz mag – Josten outet sich als Fan der WDR Big Band –, der weiß: Köln hat da einiges zu bieten.1
Jetzt kommt der Teil, bei dem Josten innerlich zusammensackt – und wir ehrlich gesagt auch. Die Kölner Kulturpolitik? Für sie ein echtes Rätsel. Einerseits der große Anspruch, weltbedeutend zu sein. Andererseits Entscheidungen, die genau das untergraben.1
Ein Beispiel, das besonders wehtut: Im Depot 2 des Carlswerks hätte Köln die Chance gehabt, ein Tanztheater anzusiedeln und sich als Stadt für modernen Tanz zu positionieren. Stattdessen wurden die Räume an ein Musical vermietet. Verpasste Chance, sagt Josten – und da kann man ihr schlecht widersprechen.1
Dazu kommt: Freie, unabhängige Theater werden mit der Heckenschere gekürzt, statt kreativ nach Lösungen zu suchen. Kooperationen fördern, bürgerschaftliches Engagement mobilisieren, neue Wege gehen – all das bleibt laut Josten auf der Strecke. Und das, was sie am meisten betrübt: Niemand übernimmt Verantwortung. „Alle lieben Köln, aber niemand liebt es mehr als seinen Posten“ – dieser Satz sitzt.1
Was Josten fordert, ist ein realistischerer Blick auf die Stadt: irgendwo zwischen Großmannssucht und Abgesang. Köln ist keine Weltstadt und wird es auch nicht, egal wie oft man es beschwört oder besingt. Aber Köln ist spannend – und das meint sie ernst.1
Als Literaturstadt zum Beispiel macht Köln richtig was her. Nicht in Sachen Autorendichte wie Berlin, aber das Publikum ist offen, engagiert und wirklich dabei. Dazu ein starkes Literaturhaus, die lit.Cologne und Buchhandlungen, für die Josten nur Superlative hat: Bittner, die Buchhandlung Goltsteinstraße, die Lengfeld’sche, die Buchhandlung Neusser Straße in Nippes, der Junkersdorfer Buchladen – und wer lokale Buchläden unterstützt, tut auch etwas für ein buntes Stadtbild.1
Fazit: Köln ist nicht perfekt – aber es ist lebendig, interessant und hat Ecken, die man wirklich lieben kann. Vielleicht liegt genau da die Stärke der Stadt. Nicht laut, sondern echt.1
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