Das neue Schwarzbuch deckt 17 NRW-Fälle auf: von der teuren Kölner Opern-Party bis zur gestoppten Marina in Monheim. Alle Details im Überblick.
Steuergeld verschwenden – und das in großem Stil? Genau das deckt der Bund der Steuerzahler (BdSt) jedes Jahr mit seinem Schwarzbuch auf. Am 1. Oktober 2026 ist die neue Ausgabe erschienen, und wie der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen berichtet, stecken 17 der insgesamt 100 bundesweiten Fälle in unserem Bundesland. Von teuren Telefonverträgen bis zu einer Millionen-Party für die Kölner Oper ist einiges dabei, was euch die Augenbrauen hochziehen lässt.
Fangen wir mit dem wohl auffälligsten Fall an: Die Kölner Oper. Sanierungs-Drama hat die Stadt Köln die Wiedereröffnung mit einer Werbekampagne und einem zweitägigen Eröffnungsfestival gefeiert. Gesamtkosten laut Bund der Steuerzahler NRW: 3,5 Millionen Euro. Eine Pressekonferenz hätte es wohl auch getan, um die Kölner über die Wiedereröffnung der Spielstätten zu informieren – so der Tenor im Schwarzbuch.
Auch Aachen taucht wieder auf: Die Stadt nutzt seit 2004 veraltete, teure Telefonverträge, ohne nach günstigeren Alternativen zu suchen – ein Fall, der schon 2024 im Schwarzbuch stand. Erst ab 2027 soll sich hier etwas ändern, nachdem die Stadt im April 2026 eine Ausschreibung für Mai angekündigt hatte.
Richtig kurios wird’s in Bielefeld: Die Stadt kaufte sieben Müllfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb – nur gab es keine passende Tankstelle. Die Fahrzeuge mussten für jede Tankfüllung 70 Kilometer nach Rheda-Wiedenbrück und zurück fahren. Nach langen Verhandlungen wurde zwar umgerüstet, ein Teil der Fördermittel musste aber zurückgezahlt werden. Mittlerweile hat die Stadt beschlossen, komplett auf Elektro-Müllautos umzusteigen.
In Monheim am Rhein wurde dagegen rechtzeitig die Reißleine gezogen: Die geplante Marina am Greisbachsee sollte ursprünglich 40 Millionen Euro kosten, später war schon von 106 Millionen Euro die Rede. Nach der Kommunalwahl 2025 entschied sich das neue Rathaus-Bündnis gegen das Projekt.
Nicht ganz so glimpflich lief es in Dortmund: Die geplanten Brücken am Rombergpark sollten zuletzt 17,75 statt ursprünglich 3,7 Millionen Euro kosten – trotz einer bereits vorhandenen Querung in der Nähe. Nach zweimaliger Kritik im Schwarzbuch lehnte der Rat das Projekt im Oktober 2025 endgültig ab.
Besonders bitter trifft es Olpe: Gleich zwei Fälle schaffen es ins Schwarzbuch. Zum einen wurde die technische Beigeordnete nur elf Monate nach ihrer Wiederwahl für acht Jahre wieder abgewählt – macht rund 660.000 Euro für Pensions- und Beihilfeansprüche, die zurückgestellt werden mussten. Konkrete Gründe nannte die Stadt dem Bund der Steuerzahler nicht. Zum anderen scheiterte das Projekt „Olper Hütte“: 2020 kaufte die Stadt ein Grundstück und gründete mit Partnern eine Genossenschaft für bezahlbaren Wohnraum. Höhere Baukosten, Altlasten und Unstimmigkeiten innerhalb der Genossenschaft sorgten am Ende für einen Millionenschaden.
Auch Wuppertal, Paderborn, Lüdenscheid und Leverkusen stehen mit teuren Bau- und Ausstattungsprojekten im Schwarzbuch – von einer Einkaufsstraße, die sich von fünf auf knapp 15 Millionen Euro verteuerte, bis zu Designer-Mülleimern, die schon zum zweiten Mal ersetzt werden müssen.
Wie der Bund der Steuerzahler auf seiner Seite steuerzahler.de erklärt, ist das Schwarzbuch mittlerweile in der 54. Ausgabe erschienen und deckt bundesweit 100 Fälle ab. Dazu zählen etwa das Deutsche Tapetenmuseum in Kassel, das mit fast 35 Millionen Euro deutlich teurer wurde als geplant, oder die Pläne für einen Regierungsflughafen am BER, bei dem aus einigen Hundert Millionen am Ende bis zu 2,5 Milliarden Euro werden könnten. BdSt-Präsident Reiner Holznagel appellierte bei der Präsentation an die Verantwortlichen, Strukturen zu überdenken und auf Unsinniges zu verzichten.
Ein eigenes Sonderkapitel widmet sich außerdem komplizierten Förderprogrammen, die laut Bund der Steuerzahler oft wie „vergiftete Geschenke“ wirken – teuer in der Beantragung und häufig ohne echten Nutzen für die Steuerzahler.
Ob Oper, Marina oder Müllauto: Das Schwarzbuch 2026/27 zeigt, dass öffentliche Gelder in NRW an vielen Ecken nicht optimal eingesetzt werden. Positive Beispiele wie die gestoppte Brücke in Dortmund oder die abgesagte Marina in Monheim machen aber auch Hoffnung, dass Kritik durchaus etwas bewirken kann. Wer sich alle Fälle im Detail ansehen will, findet das komplette Schwarzbuch kostenfrei auf der Seite des Bund der Steuerzahler.
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