Kölner Zoll kontrolliert Paketzusteller. Fokus: Lohndumping, Mindestlohn und Schwarzarbeit. Aktuelle Ergebnisse und Hintergründe.
Am 6. Mai 2026 war die Paketbranche bundesweit im Visier des Zolls: Mehr als 2900 Zollbeamte überprüften Paketzusteller, darunter rund hundert allein in Köln. Kontrolliert wurde vor allem an großen Verteilzentren – etwa bei Amazon in Chorweiler und DHL in Nippes.
Die branchenweiten Kontrollen zielten darauf ab, Verstöße gegen den Mindestlohn, Schwarzarbeit, fehlende Sozialversicherung und Leistungsbetrug aufzudecken. Gerade die Paketzustellbranche steht wegen komplizierter Subunternehmerstrukturen und niedriger Löhne immer wieder in der Kritik. Die Zollbeamten stellten sich dazu gezielt an Umschlags- und Verteilstellen auf, um möglichst viele Fahrer zu überprüfen (Rundschau Online).
Von 117 kontrollierten Zustellern aus 27 Firmen in Köln ergaben sich elf Verdachtsfälle auf Mindestlohn-Verstöße. In acht Fällen gab es Hinweise auf eine fehlende Sozialversicherung, dreimal wurde ein Missbrauch von Sozialleistungen vermutet und einmal fehlte die Arbeitserlaubnis. Die Beanstandungsquote ist laut Zoll hoch (Rundschau Online).
Laut Jens Ahland, Sprecher des Hauptzollamts Köln, vergeben die großen Paketkonzerne häufig Aufträge an regionale Zustellbetriebe, die diese wiederum an kleinere Logistikunternehmen weitergeben. „Ganz viele verdienen mit, bevor der Fahrer überhaupt sein Geld bekommt.“ Der Mindestlohn von 13,90 Euro werde oftmals umgangen, indem Wartezeiten vor dem Beladen oder Leerfahrten nicht als Arbeitszeit gezählt werden (Rundschau Online).
Für Paketzusteller gelten spezielle Regelungen: Sie müssen ihre Ausweispapiere mitführen und Arbeitszeiten lückenlos dokumentieren. Der Zoll achtete bei den Kontrollen besonders auf Schutzbehauptungen von Fahrern wie etwa Probearbeit oder neue Arbeitsverhältnisse, insbesondere wenn Fahrer ohne Anleitung Fracht auslieferten. Auch Leistungsbetrug, etwa mangelhafte Meldungen an das Jobcenter oder fehlender Versicherungsschutz, ist ein häufiges Problem (Rundschau Online).
Die Kontrollen führten in Köln nicht zu größeren Verzögerungen bei der Paketzustellung; einzelne Gespräche dauerten meist nur 15 bis 20 Minuten. Der Zoll weist darauf hin, dass das Ziel sei, die Beschäftigten über ihre Mindestlohnansprüche aufzuklären und vor Ausbeutung zu schützen. Die nun folgenden Ermittlungen können umfangreiche Verfahren bis hin zu Durchsuchungen und Haftbefehlen nach sich ziehen (Rundschau Online).
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil lobte den Einsatz und betonte, dass Lohndumping „nicht nur unanständig, sondern illegal“ sei. Ziel sei es, sowohl die Beschäftigten als auch die Einnahmen der Sozialversicherung zu schützen (Rundschau Online).
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