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Millionen-Mietvertrag: Muss Köln wirklich 2,55 Millionen Euro für Büros ausgeben?
17. August 2026

Köln mietet Büros in Dom-Nähe für 2,55 Millionen Euro – trotz Haushaltskrise. Was steckt hinter dem Millionen-Mietvertrag und warum musste der Stadtrat…

Köln und das ewige Geldproblem

Köln steht mal wieder in der Kritik – und diesmal geht’s ums Geld. Die Stadt will ein Bürohaus in Dom-Nähe für weitere zehn Jahre mieten, und das für satte 2,55 Millionen Euro. In Zeiten einer angespannten Haushaltskrise eine Entscheidung, die einige Fragen aufwirft. Kein Wunder, dass sich der Stadtrat da erst mal ordentlich rechtfertigen ließ. Wer übrigens wissen will, was Kölner selbst so über ihre Stadt denken, sollte in einem früheren Beitrag nachlesen, was Autor Navid Kermani an Köln liebt – und was ihn gewaltig nervt.2

Worum geht’s bei dem Mietvertrag?

Konkret dreht sich der Streit um das Bürohaus „Unter Goldschmied 6″, das rund 200 Meter südlich des Kölner Doms steht und einer privaten Gesellschaft gehört.1 Gut 1.000 Quadratmeter Bürofläche will die Stadt dort für weitere zehn Jahre anmieten. Die Gesamtkaltmiete: 2,04 Millionen Euro. Inklusive Nebenkosten kommt die Stadt auf insgesamt 2,55 Millionen Euro.1

Klingt erst mal nach viel Geld – aber laut Immobilienmaklern von BNP Paribas Real Estate lag die Durchschnittsmiete für Büroflächen in der Kölner Innenstadt im ersten Quartal dieses Jahres bei 23,80 Euro pro Quadratmeter. Die Stadt zahlt hier gerade mal 16,50 Euro – also satte 31 Prozent weniger als der Marktdurchschnitt.1 Klingt eigentlich nach einem guten Deal, oder?

Das Problem: Die Stadt mietet schon genug

Das Ganze ist vor allem deshalb heikel, weil die Stadt Köln eigentlich eine sogenannte Abmietstrategie verfolgt – also weniger Gebäude mieten will, statt mehr.1 Gleichzeitig hat sie das Bürohaus Rossio in der Messe-City für rund 290 Millionen Euro gekauft und die frühere Kaufhof-Zentrale für mehr als 300 Millionen Euro langfristig angemietet. Das schafft keine besonders glaubwürdige Kulisse für weitere Mietverträge.1

Auf Nachfrage erklärte die Verwaltung, dass die Zahl der genutzten Objekte von derzeit 49 auf zukünftig 35 sinken soll. Das klingt gut – allerdings zählen dabei Feuerwehr-Sonderbauten, Museen oder Bühnen nicht mit rein.1 Außerdem konnte die Stadtsprecherin nicht konkret benennen, welches Gebäude die Stadt im Gegenzug für den neuen Mietvertrag aufgibt. Das ist natürlich nicht gerade die transparenteste Antwort.

Warum braucht die Stadt das Büro überhaupt?

Die Verwaltung lieferte dann doch noch eine Begründung: Das Gebäude „Unter Goldschmied 6″ liegt direkt neben dem Rathaus und beherbergt Fraktionen, Ratsgruppen und Einzelmandatsträger sowie Dienststellen, die dem Oberbürgermeister direkt zugeordnet sind.1 Kurze Wege zum Rathaus – das macht also durchaus Sinn.

Außerdem spielt das Thema Desk-Sharing eine Rolle: Bis 2029 soll das Teilen von Schreibtischen für alle Dienststellen der Stadt verpflichtend werden. Durch Homeoffice, Urlaub, Krankheit und Fortbildungen braucht es eben nicht täglich für jede Person einen eigenen Schreibtisch. Dadurch hofft die Stadt, langfristig Flächen und damit Mietkosten einzusparen.1

Dringlichkeit auf den letzten Drücker

Besonders spannend ist, wie das Ganze abgelaufen ist: Der alte Mietvertrag lief am 31. Juli nach zehn Jahren aus – das war eigentlich lange bekannt. Trotzdem musste die Verwaltung eine sogenannte Dringlichkeitsentscheidung einholen, weil die Vorlage erst kurzfristig fertig wurde. Als Begründung heißt es offiziell: „erhöhter Abstimmungsbedarf mit der Eigentümerseite und verwaltungsintern“.1

Der Stadtrat stimmt endgültig erst am 2. September zu – also mehr als einen Monat nach Ablauf des alten Mietvertrags. Der Stadtrat hatte zugestimmt, nachdem die Verwaltung einige offene Fragen beantwortet hatte.1

Fazit: Günstiger Preis, aber Vertrauen muss noch wachsen

Unterm Strich zahlt die Stadt Köln für das Bürohaus „Unter Goldschmied 6″ weniger als marktüblich – und die Lage direkt neben dem Rathaus hat echte Vorteile. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack: Transparenz sieht anders aus, und wer immer wieder betont, weniger mieten zu wollen, muss genau das auch überzeugend belegen können. Die Kölnerinnen und Kölner – ob begeisterte Fans oder kritische Stimmen wie in unserem früheren Beitrag beschrieben – verdienen eine Stadtverwaltung, die ihre Entscheidungen klar und nachvollziehbar kommuniziert.2

Quellen

  1. Millionen-Mietvertrag: Stadt Köln muss sich für Büros in der Innenstadt rechtfertigen – Kölnische Rundschau
  2. Navid Kermani über Köln: Das liebt er – und das nervt ihn gewaltig – Antenne NRW


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