Das Kölnische Stadtmuseum erinnert an Olga Oppenheimer – eine Kölner Expressionistin, die 1941 ermordet wurde. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenlos.
Olga Oppenheimer – diesen Namen hast du wahrscheinlich noch nie gehört. Aber das soll sich jetzt ändern! Das Kölnische Stadtmuseum widmet der 1886 in Köln geborenen Expressionistin eine Ausstellung und holt sie damit aus der Versenkung, in der sie viel zu lange verschwunden war.1 Ihre Geschichte ist bewegend, lückenhaft und erschütternd zugleich – und absolut erzählenswert.
Olga Oppenheimers Aufstieg beginnt vielversprechend. Aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie, die ihr Zeichentalent früh fördert, geht sie mit Anfang 20 nach München – an die damals renommierte „Damenakademie“, eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für Malerinnen, die nicht an staatlichen Kunstakademien studieren durften. Danach verbringt sie ein Jahr in Paris und lernt bei Paul Sérusier, einem Schüler Gaugins.1
Zurück in Köln richtet sie 1910 ihr Atelier im Kölner Gereonshaus ein, eröffnet eine „Mal- und Zeichenschule“ und wird Mitbegründerin des „Gereonsclub“ – einem Forum für moderne Kunst, das Werke von Wassily Kandinsky, Gustav Klimt, Pablo Picasso und Vincent van Gogh nach Köln brachte. Kuratorin Markus Jansen bringt es auf den Punkt: „Olga Oppenheimer trug dazu bei, dass die internationale Moderne auch hier in der rheinischen Metropole angekommen ist.“1 Zusammen mit dem Bonner Expressionisten August Macke gründet sie außerdem die „Kölner Sezession“ – als eine von nur zwei Frauen gehört sie zu den Rheinischen Expressionisten. Ihre Bilder hängen in Museen, werden national und international gezeigt – unter anderem 1913 bei der amerikanischen Armory Show.1
Und dann? Abruptes Schweigen. Nach ihrer Hochzeit und der Geburt zweier Söhne 1914 und 1916 bricht ihre Karriere plötzlich ab. 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, wird sie in die Psychiatrie eingeliefert – warum, ist bis heute kaum bekannt. Die Patientenakten wurden zum großen Teil vernichtet. 1941 wird Olga Oppenheimer in einer Gaskammer ermordet. Die Nationalsozialisten versuchten, die Spuren ihres Todes gezielt zu verwischen.1
Was von ihrem Werk übrig blieb, ist erschreckend wenig: In der aktuellen Ausstellung ist nur eine einzige Zeichnung im Original zu sehen, dazu einige weitere Zeichnungen, Holzschnitte und ein expressionistisches Porträt ihrer Großmutter. Der Verbleib der Mehrheit ihrer Kunstwerke ist bis heute ungeklärt.1
Kurator Markus Jansen legt die vielen Lücken in Olga Oppenheimers Biografie bewusst offen – denn gerade diese Leerstellen erzählen ihre eigene Geschichte. Museumsdirektor Matthias Hamann betont, dass Oppenheimer viel zu lange „in der Versenkung verschwunden“ war. Das soll sich jetzt ändern.1
Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. September im „Open Space“ des Kölnischen Stadtmuseums – der Zugang ist kostenlos! Begleitet wird sie von einem umfangreichen Programm mit Führungen, Vorträgen, Stadtraum-Expeditionen, Lesungen und Gesprächsabenden. Vielleicht tauchen durch die Aufmerksamkeit sogar noch verschollene Werke wieder auf – das wäre der beste Beweis dafür, dass es sich lohnt, Olga Oppenheimer endlich den Platz zu geben, den sie verdient.1
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