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Pärchen lebt seit Wochen im Auto in Köln – Stadt stellt Ultimatum
13. August 2026

Ein Pärchen lebt seit Wochen in einem Schrottauto in Köln-Nippes. Jetzt hat die Stadt ein Ultimatum gestellt – was steckt hinter dem Fall?

Ein trauriger Anblick in Köln-Nippes

An der Escher Straße in Köln-Nippes steht seit rund vier Wochen ein weißer Ford Focus Kombi – und darin lebt ein Pärchen. Müll türmt sich im Inneren, es riecht intensiv, auf der Mittelkonsole steht eine Flasche Wodka. Ein Anwohner wandte sich schließlich an die Öffentlichkeit, weil er sich ernsthafte Sorgen macht: „Die Kinder trauen sich mittlerweile nicht mehr, dort vorbeizugehen“, sagt er.1

Die beiden Bewohner des Wagens sind jeweils 40 Jahre alt. Die Frau gibt an, aus Weißrussland zu stammen, ihr Mann aus Aserbaidschan. Beide sprechen kaum Deutsch. Die Frau erzählt, dass ihre vier Kinder in Heimen untergebracht sind – unter anderem in Köln und in Leverkusen. „Das macht mich fertig“, sagt sie. In ein Obdachlosenheim zu ziehen, lehnt sie trotzdem ab.1

Behörden und Streetworker – aber niemanden kann man zwingen

Die Polizei war am Dienstag, dem 11. August, vor Ort – nicht zum ersten Mal. Die Beamten ermahnten das Paar lediglich, die Türen geschlossen zu halten, um Unfälle zu vermeiden. Ein Fahrradweg verläuft direkt am Auto vorbei, die Straße ist stark befahren.1

Auch Streetworker haben laut Stadt bereits mehrfach versucht, Kontakt zu dem Pärchen aufzunehmen. Das Hilfsangebot wird aber konsequent abgelehnt. Die Stadt Köln macht klar: „Darüber hinaus sind die Möglichkeiten einer weitergehenden Intervention begrenzt, sofern die betroffenen Personen volljährig und geschäftsfähig sind und Unterstützungsangebote ablehnen.“1 Zwangsmaßnahmen seien nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen möglich.

Das Ultimatum – und was jetzt passiert

Das Fahrzeug ist laut Stadt als Schrott-Kfz eingestuft und abgemeldet. Ein erster Abschleppversuch scheiterte bereits: Das Pärchen weigerte sich, das Auto zu verlassen, sodass der Wagen nicht abtransportiert werden konnte.1 Jetzt hat das Ordnungsamt den beiden eine Frist gesetzt. Nach Ablauf des Ultimatums soll ein zweiter Abschleppversuch starten. Die Stadt sichert dabei zu, dass das Pärchen vorher die Möglichkeit bekommt, sein Hab und Gut aus dem Wagen zu räumen.

Was sagt eigentlich das Gesetz dazu?

Grundsätzlich ist es in Deutschland nicht verboten, eine Nacht im Auto zu schlafen – das ist sogar ausdrücklich erlaubt, etwa wenn man zu alkoholisiert ist, um sicher zu fahren. Aber: Wer sein Auto über mehrere Wochen hinweg als Ersatzwohnung nutzt, verlässt diesen Rahmen deutlich. Der Kölner Rechtsanwalt Prof. Christian Solmecke erklärt dazu gegenüber EXPRESS.de: „Das dauerhafte Wohnen oder Campieren im öffentlichen Straßenraum ist keine normale Verkehrsteilnahme mehr, sondern eine Sondernutzung.“1 Und für eine solche Sondernutzung bräuchte es eine Genehmigung der Stadt Köln – die fürs Wohnen am Straßenrand aber schlicht nicht erteilt wird.

„Die Dauer von vier Wochen ist hier ein ganz klares Indiz dafür, dass es nicht mehr um das Ausruhen für die Weiterfahrt geht“, so Solmecke weiter.1 Das Ordnungsamt hat also rechtlich durchaus Handhabe – auch wenn die menschliche Situation dahinter alles andere als einfach ist.

Ein Fall, der nachdenklich macht

Diese Geschichte aus Köln-Nippes zeigt, wie komplex das Thema Obdachlosigkeit wirklich ist. Auf der einen Seite stehen besorgte Anwohner und der Sicherheitsgedanke, auf der anderen Seite zwei Menschen, die offensichtlich in einer tiefen Krise stecken und Hilfe ablehnen. Wenn das Ultimatum abläuft und der Wagen abgeschleppt wird – wo gehen die beiden dann hin? Eine klare Antwort darauf gibt es leider noch nicht.1

Quellen

  1. Pärchen haust seit Wochen im Auto – Köln stellt Ultimatum – WA.de


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