Die Kölner Klubkomm fordert einen runden Tisch mit Politik und Verwaltung. Grund ist der Dauerchaos rund um Genehmigungen für Open-Air-Locations wie die…
Düsseldorf genehmigt gerade eine Open-Air-Fläche für Events mit bis zu 80.000 Menschen. Bonn bewirbt seinen Kunstrasen schon länger als die schönste Open-Air-Location, die Köln nicht hat. Und in Köln selbst? Weitestgehend Stillstand. Das ist das ernüchternde Fazit der Kölner Klubkomm, dem Verband der Kölner Clubs und Veranstalterinnen, der am Mittwoch zur Pressekonferenz an die Location Südbrücke in Poll eingeladen hat.1
Die Südbrücke an der Alfred-Schütte-Allee in Köln-Poll ist eigentlich ein Symbol für Aufbruch: ein weiträumiges Gelände mit einer Bühne aus Übersee-Containern, das zu Pandemiezeiten als Hoffnungsträger für die freie Kulturszene galt. Fünf Jahre später kämpft Geschäftsführer Boris Witschke noch immer um eine langfristige Spielerlaubnis.1
Die Situation ist zuletzt ordentlich eskaliert: Die Stadt Köln hat eine Ordnungsverfügung ausgesprochen – die Südbrücke darf nur noch mit Einzelgenehmigungen veranstalten. Damit kann sich die Location nicht mehr auf einen NRW-Erlass stützen, der eigentlich regelt, dass Veranstalter für bis zu 25 Events im Jahr mit unter 5.000 Besuchern keine Einzelgenehmigung der Bauaufsicht brauchen, sofern alle Gutachten und Sicherheitskonzepte vorliegen.1
Die Stadt begründet das mit einem Beschluss des Verwaltungsgerichts: Der Erlass gelte nur für Ausnahmen und temporäre Events – die Südbrücke aber strebe eine dauerhafte Bespielung an. Witschke widerspricht: Wo keine langfristige Genehmigung bestehe, könne nichts Dauerhaftes sein. Auch die Klubkomm nennt das Vorgehen der Bauaufsicht „willkürlich“ und „sprunghaft“.1
Nach öffentlichem Druck genehmigte die Verwaltung zwar die noch ausstehenden Sommer-Events – die Ordnungsverfügung wurde jedoch nicht zurückgezogen. Die Südbrücken-Betreiber haben deshalb beim Verwaltungsgericht Klage erhoben. Witschkes Ziel ist klar: eine auf zehn Jahre angedachte Spielerlaubnis. „Aus unserer Sicht steht ihr nichts im Wege“, so der Geschäftsführer.1
Für Klubkomm-Vorstand Jens Ponke, der auch die Bar Die Wohngemeinschaft betreibt, ist die Südbrücke kein Einzelfall: „Wir nehmen die Situation mit der Südbrücke zum Anlass, weil wir ein Muster erkennen und an diversen Stellen ähnliche Probleme trotz unterschiedlicher Ausgangsvoraussetzungen herrschen.“1
Das Muster sieht laut Klubkomm so aus:
Ponkes Fazit ist deutlich: „Der politische Wille zu Kulturräumen wird von der Verwaltung nicht umgesetzt und verweigert.“1
Die Stimmung in der Kölner Open-Air-Szene ist angespannt. Viele Veranstalter trauen sich laut Ponke nicht mal mehr, sich öffentlich zu äußern – aus Angst, selbst ins Visier der Behörden zu geraten. „Der Rückfall auf die Einzelgenehmigung bedeutet mehr Kosten und mehr bürokratischen Aufwand. Veranstalter wollen sich aus Angst nicht äußern, weil sie denken, auch sie könnte es demnächst treffen.“1
Die Klubkomm fordert deshalb einen runden Tisch, an dem Politik, Verwaltungsspitzen und beteiligte Ämter gemeinsam an Lösungen arbeiten. Denn eines ist klar: Solange Köln keine verlässlichen und transparenten Genehmigungsprozesse für Open-Air-Locations schafft, werden andere Städte weiter die Nase vorn haben – und Köln schaut zu.1
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