Schwimmbäder in NRW kämpfen ums Überleben: Kommunen zahlen pro Besuch rund 6,50 Euro drauf. Was Ehrenamt, Photovoltaik und Fördergelder bewirken können.
Pommesgeruch in der Luft, Kinder die vom Sprungbrett springen, Sonne auf dem Wasser – Freibad pur! Klingt nach unbeschwerten Sommertagen, oder? Doch hinter dieser Idylle steckt oft ein echter Kampf ums Überleben. Schwimmbäder in NRW stehen massiv unter Druck. Die Kosten explodieren, die Kassen der Kommunen sind leer – und ohne kreative Lösungen könnten viele Bäder schon bald für immer schließen.1
Ein besonders bewegendes Beispiel kommt aus Fröndenberg an der Ruhr: Das Freibad Dellwig wäre eigentlich längst Geschichte. 2011 musste die Stadt das Bad schließen, weil sie sich den Betrieb schlicht nicht mehr leisten konnte. Doch dann passierte etwas Tolles – die Community hat das Heft selbst in die Hand genommen.1
Über 100 Ehrenamtliche kümmern sich seitdem um die Wasseraufsicht, den Verkauf, die Reinigung und die Gartenpflege. Eine von ihnen ist Annette Reeske-Manthey: „Wenn ich am Becken bin, passe ich auf die Badegäste auf. Ich greife im Notfall ein und ich bin für die Badegäste auch Seelsorgerin. Dreimal am Tag nehme ich eine Wasserprobe und teste auf Chlor“, erzählt sie.1 Ihr Antrieb? Ganz einfach: „Ich war schon in meiner Jugend hier und will, dass meine Kinder die gleiche Jugend haben wie ich: Nach der Schule ins Freibad und gammeln.“
2012 konnte der Förderverein das Bad wieder öffnen. Heute hilft sogar eine Photovoltaikanlage dabei, die Energiekosten zu drücken. Aber ganz ohne Spenden und öffentliche Zuschüsse läuft auch hier nichts. Und der Nachwuchs bei den Freiwilligen? Der wird dringend gesucht. „Es müssen vor allem mehr jüngere Leute nachkommen“, sagt Uli Bartsch, Vorsitzender des Fördervereins Freibad Dellwig.1
Warum ist das alles so schwierig? Weil Schwimmbäder wirtschaftlich einfach kein Selbstläufer sind. Laut einer Auswertung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen kostete der Betrieb eines Schwimmbads im Jahr 2024 im Durchschnitt 1,4 Millionen Euro – dem standen aber nur Erlöse von durchschnittlich 665.000 Euro gegenüber.1
Konkret bedeutet das: Pro Besuch müssen die Kommunen in NRW durchschnittlich rund 6,50 Euro draufzahlen. Eintrittsgelder allein decken die Kosten also bei Weitem nicht. Das Defizit müssen die Städte und Gemeinden aus eigener Tasche ausgleichen – und das bei ohnehin schon klammen Haushalten.
Wie dramatisch die Lage sein kann, zeigt Heiligenhaus im Bergischen Land. Dort wird das alte Kombibad „Heljensbad“ abgerissen. Der geplante Neubau schlägt mit mehr als 50 Millionen Euro zu Buche. Andreas Sauerwein, technischer Beigeordneter der Stadt, macht keinen Hehl daraus: „Ein öffentliches Bad ist defizitär und ohne Fördermittel unvorstellbar.“1
Rund 30 Millionen Euro an Fördergeldern machen den Neubau überhaupt erst möglich. Außerdem soll das neue Bad deutlich energieeffizienter werden: kleinere Außenwasserflächen (dort geht besonders viel Wärme verloren), eine Photovoltaikanlage und eine Wärmepumpe sollen die laufenden Kosten senken. Das neue Schwimmbad wird damit zwar kleiner – aber zukunftsfähiger.1
Tobias Stockhoff, Präsident des Städte- und Gemeindebunds NRW, fordert mehr Investitionen des Bundes in die energetische Infrastruktur der Bäder. Effizientere Anlagen könnten vor allem die Heizkosten deutlich senken.1 Denn eines ist klar: Vollständig vermeiden lassen sich die laufenden Kosten nie – Wasser und Hallenluft müssen beheizt, Reinigung und Personal bezahlt werden.
Das Fazit ist eindeutig: Ehrenamt, Photovoltaik und kluge Planung helfen – aber ohne öffentliche Förderung und politischen Willen werden viele Schwimmbäder in NRW langfristig nicht zu retten sein. Damit der Pommesgeruch im Freibad auch in Zukunft in der Luft liegt, braucht es mehr als nur guten Willen.1
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