Weiße Insekten-Schwärme am Düsseldorfer Rhein sorgen für Staunen: Was hinter dem seltenen Naturschauspiel der Eintagsfliegen steckt, erfährst du hier.
Wer gerade am Düsseldorfer Rhein unterwegs ist, reibt sich vielleicht verwundert die Augen: Hunderttausende weiße Insekten schwirren durch die Luft, sammeln sich unter Laternen und sorgen für ein echtes Naturspektakel. Auf Social Media kursieren schon Videos, viele tippen auf Motten – aber weit gefehlt!1
Was da gerade am Rhein abgeht, hat einen ganz poetischen Namen: „vergängliche Jungfrau“ – so heißt die Eintagsfliege, die aktuell in Massen aus dem Fluss schlüpft. Mit dem wissenschaftlichen Namen Ephoron virgo ist sie eine von mehr als 70 Eintagsfliegen-Arten in Europa. Früher kannte man sie auch als „Weißwurm“, „Sommerschnee“ oder „Die Massenhafte“.1
Dietrich Cerff, Vorstandsvorsitzender der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, erklärt das Phänomen: Nur alle paar Jahre schlüpfen die Tiere in so großer Zahl aus dem Rhein und paaren sich in der Luft. Lange galten sie im Rhein sogar als ausgestorben – doch dank verbesserter Wasserqualität und moderner Kläranlagen haben sie sich ihren Lebensraum zurückerobert. Seit Anfang der 80er Jahre hat sich ihr Bestand stetig erhöht.1
Der Name verrät es schon: Das Leben der Eintagsfliege ist kurz. Nach der Paarung in der Luft sterben die Weibchen, fallen zurück in den Rhein und geben dort ihre Eier ab – der Kreislauf beginnt von vorne. Zum Problem wird den Tierchen das künstliche Licht: Unter Laternen, etwa an der Rheinkniebrücke, verenden viele auf dem Asphalt, statt ins Wasser zurückzukehren.1
Nicht nur in Düsseldorf ist das Phänomen zu beobachten – auch in Duisburg wurden die Schwärme gesichtet, wo die Insekten die Lampen am Bahnhof anlockten. Cerff berichtet, dass die Tiere durch Licht sogar bis zu zehn Kilometer vom Rhein weggelockt werden können. Am Niederrhein bei Kranenburg zog einst ein einzelnes Bürogebäude ganze Schwärme an.1
In sozialen Medien kommentieren manche das Spektakel als „Plage“ oder „ekelhaft“ – aber das sieht der Naturexperte ganz anders. Cerff rät dazu, den seltenen Anblick einfach zu genießen: „Das ist ein ganz besonderes Naturschauspiel, und in wenigen Tagen ist es wieder vorbei.“1
Und keine Sorge: Obwohl Millionen der Tiere durch Lichtverschmutzung nicht zur Fortpflanzung kommen, überleben laut Cerff genügend, um die Art langfristig zu sichern. Die vergängliche Jungfrau ist außerdem ein wichtiger Teil des Ökosystems – als Nahrungsquelle für Fische und größere Unterwasserinsekten spielt sie eine echte Rolle im Lebensraum Fluss.1
Früher war der Feind der Eintagsfliege übrigens nicht das elektrische Licht, sondern offenes Feuer. Menschen entzündeten Flammen, um die Tiere anzulocken – die Insekten versengten sich ihre schimmernden Flügel und wurden tonnenweise eingesammelt, um als Tierfutter oder Dünger zu dienen. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei!1
Also: Falls du gerade in Düsseldorf oder am Niederrhein unterwegs bist – schau dir das Schauspiel unbedingt an. Solche Momente sind selten, und in wenigen Tagen ist der weiße Zauber schon wieder Geschichte.
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