Der Zollstocker Dienstagszug fällt 2027 aus: Hohe Sicherheitskosten von 13.000 Euro und fehlende Helfer zwingen den Kölner Verein zur Absage des Karnevalszugs.
Nächstes Jahr müsst ihr in Köln-Zollstock auf ein Stück Karnevalstradition verzichten: Der Zollstocker Dienstagszug wird 2027 nicht stattfinden. Das hat der veranstaltende Verein, die Freunde des Zollstocker Dienstagszuges, mitgeteilt. Der Zug gehört seit rund 65 Jahren zum Karneval im Veedel – im Rekordjahr 2024 waren noch etwa 1500 Menschen dabei. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung bei vielen Fans des Zoches.
Der Grund für die Absage ist vor allem Geld. Wie Vereinsvorsitzender Michael Siegenbruck dem Kölner Stadt-Anzeiger erklärte, kostet die Durchführung des Zuges jährlich 13.000 Euro – und genau diese Summe muss der Verein jedes Jahr komplett neu auftreiben. Besonders ins Gewicht fällt dabei der hohe Sicherheitsdienst, dessen Auflagen laut Siegenbruck immer strenger werden. Aus den Mitgliedsbeiträgen allein lässt sich das nicht stemmen: Der Verein zählt knapp 80 Mitglieder, die jeweils 20 Euro im Jahr zahlen. Ohne Sponsoren und zusätzliche Unterstützung geht es also nicht.
Erschwerend kommt hinzu, dass zwei Schulen und der Verein „Fidele Fortuna“ ihre Teilnahme am Zug aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt haben. Auch die Vereinsarbeit selbst läuft nicht rund: Ein Frühschoppen blieb hinter den Erwartungen zurück, das Veedelsfest fiel komplett aus. Vor allem fehlt es an Helfern, die beim Organisieren mit anpacken.
Die Absage sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Unter anderem auf hallo-muenchen.de wird über mögliche Lösungen diskutiert – ein Leser schlägt etwa eine „Mitgeh-Gebühr“ von zehn Euro pro Teilnehmer vor, um die 13.000 Euro Kosten zu decken. Andere Stimmen sehen das Problem eher bei der mangelnden Spendenbereitschaft in der Stadt oder kritisieren, dass die Entscheidung nicht früher öffentlich gemacht wurde – sonst hätten sich vielleicht noch Helfer und Spender gefunden.
Dass Zollstock mit diesen Schwierigkeiten nicht allein dasteht, bestätigt auch das Festkomitee Kölner Karneval. Präsident Lutz Schade erklärte laut hallo-muenchen.de bei der Jahreshauptversammlung, dass die Veedelsvereine insgesamt stark unter Druck stehen. Der Rosenmontagszug selbst sei dank guter Kontakte zu Rettungsdiensten und Stadt weiterhin gut organisierbar, doch seit etwa einem Jahr gebe es vermehrt Absagen von Herbstfesten, Weihnachtsmärkten und St.-Martins-Umzügen. Als Gründe nannte Schade sowohl die Angst Verantwortlicher vor der Verantwortung als auch die enormen, finanziell aufwendigen Sicherheitskonzepte, die mittlerweile nötig sind.
Für die Zukunft gibt es dennoch Hoffnung. Vorsitzender Michael Siegenbruck will bei der Jahreshauptversammlung im November als Vereinschef zurücktreten, nachdem er den Verein rund zehn Jahre lang geführt hat. Trotzdem wünscht er sich, dass der Zug zurückkehrt: Für 2028 müsse gemeinsam eine Lösung gefunden werden. Ob das gelingt, bleibt offen – klar ist aber, dass sich Zollstock und das Festkomitee des Problems bewusst sind und nach Wegen suchen, damit Kölns Veedelszüge nicht nur Großen und Reichen vorbehalten bleiben.
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