Von November 2024 bis Juni 2025 erinnerte das Kunstprojekt Panorama Waidmarkt mit Pavillon und Logbuch an den Einsturz des Kölner Stadtarchivs.
Am Waidmarkt in Köln ist 16 Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs ein ungewöhnliches Kunstprojekt entstanden. Die Rotterdamer Künstlergruppe Observatorium wurde von der Stadt Köln beauftragt, eine künstlerische Intervention an diesem Ort umzusetzen – unter dem Titel „Die Zukunft des Stadtgedächtnisses – Neue urbane Räume für eine Kultur des Erinnerns“. Wie die Stadt Köln mitteilt, lief das Projekt von November 2024 bis Juni 2025 in zwei Phasen ab.
Im ersten Teil zog Künstler Andre Dekker mit einem mobilen Zeichenstudio durch die Einrichtungen rund um die Einsturzstelle. Gemeinsam mit Anwohnenden, Schülerinnen und Schülern, Gewerbetreibenden und weiteren Interessierten wurde die „Leerstelle“ im Stadtgefüge beobachtet und gezeichnet, so die Stadt Köln. Daraus entstanden zahlreiche Skizzen und Bilder, die einen Eindruck davon vermitteln, wie unterschiedlich Menschen diesen besonderen Ort wahrnehmen.
Von Mai bis Juni 2025 folgte dann der zweite Teil: Auf dem Waidmarkt wurde ein hölzerner Pavillon errichtet. Laut Angaben auf der Projektwebsite panorama-waidmarkt.de war der Pavillon vom 4. Mai bis zum 29. Juni 2025 geöffnet und diente als Begegnungs- und Veranstaltungsort, Atelier, offener Schulraum und als „Archiv auf Zeit“. Besucherinnen und Besucher konnten dort zum sogenannten „Logbuch der Zwischenzeit 2009 bis 2025“ beitragen.
Ziel des Projekts war es, laut Panorama-Waidmarkt zu dokumentieren, wie der Archiveinsturz das Lebensgefühl der Kölnerinnen und Kölner bis heute beeinflusst. Die gesammelten Dokumente und Geschichten werden inventarisiert und dem Historischen Archiv der Stadt Köln übergeben. Auf Einladung der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln hatte zuvor eine Projektwerkstatt aus Expertinnen und Experten – in Zusammenarbeit mit Archivkomplex und Köln kann auch anders – eine Vision für einen Campus des kulturellen Erbes, der Bildung und der Künste entwickelt.
Im Rahmen des Programms gab es verschiedene Veranstaltungen am Pavillon, etwa eine Ausstellung mit Künstlergespräch der Porträtmalerin Marja Zomer, die 50 am Projekt beteiligte Personen porträtierte. Auch ein musikalisches Stück für E-Bass, Tuschezeichnung und Resonanzkörper von Andre Dekker und Janko Hanushevsky wurde laut Panorama-Waidmarkt aufgeführt. Am letzten Öffnungstag, dem 29. Juni 2025, wurden zudem die 24 Türen des Pavillons mit dem darauf abgebildeten Panorama-Waidmarkt der Öffentlichkeit präsentiert.
Zum Abschluss des Projekts fand eine Vertragsunterzeichnung statt: Die Panorama-Waidmarkt-Sammlung wurde offiziell an das Historische Archiv mit Rheinischem Bildarchiv übergeben, vertreten durch dessen Leiter Dr. Ulrich Fischer sowie Andre Dekker und Geert van de Camp von der Gruppe Observatorium. Damit bleiben die während der zwei Projektphasen gesammelten Zeitzeugnisse und Visionen dauerhaft dokumentiert.
Wie WDR 3 in der Sendung „Resonanzen“ berichtete, liegt inzwischen auch ein städtebauliches Konzept dafür vor, wie die Stadt den Waidmarkt rund um das ehemalige Archiv künftig gestalten will. Der Kölner Kurator Kay von Keitz ordnete darin die Pläne und das Kunstprojekt ein. Nach 16 Jahren bleibt der Waidmarkt damit ein Ort, an dem sowohl die Vergangenheit aufgearbeitet als auch über die Zukunft nachgedacht wird.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!