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Tennisplatz auf dem Dach: Die legendäre Dachterrasse einer Mülheimer Großfamilie
5. August 2026

Roswitha und Willi Schäfer aus Köln-Mülheim haben eine tennisplatzgroße Dachterrasse – und die hält ihre Großfamilie seit Jahrzehnten zusammen.

Kein Urlaub nötig – wenn das Draußenzimmer schon zuhause wartet

Stell dir vor, du öffnest einfach eine Tür – und stehst plötzlich inmitten von Blumen, Vogelgezwitscher und sattgrünem Grün, obwohl du mitten in Köln-Mülheim wohnst. Genau das ist für Roswitha und Willi Schäfer seit Jahrzehnten Alltag. Die beiden 91-Jährigen besitzen in der Stegerwaldsiedlung in Mülheim eine Dachterrasse, die man nur als spektakulär bezeichnen kann – geschätzt so groß wie ein Tennisplatz.1

Von Waschbetonkübeln bis zum Feigenbaum: Eine Terrasse, die gewachsen ist

Seit 1973 leben Roswitha und Willi Schäfer in ihrem selbst gebauten Haus in der Stegerwaldsiedlung. Die Terrasse, die sich heute über der kompletten Fläche des ehemaligen Familien-Supermarkts erstreckt, war nicht immer so groß – sie wuchs mit den Jahren.1 Früher standen schwere Waschbetonkübel in der Mitte, in denen Wein angebaut und selbst gekeltert wurde. Hat er geschmeckt? Roswitha Schäfer lacht: Hat er nicht.1

Heute sieht das ganz anders aus. Die Terrasse ist ein echtes Gesamtkunstwerk: Dahlien in allen Farben, Basilikum, Verbene, Chrysanthemen und Weihrauch, der langsam die Brüstung hinunterwächst. Ein kleiner Holzzaun trennt den Blumenbereich vom Nutzgarten, wo Tomaten, Gurken, Salat und Kohlrabi wachsen. Und dann ist da noch der Feigenbaum, der jedes Jahr acht bis zehn Kilo abwirft.1 Wie ist das in meinen Warenkorb gekommen? Bei den Schäfers wächst es einfach auf dem Dach.

„Was haben wir hier gefeiert…“ – die Terrasse als Familientreffpunkt

Für Roswitha und Willi Schäfer war ihre Dachterrasse nie nur ein ruhiger Rückzugsort. Sie war immer der Ort, an dem Familie und Freunde zusammenkamen. Von Hochzeiten bis zu runden Geburtstagen – hier oben wurde alles gefeiert.1 Aus dem Keller kommt bei besonderen Anlässen der sogenannte „Pastorentisch“, den man so weit ausziehen kann, dass 18 bis 20 Menschen daran Platz finden.1

Die Familie ist groß: drei Töchter, sechs Enkelkinder, sieben Urenkel – und alle kennen diese Terrasse seit ihrer Kindheit. Für die Enkelkinder stand hier sogar mal ein rund drei Meter großes Schwimmbecken mitten auf dem Dach. Roswitha Schäfer hatte ihre Bedenken wegen der Statik – aber es hat gehalten.1

Freiheit auf 91 Jahre – besonders in der Pandemie

Dass ihre Terrasse ein echtes Stück Freiheit bedeutet, haben die Schäfers besonders während der Pandemie gespürt. Während viele Menschen nicht wussten, wohin, öffneten sie einfach eine ihrer Türen und waren sofort draußen – in der Natur, ohne Straßenlärm, dafür mit Vogelgezwitscher und grünem Rundumblick.1 „Es ist ein absoluter Genuss, wenn man abends hier raus kann“, sagt Roswitha Schäfer.

Eine Tochter und ein Enkelsohn mit seiner Familie wohnen ebenfalls im Haus. Der Enkelsohn hat laut seiner Partnerin Julia immer klar gesagt: „Solange Oma und Opa leben, ziehe ich hier nicht weg.“1 Wenn größere Arbeiten auf der Terrasse anfallen, packt die Familie gemeinsam an – denn auf Leitern oder beim Schleppen von schweren Dingen sollen Roswitha und Willi nicht mehr ran. Gießen ist okay – solange es nicht zu heiß ist und die Päuschen nicht fehlen.1

Ein Stück Mülheimer Geschichte

Die Stegerwaldsiedlung, in der die Schäfers seit über 50 Jahren zuhause sind, hat selbst eine bewegte Geschichte. Von 1952 bis 1956 ließ die Deutsche Wohnungsgesellschaft (Dewog) dort 1677 Wohneinheiten für rund 6000 Menschen errichten – die früheste Kölner Großsiedlung nach dem Krieg.1 Zur Erstausstattung gehörten Kindergarten, Schule, Kirchen und alles für den täglichen Bedarf – von der Metzgerei bis zur Apotheke. „Die Siedlung war autark“, erinnert sich Hobby-Historiker Manfred Moll, der von 1954 bis 1973 dort wohnte.1

Und mitten in dieser Geschichte: ein Ehepaar, das seit 1956 verheiratet ist, das einst einen Supermarkt betrieb, in dem am Wochenende fünf Frauen in der Fleischabteilung arbeiteten – und das heute, mit je 91 Jahren, auf einer tennisplatzgroßen Dachterrasse sitzt und auf Jahrzehnte voller Leben, Lachen und Feste zurückblickt. Das ist das schönste Zuhause, das man sich vorstellen kann.

Quellen

  1. „Was haben wir hier gefeiert…“: Eine Dachterrasse für die Mülheimer Großfamilie – Kölnische Rundschau


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