Ludwig Sebus feiert am 5. September 2026 seinen 101. Geburtstag – und hat klare Worte zum Zustand Kölns. Was den Karneval-Grandseigneur wirklich stört.
Kaum jemand trifft die kölsche Seele so treffsicher wie er: Ludwig Sebus, Krätzchensänger, Komponist und Textdichter, feiert am 5. September 2026 seinen 101. Geburtstag.1 Und wer glaubt, ein Mann in diesem Alter würde sich in Zurückhaltung üben, der kennt den Kölner Grandseigneur nicht. Sebus lädt rund 120 Menschen zu seiner Feier ein und verspricht: „An dem Tag gibt es Turbulenzen in allen Formen.“ Klingt nach einer Party, die sich gewaschen hat.
Dass der Alltag mit 101 Jahren nicht ohne Hürden kommt, macht Sebus keinen Hehl daraus. „Ich habe oft Krämpfe in den Füßen, Arthrose im Nacken, Hautkrebs. Ich schleppe einiges mit“, sagt er offen.1 Dazu kommen Schlafprobleme, schwächer werdende Seh- und Hörleistung. Und doch bleibt sein Lebensmotto erfrischend klar: „Wenn man morgens wach wird, muss man sich freuen.“
Gesellschaft ist für ihn das beste Mittel gegen alles. Freunde wie Manfred Schäfer und dessen Frau Uschi sowie Haushaltshilfe Inge Hellwig, die selbst schon 83 Jahre alt ist, sorgen dafür, dass er unter Menschen kommt. „Sie alle sorgen dafür, dass ich unter Menschen komme, denn sie wissen, dass ich dann auflebe“, so Sebus.1 In der vergangenen Karnevalssession war er auf rund 150 Terminen unterwegs – respekt!
Wer so lange in einer Stadt lebt, darf auch mal Klartext reden. Und genau das tut Sebus. „Köln hat sich nach hinten entwickelt“, sagt er ernst.1 Als einzigen Hoffnungspunkt nennt er den Dom – fügt aber gleich mit seinem typischen Lachen hinzu: „Wenn man den nicht mehr sehen würde, wären wir bedeutungsloser als Düsseldorf.“
Doch beim Thema Dom-Eintritt hört der Spaß auf. Das aktuelle Ticket-System zum Betreten des Doms bezeichnet er schlicht als „schockierend und Blödsinn“.1 Und damit nicht genug: „Köln ist zu lahm und zu dreckig geworden. Schnell gehen hier nur Verbote und Ablehnungen.“ Auch der Umgang mit Suchtkranken, die man „wie in ein Ghetto verbannen will“, stört ihn sichtlich.
Einen Tag nach seinem Geburtstag feiert sein enger Weggefährte Gustav „Jussi“ Pesch seinen 70. Geburtstag – und das Haus Thomas, das Jussi in sechster Generation führt, existiert in diesem Jahr seit stolzen 180 Jahren.1 Die beiden feiern gemeinsam rein, natürlich mit dem typisch kölschen Lachen, das die Runde prägt.
Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester hat sich zum Geburtstag angesagt. „Ich bin mit Torsten per Du“, sagt Sebus. „Von ihm habe ich einen guten Eindruck. Er sieht die Probleme der Stadt, ist Realist und will für Köln nur das Allerbeste.“1 Vielleicht gelingt es Burmester ja auch, eine andere Hängepartie zu lösen: Bereits zum 95. Geburtstag war Sebus ein Brunnen am Deutzer Rheinufer versprochen worden – passiert ist seitdem nichts.
Große Wünsche hat der Jubilar nicht. „Wenn ich ein sicheres Dach über dem Kopf habe und im Kühlschrank Sachen sind, die mir schmecken, benötige ich keine Millionen. Zufriedenheit ist alles, die kann man durch nichts ersetzen“, sagt Sebus.1 Und wer weiß – vielleicht legt der Mann, der 1925 in Hohenlind das Licht der Welt erblickt hat, sogar noch einen neuen Song nach. „Ich könnte mir das vorstellen, noch mal ein Lied aufzunehmen. Ich bin ja noch jung genug.“ Sagt’s – und bricht in schallendes Gelächter aus. Alles Gute zum 101., Ludwig!
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