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Es reicht! Kölner Gastro-Beschäftigte gehen auf die Straße
7. September 2026

Kölner Gastro-Beschäftigte protestieren gegen 16-Stunden-Schichten, unbezahlte Überstunden und Löhne, von denen man in Köln kaum leben kann.

16-Stunden-Schichten, unbezahlte Überstunden – so läuft’s in der Kölner Gastronomie

Stell dir vor, du gehst morgens zur Arbeit und weißt nicht mal, wann du abends nach Hause kommst. Für viele Beschäftigte in der Kölner Gastronomie ist das kein Ausnahmetag – das ist Alltag. Zu lange Schichten, zu wenig Geld und kaum planbare Freizeit: Die Situation in der Branche hat ein Maß erreicht, das viele nicht mehr hinnehmen wollen. Und das macht sich jetzt auch auf der Straße bemerkbar.1

Wenn Azubis länger als 16 Stunden schuften

Marc Kissinger, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Köln, hat Zahlen, die einem die Sprache verschlagen. Wenn er in Berufsschulen fragt, wer schon mal länger als zehn Stunden gearbeitet hat, gehen alle Hände hoch. Bei zwölf Stunden? Immer noch viele. Und bei über 16 Stunden gehen die letzten Hände erst nach unten.1

Das Problem: Laut Gesetz dürfen Azubis maximal zehn Stunden am Tag arbeiten. Wenn Kissinger das den Schülerinnen und Schülern erklärt, schauen ihn die meisten mit großen Augen an – weil ihre tägliche Realität eine ganz andere ist. „Es ist extrem frustrierend, dass motivierte Leute schon so früh solche Erfahrungen machen, denn das lädt nicht zum Bleiben ein“, sagt er.1

Mehr Betriebe, weniger Personal – die Lage nach Corona

Rund 32.000 Menschen arbeiten aktuell in der Kölner Gastronomie – Minijobber mitgezählt. Trotzdem fehlt überall das Personal. Und das hat sich seit der Pandemie sogar noch verschlimmert: Laut NGG gibt es in Köln inzwischen mehr Gastronomiebetriebe als vor Corona, gleichzeitig aber weniger Menschen, die dort arbeiten. Eine gefährliche Kombination.1

Die Folge: Wer eigentlich frei hat, wird trotzdem reingerufen. Dienstpläne werden kurzfristig zusammengewürfelt. Viele Beschäftigte kommen zur Arbeit und wissen schlicht nicht, wann ihr Tag endet. Erholsame Freizeit? Kaum möglich. Kissinger bringt es auf den Punkt: „Die Beschäftigten hier in Köln leiden extrem unter der geschrumpften Belegschaft und der Arbeitsverdichtung.“1

2.700 Euro brutto – reicht das in Köln zum Leben?

Neben den Arbeitszeiten ist auch der Lohn ein riesiges Thema. Isabell Muhr, die für die NGG mit am Tarifverhandlungstisch sitzt, rechnet vor: Eine Fachkraft, die nach der Ausbildung Vollzeit in der Gastronomie startet, verdient rund 2.700 Euro brutto. „Wie soll man davon eine Miete in Köln bezahlen oder eine Familie ernähren?“, fragt sie – und die Antwort liegt auf der Hand.1

Genau deshalb sind laufende Tarifverhandlungen fürs Gastgewerbe in NRW gerade so wichtig. Die NGG fordert faire Löhne, verlässliche Dienstpläne, ausreichend Personal und vor allem gesunde Arbeitszeiten. Kein übertriebenes Wunschdenken – sondern Grundlagen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten.1

Kundgebung am Rudolfplatz: „Es reicht!“

Unter dem Motto „Wir sagen: Es reicht!“ sind Gastro-Beschäftigte aus Köln deshalb auf die Straße gegangen – mit einer Kundgebung auf dem Rudolfplatz von 11 bis 13 Uhr. Die Botschaft ist klar: Personalmangel und hoher Arbeitsdruck rechtfertigen es nicht, bestehende Gesetze einfach zu ignorieren. In Teilen der Branche habe sich laut Kissinger eine Art „Gewohnheitsrecht“ entwickelt, das Regelverstöße als branchenüblich normalisiert. Und dagegen wird jetzt aktiv angegangen.1

Die Kölner Gastronomie braucht dringend Veränderung – für die Menschen, die sie am Laufen halten. Denn wer zu lange für zu wenig Geld arbeitet, dreht irgendwann den Spieß um. Und geht einfach.1

Quellen

  1. Zu lange Schichten, zu wenig Geld: Kölner Gastro-Beschäftigte gehen auf die Straße – WDR


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