Kölns Haushaltsentwurf 2027/2028 trifft Ehrenamt, Beratungsstellen und Sport hart. Betroffene schildern, was die Kürzungen für die Stadt konkret bedeuten.
Köln steckt tief in der Haushaltskrise. Bis 2031 droht der Stadt ein Verlust von mehr als vier Milliarden Euro – und der Entwurf für den Haushalt 2027/2028 zeigt jetzt ganz konkret, wo gespart werden soll. Was das in der Praxis bedeutet? Wir lassen die Betroffenen selbst zu Wort kommen. Spoiler: Es trifft vor allem diejenigen, die sowieso schon wenig haben.1
Sabine Osbelt, Geschäftsführerin der „Lobby für Mädchen“, macht deutlich, was Kürzungen bei Jugendeinrichtungen konkret bedeuten: weniger Öffnungszeiten, weniger Bildung, weniger Prävention. Und: noch weniger Safer Spaces für Mädchen und junge Frauen in Köln – obwohl die Zahlen zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen bundesweit steigen.1
Ähnlich dramatisch klingt es bei Antje Strick von der Beratungsstelle „Frauen Leben“: Laut Haushaltsentwurf würden 58.684 Euro – also die gesamte institutionelle städtische Förderung – wegfallen. Das entspricht rund 18 Prozent der Finanzierung. Die Konsequenz: 900 von Gewalt betroffene Frauen pro Jahr könnten in Köln nicht mehr beraten werden. Wartezeiten von drei bis vier Wochen würden sich noch weiter verlängern.1
Besonders heftig trifft es die Kölner Freiwilligen-Agentur. Geschäftsführerin Karolin Hüner berichtet von kommunalen Kürzungen in Höhe von 45 Prozent. Projekte wie „Lese-Welten“ – ein Kita-Vorleseprojekt – oder das „Forum für Willkommenskultur“ tauchen im Haushaltsentwurf schlicht nicht mehr auf. Und das, obwohl die institutionelle Förderung laut Hüner ohnehin seit Jahren nicht an Inflation oder Tarifsteigerungen angepasst wurde – und jetzt sogar deutlich gekürzt werden soll.1
„Unser Kernstück, die Ehrenamtsvermittlung und Beratung von interessierten Kölnerinnen und Kölnern, muss demnach deutlich zurückgeschraubt werden“, so Hüner. Das klingt nicht nur nach einem Problem für die Agentur selbst – sondern für die ganze Stadtgesellschaft.1
Alfred Getz, geschäftsführender Vereinsvorstand des Kölner Therapiezentrums, schildert eine weitere besorgniserregende Situation: Der Bereich der ganzheitlichen Heilpädagogik für Grundschulkinder ist im Haushaltsentwurf komplett gestrichen. Bisher bekam das Zentrum rund 720.000 Euro jährlich – damit wurden 2.360 Familien pro Jahr unterstützt, vor allem in benachteiligten Stadtteilen.1
Ulrich Bergmann vom Paritätischen Köln bringt es auf den Punkt: Wenn das Kölner Therapiezentrum wegfällt, muss die Stadt am Ende mehr Geld für Hilfe zur Erziehung ausgeben. Getz selbst rechnet vor, dass die Alternativen die Stadt das Vierfache kosten würden. Kurzsichtiges Sparen, das langfristig teurer wird – so lautet das klare Fazit der Betroffenen.1
Auch der Sport bleibt nicht verschont: Christian Schauerte, zweiter Vorsitzender des Kölner Eis-Klubs, berichtet von einem drohenden Minus von 100.000 Euro durch die Streichung der Eissportförderung. Um das aufzufangen, wären Beitragserhöhungen von 66 Prozent nötig – was laut Schauerte schlicht nicht umsetzbar ist. Die Folge: Das Ende des Eisklubs an der Lentstraße nach 90 Jahren, ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Eiskunstlauf, Eistanz, Eisschnelllauf und Curling wären dann Geschichte in Köln.1
Besonders bitter: Im Vorfeld habe es laut Schauerte keinerlei Kommunikation mit dem Verein gegeben. „Die Verhaltensweise der Stadt Köln ist wenig geeignet, um Motivation zum Ehrenamt zu schaffen“, so sein klares Urteil.1
Die Stimmen aus Köln sind eindeutig: Der Haushaltsentwurf 2027/2028 trifft Einrichtungen, die das soziale Netz der Stadt zusammenhalten – und die Menschen, die am dringendsten auf Unterstützung angewiesen sind. Ob der Rat der Stadt Köln noch nachsteuert, bleibt abzuwarten. Aber eines ist klar: Die Betroffenen machen laut – und das zu Recht.1
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