Kölner Museen im Sanierungsstau: Was läuft da schief, und was bedeutet das für die Kulturstadt Köln? Wir schauen genauer hin.
Hand aufs Herz: Wann warst du zuletzt in einem Kölner Museum? Falls du gerade überlegst, eins zu besuchen – schlechte Neuigkeiten. Viele der bekanntesten Häuser der Stadt sind zurzeit dicht. Nicht wegen Ferien oder Feiertagen, sondern wegen Sanierung. Und das ist leider kein kurzfristiges Problem, sondern ein Dauerzustand, der Köln kulturell gerade richtig teuer zu stehen kommt.1
Eines der bekanntesten Werke des Wallraf-Richartz-Museums – das legendäre Selbstporträt von Rembrandt aus der Zeit um 1662 – hat das Haus soeben verlassen. Die Ausstellung ist nämlich bis auf Weiteres geschlossen, weil das Museum renoviert wird. Kein Einzelfall: Das Römisch-Germanische Museum ist schon seit 2018 wegen Sanierung zu. Das Kölnische Stadtmuseum musste komplett aus seinem historischen Zeughaus ausziehen und gastiert jetzt in einem ehemaligen Modehaus.1
Klingt chaotisch? Ist es auch.
Stefan Kraus, Kunsthistoriker und ehemaliger Leiter des Kölner Kunstmuseums Kolumba, bringt es auf den Punkt: Vor rund 50 Jahren, zur Eröffnung des Museum Ludwig, hatte Köln noch ein starkes kulturelles Selbstverständnis – der Spruch „Köln bittet zur Kunst“ war damals Programm. Davon ist heute kaum noch etwas zu spüren.1
Und woran liegt das? Laut Kraus vor allem an der Politik:
„Der Rückhalt fehlt, aber es fehlt vor allen Dingen auch das Bewusstsein, dass die Museen ein riesiger Wirtschaftsfaktor sind, den die Stadt unberücksichtigt lässt.“1
Andere Städte hätten das längst verstanden und empfangen Besucher:innen dort ganz anders. Köln hinkt hier deutlich hinterher.
Großausstellungen wie die über Yayoi Kusama im Museum Ludwig waren natürlich ein Riesenerfolg. Solche Events ziehen Massen an, sorgen für Hype und füllen die Schlagzeilen. Aber Stefan Kraus warnt: So ein Erfolg kann einem als Museum auch schnell „auf die Füße fallen“, wenn danach wieder kleinere, ruhigere Ausstellungen auf dem Programm stehen – und das Publikum dann wegbleibt, weil die Erwartungen nicht mehr erfüllt werden.1
Dazu kommt die grundsätzliche Frage: Macht es überhaupt Sinn, Museen immer größer zu machen und mehr Ausstellungsfläche zu schaffen, wenn man es in der Vergangenheit nicht mal geschafft hat, die bestehende Infrastruktur ordentlich zu pflegen?1
Für Kraus sind Museen in erster Linie Bildungseinrichtungen – und gleichzeitig ein echter Tourismusfaktor. Aber nicht für den typischen Junggesellenabschied-Tourismus, sondern für Menschen, die mehrere Tage in die Stadt kommen und dort Geld ausgeben. Kulturtourismus eben.1
Und genau da liegt das Problem: Was in der Stadtpolitik fehlt, ist das Bewusstsein, dass Museen kontinuierlichen Unterhalt brauchen. Stattdessen lässt man die Häuser so lange verkommen, bis nur noch eine Totalsanierung hilft – die dann viel teurer wird und ein miserables Signal nach außen sendet. Das Beispiel Kölner Oper lässt grüßen.1
Als NRW-Fans wissen wir: Die Kulturlandschaft hier ist riesig und wirklich beeindruckend. Aber damit das so bleibt, braucht es mehr als Hype-Ausstellungen alle paar Jahre. Köln hat das Potenzial, eine echte Kulturmetropole zu sein – aber nur, wenn die Stadt aufhört, ihre Museen auf Verschleiß zu fahren. Bleibt zu hoffen, dass die Politik das endlich checkt. Wir drücken die Daumen.1
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