120 Millionen Euro Eurojackpot in NRW: Was plötzlicher Reichtum mit dem Kopf macht und was Vermögenspsychologen über Abstiegsangst bei Reichen sagen.
Erst vor kurzem haben wir berichtet, dass sage und schreibe 120 Millionen Euro Eurojackpot in einem früheren Beitrag landeten. Die Gewinnzahlen 11, 17, 20, 22, 35 mit den Eurozahlen 4 und 8 haben jemanden in NRW über Nacht zum Großverdiener gemacht. Klingt nach dem perfekten Plan, oder? Lambo kaufen, Villa mieten, nie wieder arbeiten. Aber mal ehrlich: Was macht so ein plötzlicher Reichtum eigentlich mit einem Kopf?
Genau damit beschäftigt sich die Vermögenspsychologie – eine Wissenschaft, die sich speziell mit den Sorgen und Mechanismen von sehr vermögenden Menschen auseinandersetzt. Der Soziologe Thomas Druyen erklärt im Gespräch mit der NZZ, dass die Häufung von Krisen Reiche in ihrem Selbstverständnis erschüttert. Besonders in den deutschsprachigen Ländern stellt er eine tiefe Verunsicherung fest – die Negativsicht und die Abstiegsangst sind demnach enorm ausgeprägt. Klingt erstmal paradox: Man hat alles, und trotzdem nagt die Angst, es wieder zu verlieren.
Laut dem Interview dienen manche Statussymbole dabei sogar der reinen Selbstberuhigung. Wer plötzlich viel Geld hat, sucht offenbar nach Bestätigung und Sicherheit – auch wenn finanziell eigentlich alles im grünen Bereich ist. Diese Verunsicherung betrifft also nicht nur Erben oder Selfmade-Millionäre, sondern kann theoretisch auch Lottogewinner treffen, die von einem Tag auf den anderen in eine völlig neue finanzielle Welt katapultiert werden.
Am Institut für Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie an der Sigmund Freud PrivatUniversität wird genau dieses Phänomen systematisch untersucht. Dort heißt es, dass sich die Zahl der Superreichen in den letzten Jahrzehnten unentwegt gesteigert hat – auch durch neue Gruppen wie Techmilliardäre, deren Reichweite historisch einmalig ist. Das Institut beobachtet dieses gesamte Firmament des gehobenen Reichtums und führt dafür Interviews mit den Protagonistinnen und Protagonisten der Szene. Ziel ist es, mehr gesamtgesellschaftliche Transparenz in diese oft abgeschottete Welt zu bringen.
Was dabei auffällt: Reichtum ist offenbar nicht gleich Reichtum. Wer sich sein Vermögen über Jahre erarbeitet hat, geht psychologisch anders damit um als jemand, der durch einen einzigen Lottoschein zum Millionär wird. Der plötzliche Umbruch – ohne Vorbereitung, ohne Übergangsphase – kann genau die Abstiegsangst und Verunsicherung auslösen, die Druyen beschreibt.
Natürlich heißt das nicht automatisch, dass jeder Jackpot-Gewinner ins Grübeln verfällt. Aber die Forschung zeigt: Geld allein macht nicht automatisch glücklich oder entspannt. Wer plötzlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag dasteht, sollte sich bewusst sein, dass der Kopf da oft nicht so schnell mitkommt wie das Konto. Die besten Hits aller Zeiten laufen zwar weiter im Radio, aber die mentale Playlist nach einem Lottogewinn sieht für viele plötzlich ganz anders aus als erwartet.
Fest steht: Der Eurojackpot in NRW war und bleibt ein Ausnahmefall – 120 Millionen Euro sind die höchstmögliche Summe, die im deutschen Eurojackpot überhaupt gewonnen werden kann. Wie der oder die Gewinnerin damit umgeht, bleibt natürlich deren Privatsache. Aber die Vermögenspsychologie liefert zumindest spannende Denkanstöße dazu, warum so ein Geldsegen eben nicht immer nur Party und Sonnenschein bedeutet.
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