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Handwerker kommen bald nicht mehr zu dir – das steckt dahinter
8. August 2026

Handwerksbetriebe verlieren ihren Platz in der Stadt – und das merkst du beim nächsten Termin. Was hinter dem Problem steckt und warum du am Ende draufzahlst.

Wenn der Monteur einfach nicht mehr kommt

Du kennst das Gefühl: Heizung kaputt, Fenster klemmt, Leitung defekt – und der nächste freie Termin beim Handwerker liegt in weiter Ferne. Doch das könnte bald noch schlimmer werden. Der Grund dafür ist ein Problem, über das kaum jemand spricht: Handwerksbetriebe verlieren zunehmend ihren Platz in der Stadt. Was das für dich bedeutet? Am Ende zahlst du drauf – im wahrsten Sinne des Wortes.1

10.000 Betriebe, aber kaum Platz zum Arbeiten

Allein in Köln gibt es mehr als 10.000 Handwerksunternehmen, die rund 60.000 Menschen beschäftigen und jährlich etwa acht Milliarden Euro erwirtschaften. Das Handwerk ist damit eine der größten wirtschaftlichen Kräfte der Stadt – und trotzdem muss es ständig um seinen Platz kämpfen.1

Thomas Radermacher, seit Mai 2025 Präsident der Handwerkskammer zu Köln, schlägt Alarm: „Wir brauchen produzierendes Gewerbe in der Stadt und nicht nur in den äußeren Stadtteilen.“ Denn wenn Flächen vergeben werden, steht das Handwerk selten ganz oben auf der Liste. Wohnungen, Büros und soziale Einrichtungen haben meist Vorrang.1

Werkstätten werden rausgedrängt – ein echtes Beispiel

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Fall aus Ehrenfeld: Ein Heizungs- und Sanitärunternehmen an der Vitalisstraße geriet durch neu gebaute Wohnungen unter Druck – Tempo 30, eingeschränkte Zufahrten, Beschwerden aus der Nachbarschaft. Im Jahr 2020 zog der letzte Handwerksbetrieb der Umgebung nach Ossendorf. Fünf Jahre hatte der Unternehmer nach einem neuen Standort gesucht, zwei Jahre mit der Stadt verhandelt.1

Und dieser Fall ist kein Einzelfall. Die Kammer geht davon aus, dass Köln jedes Jahr rund 35 Hektar zusätzliche Gewerbefläche braucht. Zuletzt waren weniger als zehn Hektar frei verfügbar. Wer seinen Mietvertrag verliert, steht häufig ohne Alternative da.1

Stau kostet dich als Kunde bares Geld

Wenn Betriebe an den Stadtrand ausweichen müssen, fahren die Monteure trotzdem jeden Morgen zurück in die Stadt – zu dir, auf die Baustellen, durch dieselben Staus wie alle anderen. Und das hat einen Preis. Radermacher rechnet vor: Schon 45 Minuten Stau pro Tag können bei sechs oder sieben Gesellen Umsatzeinbußen von 100.000 Euro oder mehr im Jahr verursachen.1

„Kurze Wege sparen auch dem Kunden Geld“, sagt Radermacher. Denn jede Minute im Stau fehlt bei der eigentlichen Arbeit – beim Einbau einer Heizung, bei der Reparatur eines Fensters oder beim Verlegen einer Leitung. Die verlorene Zeit löst sich nicht einfach auf: Entweder nimmt das Unternehmen weniger Aufträge an, oder es stellt die längeren Fahrzeiten in Rechnung.1

Parkplatz weg – Auftrag weg

Als wäre das noch nicht genug, kommt noch ein weiteres Problem dazu: fehlende Haltemöglichkeiten. Radermacher berichtet, dass manche Firmen Aufträge bereits ablehnen, wenn ihre Monteure am Einsatzort nicht halten können. Wie ist das in meinen Warenkorb gekommen? Nein, wirklich – wie kommt es, dass ein fehlendes Parkverbot darüber entscheidet, ob deine Heizung repariert wird oder nicht?1

Seit September 2024 gibt es auf der Venloer Straße in Köln eine Haltezone für Handwerker, Pflege- und Lieferdienste. Neun weitere sollen folgen. Radermacher hält den Ansatz für richtig, aber bei Weitem nicht für ausreichend.1

Was jetzt passieren muss

Für Radermacher ist klar: Die Interessen des Handwerks müssen von Beginn an mitgedacht werden – wenn Grundstücke vergeben, Viertel entwickelt oder Straßen neu geordnet werden. Nicht erst dann, wenn ein Betrieb bereits den Rückzug plant.1

Es gibt zwar Gewerbehöfe, in denen kleinere Betriebe arbeiten können – 61 Standorte mit rund 9.500 Beschäftigten in etwa 950 Betrieben. Aber freie Räume? Kaum zu finden. „Die Flächen fehlen nach wie vor“, sagt Radermacher.1

Das Fazit ist ernüchternd: Das Handwerk wird überall verlangt, soll aber möglichst nirgendwo stören. Die Werkstätten liegen draußen, die Kunden warten drinnen – und dazwischen steht der Monteur im Stau. Wenn sich daran nichts ändert, warten wir alle länger und zahlen mehr. Und der nächste freie Termin rückt noch weiter in die Ferne.1

Quellen

  1. Warum bald niemand mehr für Reparaturen zu Ihnen nach Hause kommen kann – 24Rhein


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