Der neue Tankrabatt gilt seit 1. Oktober: Preise fielen schon nachts um elf Cent. Wir zeigen, was er bringt und warum Ökonomen ihn kritisieren.
Seit Mitternacht ist es offiziell: Der neue Tankrabatt gilt. Zwischen 23:41 Uhr und 0:41 Uhr sanken die Durchschnittspreise für Benzin und Diesel bereits um rund 10 bis 11 Cent pro Liter. Rein rechnerisch könnte die Entlastung sogar auf fast 17 Cent pro Liter steigen – nämlich dann, wenn der volle Steuernachlass an euch weitergegeben wird. Ob das tatsächlich passiert, ist allerdings offen. Schon beim letzten Tankrabatt war umstritten, wie viel wirklich an der Zapfsäule ankam.
Vorausgegangen war der Entlastung ein besonders teurer September: Der Iran-Krieg und die Krise im Nahen Osten hatten die Öl- und Kraftstoffpreise kräftig nach oben getrieben – so stark, dass sich das sogar in der Inflationsrate bemerkbar machte.
Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember senkt die Bundesregierung die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um 14,04 Cent pro Liter. Inklusive Mehrwertsteuer ergibt sich daraus ein Steuernachlass von 16,7 Cent, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Das gesamte Entlastungspaket hat ein Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro und wird hälftig von Bund und Ländern getragen.
Wichtig zu wissen, wie ZDFheute erklärt: Der Rabatt greift nicht beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern bei der Lieferung an die Tankstellen. Das heißt, er gilt für Sprit, der nach Mitternacht ausgeliefert wurde – praktisch keine Tankstelle hatte also direkt um 0 Uhr schon den günstigeren Kraftstoff vorrätig. Trotzdem fielen die Preise laut Erfahrungswerten aus dem vorherigen Tankrabatt im Mai und Juni oft schon in der Nacht, weil Verbraucher genau das erwarten.
Für euren Geldbeutel bedeutet das bei voller Weitergabe konkret: Bei einem Kleinwagen mit 20 Litern Tankinhalt sind das etwa 3,40 Euro Ersparnis, bei der Kompaktklasse mit 40 Litern rund 6,80 Euro, bei der Mittelklasse mit 50 Litern etwa 8,35 Euro und beim Kombi oder SUV mit 60 Litern sogar rund 10 Euro.
Nein, sagt ZDFheute ganz klar. Wegen der sogenannten 12-Uhr-Regel, die Preiserhöhungen an Tankstellen nur einmal täglich mittags erlaubt, kann der Preis bis zum Mittag gar nicht steigen – nur sinken. Der späte Vormittag ist also typischerweise der günstigste Moment des Tages. Allzu knapp sollte man aber auch nicht planen: Wegen der hohen Nachfrage kann es zu Schlangen kommen, und wer erst nach 12 Uhr an die Zapfsäule kommt, zahlt in der Regel wieder mehr drauf.
Nicht alle sind von der Maßnahme begeistert. Wie die Gießener Allgemeine berichtet, hält Florian Neumeier vom ifo Institut den Tankrabatt trotz der erwarteten Preissenkung für teuer und wenig zielgenau. Sein Argument: Hohe Preise signalisieren Knappheit und sollen zum Sparen anregen – der Tankrabatt schwächt dieses Signal ab. Wer viel fährt und einen Benziner nutzt, mache sich zudem von der Golfregion abhängig, so Neumeier. Nach seiner Rechnung spart jemand, der monatlich 1000 Kilometer mit sechs Litern Verbrauch auf 100 Kilometer fährt, gerade einmal rund zehn Euro im Monat. Auch DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert sieht ein Verteilungsproblem: Vom Tankrabatt profitieren vor allem Haushalte mit hohem Kraftstoffverbrauch, oft mit mehreren Autos oder langen Fahrstrecken. Menschen ohne eigenes Auto gehen dagegen komplett leer aus. Kemfert schlägt stattdessen ein sozial gestaffeltes Mobilitäts- oder Klimageld vor, das gezielt Pendler mit geringem Einkommen unterstützt – unabhängig vom Verkehrsmittel.
Diese Frage bleibt auch beim neuen Tankrabatt ungeklärt. Beim vorherigen Rabatt im Mai und Juni hatten unter anderem das ifo Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt laut ZDFheute nur eine unvollständige Weitergabe festgestellt. Bei Diesel kamen demnach nur rund 73 Prozent der möglichen Entlastung an, wie die Gießener Allgemeine unter Berufung auf ifo-Auswertungen schreibt. Bei Superbenzin dagegen kam die Entlastung nahezu vollständig an. Die Mineralölwirtschaft bestreitet den Vorwurf einer unvollständigen Weitergabe. Der ADAC geht davon aus, dass die Preise mit der Steuersenkung sukzessive sinken werden. Der Verband fordert außerdem, die 12-Uhr-Regel abzuschaffen – sie habe ihr Ziel, Verbraucher zu schützen, verfehlt und die tägliche Preisdifferenz sogar noch vergrößert.
Ob der Tankrabatt bei euch an der Tankstelle voll ankommt, hängt stark vom Anbieter und von der Tageszeit ab. Ein Preisvergleich lohnt sich gerade in den ersten Tagen besonders, da die Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen groß sein können. Spürbar günstiger wird es trotzdem nicht in jedem Fall: Die aktuellen Preise liegen laut ZDFheute immer noch deutlich über dem Niveau von vor dem Iran-Krieg Ende Februar, als ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt noch bei 1,78 Euro lag.
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