Die G7 geben 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus ihren Notfallreserven frei. Was das für die Spritpreise an deutschen Tankstellen wirklich bedeutet.
Volltanken tut gerade richtig weh im Geldbeutel und das schon seit Monaten. Grund dafür ist der Krieg im Nahen Osten, der die Ölpreise ordentlich hochtreibt. Seit Jahresbeginn ist Rohöl der Sorte Brent um mehr als 60 Prozent teurer geworden, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Jetzt reagieren die großen Industriestaaten: Die G7 wollen koordiniert 100 Millionen Barrel Öl und Kraftstoff aus ihren Notfallreserven auf den Markt bringen. Koordiniert wird das Ganze von der Internationalen Energieagentur (IEA).
Die Freigabe soll über die nächsten vier Monate laufen, wie dpa meldet. Laut dem Portal Merkur.de haben die G7-Staaten aber beschlossen, einen erheblichen Teil des Diesels besonders schnell verfügbar zu machen – schon innerhalb der ersten 20 Tage. Das Signal an den Markt ist klar: Es ist genug Öl da, Knappheit droht nicht. Noch unklar ist allerdings, wie sich die Mengen auf die einzelnen Länder verteilen und wie viel davon wirklich „neu“ ist. Denn bereits im März hatten die IEA-Staaten eine Freigabe von 400 Millionen Barrel zugesagt, von denen laut IEA-Chef Fatih Birol schon rund 325 Millionen Barrel auf dem Markt gelandet sind.
Nach Angaben der IEA, die Merkur.de zitiert, liegt das Problem vor allem bei verarbeitetem Kraftstoff. Die Nettoexporte von Diesel und Gasöl aus den Golfstaaten lagen im August bei nur rund 390.000 Barrel pro Tag – das ist nur ein Viertel des Niveaus von vor dem Krieg. Gleichzeitig haben Angriffe auf russische Raffinerien die Produktion dort beeinträchtigt. Zusammen lagen die Nettoexporte aus Russland und den Golfstaaten im August rund 1,6 Millionen Barrel pro Tag unter dem Stand vom Februar. Deshalb wollen die G7 zusätzlich Wartungsarbeiten ihrer Raffinerien besser koordinieren und die Auslastung der Anlagen hochfahren, wo es geht.
Ein bisschen Drama gehört auch dazu: Greenpeace verwies laut dpa nach der G7-Entscheidung auf „Drohungen“ aus den USA. US-Präsident Donald Trump hatte nämlich angekündigt, einen Exportstopp für Diesel aus den USA zu prüfen. In der G7-Erklärung steht nun aber ausdrücklich, dass Mitgliedstaaten keine solchen Beschränkungen vornehmen sollen. Deutschland selbst ist davon kaum betroffen, denn das Land hat hohe Raffineriekapazitäten und exportierte im ersten Halbjahr 2026 sogar mehr Kraftstoff als es importierte, wie das Statistische Bundesamt laut dpa berechnet hat.
Auch Deutschland hat eigene strategische Ölreserven. Verantwortlich dafür ist der Erdölbevorratungsverband (EBV). Laut Merkur.de hält der EBV aktuell rund 20 Millionen Tonnen Rohöl und Mineralölprodukte vor, darunter Diesel, Benzin, Heizöl und Flugturbinenkraftstoff. Die gesetzliche Vorgabe orientiert sich an einer Menge, die den durchschnittlichen deutschen Nettoimporten von 90 Tagen entspricht. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) betonte laut dpa, die geplante Freigabe stelle kein Risiko für die Versorgung dar. Wie viel Deutschland konkret zur G7-Aktion beisteuert, steht noch nicht fest – dafür braucht es erst eine Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums.
Ein bisschen schon: Laut dpa gaben die Spritpreise der Vergleichs-App „Tankerkönig“ zufolge nach der G7-Entscheidung im bundesweiten Schnitt leicht nach – bei Super E10 um gut zwei Cent je Liter, bei Diesel um rund sechs Cent. Auch an den Finanzmärkten zeigte die Ankündigung sofort Wirkung: Europäische Diesel-Futures gaben laut Merkur.de deutlich nach. Trotzdem bremst die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Erwartungen: Die Freigabe könne Autofahrer, ähnlich wie der Tankrabatt, allenfalls kurzfristig entlasten. Das Grundproblem bleibe bestehen, sagte sie laut dpa.
Obendrauf kommt noch der deutsche Tankrabatt: Seit dem 1. Oktober ist die Energiesteuer auf Diesel und Benzin bis Jahresende gesenkt, was laut Merkur.de rechnerisch auf eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter hinausläuft. Ob am Ende wirklich spürbar weniger an der Tankstelle fällig wird, hängt aber stark davon ab, wie sich die Lage im Nahen Osten weiterentwickelt und wie schnell die zusätzlichen Mengen tatsächlich in Europa ankommen.
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