Thyssenkrupp verschiebt die Grünstahl-Anlage in Duisburg auf 2029 statt 2027. Was hinter der Verzögerung steckt und wer jetzt die Nase vorn hat.
Eigentlich sollte es schon nächstes Jahr losgehen, jetzt wird’s erstmal nix: Die große Direktreduktionsanlage von Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg verschiebt sich auf 2029. Das geht aus einem aktualisierten Förderbescheid der EU-Kommission hervor, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Ursprünglich war die Inbetriebnahme für 2027 geplant, Baustart war im Februar 2024.
Thyssenkrupp Steel hat die Verzögerung gegenüber dem Magazin Politico bestätigt und verweist vor allem auf die Engineeringphase des Projekts, wie ad-hoc-news.de berichtet. Die EU-Kommission begründet die Bauverzögerungen mit dem innovativen Charakter der Anlage. Der Generalunternehmer SMS Group findet das übrigens gar nicht so ungewöhnlich: Anpassungen bei Leistungsumfang, Ablauf und Zeitplan gehören bei so einem Mega-Projekt einfach dazu.
Die 145 Meter hohe Anlage soll klimaschädliche Hochöfen ersetzen und gewinnt Roheisen nicht mehr mit Koks und Kohle, sondern mit Erdgas oder – perspektivisch – mit klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff. Schon der Betrieb mit Erdgas halbiert laut Süddeutscher Zeitung den CO2-Ausstoß, mit Wasserstoff würde der Stahl fast klimaneutral produziert. Das Problem: Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft stockt gerade ordentlich. Deshalb hat die EU-Kommission Thyssenkrupp erlaubt, die Anlage deutlich länger als ursprünglich geplant mit Erdgas zu betreiben – und zwar ohne dass der Konzern die Subventionen zurückzahlen muss.
Für das Vorhaben hatte Thyssenkrupp 2023 eine Förderzusage von zwei Milliarden Euro erhalten. Nach Angaben des Unternehmens soll die Verzögerung das Projekt immerhin nicht verteuern – ein konkretes neues Datum für die Inbetriebnahme nennt Thyssenkrupp allerdings bislang nicht. Man prüfe weiterhin mögliche Kompensations- und Beschleunigungsmaßnahmen, heißt es laut ad-hoc-news.de.
Durch die Verschiebung dürfte nach aktuellem Planungsstand die Salzgitter AG das erste Unternehmen in Deutschland sein, das grünen Stahl produziert – die entsprechende Anlage in Niedersachsen soll schon nächstes Jahr eröffnen. Duisburg, eigentlich das Prestigeprojekt der deutschen Stahlindustrie, muss sich also hinten anstellen.
Direktreduktionsanlagen funktionieren im Prinzip so: Eisenerz wird mit einem Reduktionsgas bearbeitet statt im klassischen Hochofen verhüttet. Perspektivisch soll dafür Wasserstoff zum Einsatz kommen. Wie klimafreundlich das Ganze am Ende wirklich ist, hängt aber nicht nur von der Anlage selbst ab, sondern vor allem davon, ob genug klimaneutral erzeugter Wasserstoff und erneuerbarer Strom verfügbar sind. Und genau da hakt’s aktuell.
Für Kunden aus Bau, Maschinenbau und Automobilindustrie verschiebt sich damit auch das Angebot größerer Mengen klimaverträglicheren Stahls aus Duisburg nach hinten. Die Zusage, dass die Kosten trotz Verzögerung stabil bleiben sollen, begrenzt zumindest die finanziellen Folgen – an der zeitlichen Verschiebung ändert das aber nichts. Das Duisburger Projekt bleibt trotzdem eines der zentralen deutschen Vorhaben, um die CO2-Emissionen in der Stahlproduktion runterzubringen. Die EU-Förderzusage von zwei Milliarden Euro zeigt, wie wichtig das Projekt industriepolitisch eingestuft wird – auch wenn’s jetzt erstmal zwei Jahre länger dauert.
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