NRWs Start-up-Szene soll mit der neuen Bundesstrategie endlich mehr Wagniskapital bekommen. Was sich für Gründer konkret ändern soll, erfährst du hier.
Alte Textilien zu neuen Rohstoffen machen und daraus zum Beispiel Granulat für Kunststoffstühle herstellen – klingt verrückt, ist aber Realität. Das Krefelder Start-up Crcl macht genau das und zeigt, wie kreativ die Gründerszene in NRW ist.1 Doch spannende Ideen sind eine Sache, die Finanzierung eine ganz andere. Und genau hier hakt es bei vielen jungen Unternehmen gewaltig.
Mitgründer Timur Oruz bringt es auf den Punkt: Um herauszufinden, welche Fördertöpfe man wie beantragen muss, bräuchte man eigentlich ein bis zwei Leute, die sich nur damit beschäftigen.1 Klingt frustrierend – ist es auch. Und damit ist Crcl beileibe kein Einzelfall.
Die Bundesregierung hat eine neue Start-up-Strategie vorgelegt, die mit mehr als 150 Maßnahmen genau diese Probleme angehen soll.1 Das Ziel ist klar: Bürokratie abbauen, Förderprogramme leichter zugänglich machen und vor allem mehr privates Kapital in junge Unternehmen lenken. Denn bislang kommt ein Großteil des sogenannten Wagniskapitals aus den USA und aus Asien – mit dem Risiko, dass erfolgreiche Start-ups irgendwann gleich dorthin abwandern, wo das Geld herkommt.1
Janis Gilde vom Startup-Verband macht deutlich: Bisher profitieren hier vor allem amerikanische Investoren – und es besteht immer das Risiko, dass Unternehmen ins Ausland abwandern.1 Genau das will die neue Strategie verhindern.
Konkret geplant ist unter anderem, Wagniskapital als Anlageform in der neuen staatlich geförderten privaten Altersvorsorge zu verankern. Außerdem sollen bestehende Förderprogramme ausgebaut, neue Finanzierungsinstrumente geschaffen und Unternehmensgründungen stärker digitalisiert werden.1 Jungunternehmen sollen künftig auch häufiger öffentliche Aufträge erhalten – das wäre ein echter Booster für viele Gründerinnen und Gründer.
Dass hier dringend Handlungsbedarf besteht, zeigen aktuelle Zahlen der Unternehmensberatung EY: Im ersten Halbjahr sammelten deutsche Start-ups rund 5,3 Milliarden Euro Wagniskapital ein. Nach NRW floss davon allerdings nur ein vergleichsweise kleiner Anteil von knapp 170 Millionen Euro.1 Da ist also noch richtig viel Luft nach oben.
Ein besonderes Augenmerk liegt in der neuen Strategie auf Start-ups aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Und auch hier hat NRW schon einiges zu bieten: Das Mülheimer Unternehmen Infinteq entwickelt Aufklärungsdrohnen, das Dortmunder Start-up Smart Sensor Labs arbeitet an Systemen zur Erkennung chemischer und nuklearer Gefahren.1
Das passt zur Planung der Landesregierung NRW, die mit dem sogenannten „Production Launch Centre Defence“ ein Technologiezentrum auf den Weg bringen will, in dem Hochschulen, Start-ups und Industrieunternehmen gemeinsam arbeiten sollen. Mit dabei sind unter anderem Rheinmetall, Leonardo, Siemens und die RWTH Aachen.1
In der Start-up-Szene kommt die neue Strategie grundsätzlich gut an. Ob die angekündigten Maßnahmen am Ende wirklich spürbare Erleichterungen bringen, wird sich aber erst zeigen, wenn sie tatsächlich umgesetzt werden.1 Die Voraussetzungen für NRW sind jedenfalls nicht schlecht: Mit starken Hochschulen, einer vielfältigen Industrielandschaft und einer zentralen Lage in Europa gehört das Bundesland schon heute zu den wichtigsten Start-up-Standorten in Deutschland. Jetzt muss die Politik liefern – damit innovative Köpfe wie die Gründer von Crcl in NRW bleiben und nicht irgendwann ihre Koffer packen.
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