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Stadtbahn-Chaos in Bonn: Wie sicher sind die Straßenbahnen in ganz NRW?
23. Juli 2026

Nicht zugelassene Bauteile, fehlende Dokumentation, Materialermüdung: Die neuen Details zum Bonner Stadtbahn-Chaos zeigen, was in NRW beim ÖPNV besser werden…

Ein Warnruf, der ganz NRW betrifft

Das Stadtbahn-Chaos in Bonn geht weiter – und die Fragen werden größer. Nachdem bereits 60 von 75 Stadtbahnen der Stadtwerke Bonn (SWB) aus dem Verkehr gezogen wurden, verdichten sich jetzt die Hinweise auf die eigentlichen Ursachen. Ein unabhängiger Experte bringt es auf den Punkt: Der Fall in Bonn sei „ein Warnruf der Technik“ – und der gilt nicht nur für die Bundesstadt.1

Was steckt hinter den Ausfällen?

Die Bezirksregierung Düsseldorf, die als Technische Aufsichtsbehörde (TAB) für alle Straßenbahnen in NRW zuständig ist, macht deutlich: „Die Entscheidung beruhte nicht auf einem einzelnen technischen Mangel, sondern auf der Gesamtheit der festgestellten sicherheitsrelevanten Sachverhalte.“1 Die SWB selbst hatte zunächst von „frühzeitiger Materialermüdung“ gesprochen.

Noch brisanter: Laut WDR-Quellen sollen in Bonn nicht zugelassene Bauteile verwendet worden sein – und die Arbeiten an den Bahnen seien nicht vollständig dokumentiert. Es bestehe die Gefahr, dass Bremsen und Teile des Fahrwerks unvermittelt ausfallen könnten. Die SWB konnte das bislang nicht bestätigen.1

Das steckt hinter der „Zweiterstellung“

Viele der betroffenen 60 Stadtbahnen stammen aus den 70er- bis 90er-Jahren. Um Kosten zu sparen, modernisierte die SWB die alten Wagen in Eigenregie – das Projekt nannte sich „Zweiterstellung“. Aus Fachkreisen kommt jetzt Kritik: Den Bau von Straßenbahnen solle man lieber der Industrie überlassen, sagt ein anonymer Experte gegenüber dem WDR. Die Expertise sei dort schlicht größer.1

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) widerspricht vehement: Bei der „Zweiterstellung“ seien besonders robuste Teile wie Wagenkasten oder Drehgestelle weiterverwendet worden, während Komponenten mit kürzerem Lebenszyklus durch neue Technik ersetzt wurden. Deshalb könne man bei den betroffenen Fahrzeugen nicht einfach von „Altwagen“ sprechen. Und: „’Alt‘ bedeutet nicht zwangsläufig ‚untauglich‘.“1

Und die anderen Städte in NRW?

Klar, dass jetzt alle schauen: Kann so etwas auch in Dortmund, Düsseldorf oder Köln passieren? Die kurze Antwort: Die anderen Betreiber geben Entwarnung – aber mit Einschränkungen.

  • Dortmund: Die Stadtwerke DSW21 betonen, ihre Stadtbahnen seien neueren Baujahres. Trotzdem beobachte man sehr genau, ob es auch dort zu Materialermüdung kommen könne.1
  • Düsseldorf: Die Rheinbahn versichert, alle Fahrzeuge würden regelmäßig kontrolliert, gewartet und instandgesetzt. Ab dem kommenden Jahr soll die Flotte sukzessive erneuert werden.1
  • Köln: Die KVB hilft derzeit sogar kurzfristig in Bonn aus – mit 20 Stadtbahnen. Bei der Erneuerung der eigenen Flotte hinkt Köln allerdings hinterher, wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers.1

In ganz NRW sind rund 1.700 Straßenbahnen im Einsatz. Im vergangenen Jahr transportierten sie laut Statistischem Landesamt 670 Millionen Fahrgäste.1

Wie läuft die Kontrolle eigentlich ab?

Straßenbahnen unterliegen laut der Bau- und Betriebsordnung für Straßenbahnen (BOStrab) ständigen Wartungen und Inspektionen. Spätestens nach 500.000 Kilometern Laufleistung oder nach acht Jahren erfolgt eine planmäßige Grundinspektion, bei der die Fahrzeuge und ihre Komponenten instandgesetzt werden. Verantwortlich dafür sind zunächst die Verkehrsunternehmen selbst – die TAB greift ein, wenn neue sicherheitsrelevante Erkenntnisse bekannt werden.1

Ist das Chaos auch ein gutes Zeichen?

So paradox es klingt: Ja, zumindest ein bisschen. Der VDV sieht in der vorbeugenden Außerbetriebnahme auch etwas Positives: „Offensichtlich ist ein Problem erkannt worden, bevor es zum Problem wurde – das ist gut!“1 Auch der unabhängige Experte sieht keine akute technische Gefahr für Fahrgäste in NRW insgesamt – aber er betont: Es gebe „ein erhöhtes Störgeschehen“, das man ernst nehmen müsse.

Aktuell fahren in Bonn nur noch 15 eigene Züge der SWB. Mit den 20 Leihbahnen aus Köln sollen die Einschränkungen für die Fahrgäste abgemildert werden. Die ersten der gesperrten Bahnen sollen noch diese Woche aus der Werkstatt kommen – wie viele davon wirklich wieder eingesetzt werden können, wird sich zeigen.1

Quellen

  1. Tagesschau/WDR: Wie sicher sind die Stadtbahnen in NRW? (Stand: 22.07.2026)


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