Am frisch renovierten Albertus-Magnus-Platz der Uni Köln sammelt sich bei Regen Wasser am Blindenleitsystem. Was die Uni zum 12,6-Millionen-Projekt sagt.
Stell dir vor, du investierst 12,6 Millionen Euro in einen nagelneuen Platz – und beim ersten ordentlichen Regen stehen die Leute knietief im Wasser. Genau das soll am Albertus-Magnus-Platz an der Universität zu Köln passiert sein. Der aufwendig umgestaltete Platz sorgt nämlich gerade für gehörig Gesprächsstoff in der Domstadt.1
EXPRESS.de-Leser Jannik hat das Ganze beobachtet und weitergegeben: Bei stärkerem Regen sammelt sich Wasser rund um das Boden-Leitsystem für blinde und stark sehbehinderte Menschen. Also genau dort, wo Menschen mit Einschränkungen drauf angewiesen sind, sicher und trocken voranzukommen. Die Folge: ziemlich nasse Füße – und berechtigter Frust.1
Besonders schlimm soll es am bereits fertiggestellten Teil über der Fahrradgarage sein. An einer Stelle direkt vor einem Eingang laufen mehrere Pfade des Leitsystems zusammen, es gibt eine Absenkung – und laut Jannik keinen funktionierenden Abfluss. „Wurde hier nicht mitgedacht?“, fragt er sich – und das ist eine mehr als verständliche Reaktion, wenn man bedenkt, wie viel Geld in das Projekt geflossen ist.1
Die Situation hat ihre kuriosen Seiten: Kinder sollen sich an den riesigen Pfützen auf dem Platz offenbar prächtig amüsieren und fröhlich darin herumtollen. Wer aber trockene Füße behalten will, meidet den Platz bei Regen lieber komplett. Für einen Uni-Platz, der gerade erst wiedereröffnet wurde, ist das natürlich kein gutes Zeichen.1
Die Universität zu Köln weist den Vorwurf einer dauerhaften Fehlkonstruktion zurück. Ein Sprecher erklärt, dass die Trockenheit und der ausbleibende Regen der vergangenen Wochen dazu geführt hätten, dass Blätter, Gräser und Pollen die Entwässerungsanlage verstopften. Als dann der Starkregen kam, konnte das Wasser nicht mehr richtig abfließen – und sammelte sich rund um die Blindenführung.1
Die gute Nachricht: Die Anlage wurde laut Uni umgehend gereinigt, sodass das Wasser bei erneuten Niederschlägen wieder ordnungsgemäß abfließen soll. Außerdem will die Universität den Reinigungsturnus künftig an die Klima- und Wetterbedingungen anpassen. Das klingt vernünftig – bleibt abzuwarten, ob es in der Praxis auch klappt.1
Die Gesamtkosten für die Umgestaltung des Albertus-Magnus-Platzes belaufen sich auf voraussichtlich 12,6 Millionen Euro. Diese werden anteilig von Universität und Stadt Köln getragen – der Anteil der Uni liegt dabei bei 9,6 Millionen Euro.1
Unterm Strich bleibt ein komisches Gefühl: Ein millionenteures Bauprojekt, das ausgerechnet beim Thema Barrierefreiheit mit Anlaufschwierigkeiten kämpft, ist natürlich ärgerlich. Gerade Menschen, die auf das Blindenleitsystem angewiesen sind, haben jeden Grund, eine lückenlos funktionierende Infrastruktur zu erwarten. Die Uni hat reagiert – jetzt muss sie liefern. Wir bleiben für euch dran, wie’s in Köln weitergeht. 👀1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!