Drei Zugänge am Kölner Ebertplatz sind dicht – für 533.000 Euro statt 175.000 Euro. Was Anwohner und Experten dazu sagen und wie es weitergeht.
Der Ebertplatz in Köln ist seit Jahrzehnten eines der umstrittensten Themen der Stadt – und jetzt gibt es eine neue Entwicklung, die wieder für heiße Diskussionen sorgt. Drei der sechs Zugänge zur Westpassage sind seit dem 17. Juli 2026 offiziell dicht. Betondeckel und neue Bodenplatten, wo früher Treppen und defekte Rolltreppen waren. Nichts erinnert mehr an die alten Eingänge.1
Wer den Ebertplatz kennt, weiß: Hier dauert alles länger und kostet am Ende mehr. Ursprünglich waren 175.000 Euro für die Schließung der drei westlichen Abgänge bewilligt worden. Am Ende? 533.000 Euro. Warum? Die Betondeckel müssen auch für schwere Einsatzfahrzeuge geeignet sein. Fertig werden sollte alles Ende Juni – geworden ist es der 17. Juli.1
Die geschlossenen Zugänge führten bislang auf die rund 200 Meter lange, relativ dunkle Westpassage – bekannt als Anlaufpunkt für Drogendealer. Drei Zugänge bleiben weiterhin offen.1
Die Geschichte des Ebertplatzes liest sich wie eine endlose To-do-Liste, auf der kaum ein Haken gesetzt wird. Schon 2002 sollte es einen Architekten-Wettbewerb zur Neugestaltung geben. 2008 bezeichnete Städteplaner Albert Speer den Platz im Masterplan Innenstadt als „Angstraum“ – und erklärte die Verschönerung zum kurzfristigen Ziel innerhalb von fünf Jahren. Passiert ist: nicht viel.1
Nach zwei Todesfällen in den Jahren 2017 und 2019 kam zumindest ein Interimsprogramm: sprudelnder Brunnen, Gastronomie, eine Eisbahn im Winter. Die Frage, ob der Platz komplett auf Straßenniveau angehoben werden soll, blieb trotzdem unbeantwortet. 40 Millionen Euro waren für den großen Umbau mal angedacht. Er kam nie. Mittlerweile gilt 2030 als neues Zieldatum.1
Ehemaliger Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU, 2000–2009) bringt es auf den Punkt: „Wenn man nicht dranbleibt, birgt das eine Gefahr: Es führt zu Lethargie.“1 Sein Nachfolger Jürgen Roters (SPD, 2009–2015) ergänzt: „Es gibt viele große Investitionen in Köln, die in Konkurrenz zueinanderstehen.“1
Die Meinungen gehen auseinander – und das ist wohl das Einzige, das am Ebertplatz wirklich konstant ist. Mesfun Zerbi, der seit fast 20 Jahren seinen Kopierladen Portico in der Westpassage betreibt, ist skeptisch: „Der Ebertplatz soll lebendiger werden, nun passiert das Gegenteil.“ Und er fügt hinzu: „Im Winter werden wir die Wahrheit sehen.“1
Künstler Michael Nowottny, der seine Galerie „Labor“ in der Nähe hat, zeigt sich „erschüttert“: „Statt Räume zu öffnen, wird abgeriegelt. Welcher Geist steckt dahinter? Der Platz wird kaputtdilettiert.“1
Doch es gibt auch andere Stimmen: Samuel Obode, der seit 2006 die Bar „African Drum“ in der Westpassage betreibt, findet die Sperrung „sehr, sehr gut. Seitdem ist es ruhiger, das gefällt mir.“1
NRW-Innenminister Herbert Reul hatte bereits im Vorjahr klargemacht, was er vom Ebertplatz hält: „Der Ebertplatz ist längst bundesweit bekannt als größtes Drogenkaufhaus von NRW. Das kann ich nicht einfach hinnehmen.“ Und sein persönlicher Lösungsvorschlag ist denkbar simpel: „Wenn es nach mir ginge, würde ich den Platz einfach zuschütten.“1
Ehemalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos, 2015–2025) sieht das grundsätzliche Problem im jahrelangen Investitionsstau: „In dieser Stadt ist unglaublich lange zu wenig Geld in die Infrastruktur investiert worden.“1
Der Ebertplatz bleibt das, was er immer war: ein Ort voller Widersprüche. An sonnigen Tagen ein lebendiger Treffpunkt mit Brunnen, Gastro und spielenden Kindern – an dunklen Tagen ein unwirtlicher Platz mit Drogenszene und harter Trinkerszene. Ob die Betondeckel wirklich etwas ändern? Das wird sich spätestens im Winter zeigen.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!