Die Kölner Bühnen eröffnen am 24. September – doch kurz vorher sucht die Stadt noch dringend Brandwachen. Wir erklären, was dahintersteckt.
Mark the date: Am 24. September sollen die Kölner Bühnen am Offenbachplatz nach sage und schreibe 14 Jahren Sanierung endlich wieder ihre Türen öffnen. Oper, Schauspiel, Kleines Haus und Kinderoper – alles frisch saniert, alles bereit für den großen Neustart. Klingt nach einem runden Ding, oder? Fast. Denn kurz vor der Ziellinie sorgt eine Ausschreibung für Gesprächsstoff: Die Stadt Köln sucht noch Brandwachen – und das weniger als zwei Monate vor der Eröffnung.1
Erstmal kurz zur Erklärung: Brandwachen, also Brandsicherheitswachen, sind keine Erfindung der Kölner Stadtverwaltung. Sie sind gesetzlich vorgeschrieben – und zwar laut Paragraf 41 der Verordnung über Bau und Betrieb von Sonderbauten. Das gilt für Kulturstätten wie Theater und Opernhäuser ganz generell.1
Was machen diese Sicherheitsexperten konkret? Sie sind während jeder Aufführung dabei und haben mehrere Aufgaben auf dem Zettel:1
Pro Aufführung sind in der Regel zwei bis drei dieser Experten im Einsatz – bei Vorstellungen mit Pyrotechnik sind es drei statt zwei.1
Die Zahlen sprechen für sich: Insgesamt plant die Stadt 823 Aufführungen jährlich, also knapp 3.300 in vier Jahren. Die teilen sich auf die einzelnen Spielstätten auf:1
Laut Ulrich Montag, Prüfingenieur für Brandschutz und geschäftsführender Gesellschafter der Bochumer Ingenieurgesellschaft Krätzig & Partner, ist das alles im normalen Rahmen. Übrigens: Dass nicht die städtische Feuerwehr selbst diese Wachen übernimmt, sondern externe Firmen beauftragt werden, ist heutzutage wegen der Personalsituation bei den Feuerwehren eher die Regel als die Ausnahme.1
Gute Frage! Die Stadt erklärt, dass Spielbetrieb und Feuerwehr sich aufgrund der hohen Anforderungen in den denkmalgeschützten Gebäuden – sowohl die Oper als auch das Schauspielhaus stehen unter Denkmalschutz – lange abstimmen mussten. Hinzu kommt: Seit Beginn der Sanierung 2012 haben sich die Vorschriften für den Einsatz von Brandwachen verändert, und Erfahrungswerte mit dem Spielbetrieb in den neuen Häusern fehlen schlicht noch.1
Weil die Zeit drängt, verzichtet die Stadt auf die übliche Ausschreibungsfrist von 35 Tagen. In der Ausschreibung wird das dramatisch auf den Punkt gebracht: Ohne eine schnelle Lösung drohen „erhebliche wirtschaftliche sowie kulturelle Schäden“. Klar, denn der Vertrag gilt laut Ausschreibung als „systemrelevant für die Wiedereröffnung“.1
Stand der Dinge: Nein. Die Frist zur Angebotsabgabe lief am 1. Juli ab, danach folgen die üblichen Verhandlungen. Die Bühnen selbst geben sich aber entspannt und teilen mit: „Die Bühnen sind zuversichtlich, dass eine Firma auf die Ausschreibung hin gefunden wird.“ Der Starttermin für die neue Firma ist der 1. September – dann bleiben noch rund drei Wochen bis zur Eröffnung.1
Kurze Antwort der Stadt: Nein. Laut Verwaltung besteht kein Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Brandwachen und der Sanierung. Und auch die Wirkprinzipprüfungen – also Tests, ob etwa Brandmeldeanlage und Lüftung im Ernstfall zusammenspielen – hätten keine wesentlichen Probleme ergeben, die die Eröffnung gefährden würden.1
Zur Einordnung: Die Sanierung, die 2012 startete, dauerte statt geplanter drei ganzer 14 Jahre. Die Kosten kletterten von ursprünglich 253 Millionen Euro auf 798,6 Millionen Euro. Rechnet man die Ausweichspielstätten und Finanzierungskosten dazu, landet man bei rund 1,465 Milliarden Euro – ein echtes Mammutprojekt für Köln.1
Die Kölner Bühnen haben eine lange, turbulente Reise hinter sich. Dass es auf den letzten Metern noch mal spannend wird, passt irgendwie ins Bild. Aber: Die Verantwortlichen bleiben gelassen, der 24. September steht, und die Brandwachen-Suche läuft. Wir bleiben für euch dran – und freuen uns schon auf den großen Vorhang auf am Offenbachplatz!
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