Sprit teuer, Ölpreis runter – wie passt das zusammen? Wir erklären, warum du an der Tankstelle gerade so tief in die Tasche greifen musst.
Du merkst es spätestens beim Blick auf die Preisanzeige an der Tankstelle: Tanken kostet gerade richtig viel. Und das, obwohl die Ölpreise eigentlich gesunken sind. Ein Liter Super E10 kostete in Köln kürzlich rund 2,27 Euro, beim Diesel waren es sogar 2,37 Euro im Kölner Durchschnitt – und das, obwohl ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent zuletzt rund 17 Prozent unter dem Zwischenhoch von über 100 Dollar lag.1 Was steckt dahinter?
Schon der Juli hatte es in sich: Laut ADAC sind die Spritpreise an deutschen Tankstellen im Laufe des Monats „drastisch“ angestiegen. Beim Diesel bedeutete das konkret: Am 4. Juli zahltest du im Tagesmittel noch 1,946 Euro pro Liter – am 31. Juli waren es bereits 2,225 Euro. Das sind satte 27,9 Cent mehr in nur einem Monat.1
Auch Super E10 hat sich verteuert. Am günstigsten Tag des Monats, dem 1. Juli, kostete der Liter noch 2,016 Euro. Am teuersten Tag, dem 23. Juli, waren es im Schnitt 2,168 Euro – also 15,2 Cent mehr.1 Zum Vergleich: Im Juli-Monatsmittel lag Super E10 bei 2,099 Euro – nur einen Cent unter dem monatlichen Allzeithoch vom April dieses Jahres.
Genau hier liegt das Problem, das Verbraucherschützer und Automobilclubs auf die Palme bringt. ACV-Geschäftsführer Holger Küster bringt es auf den Punkt: „Steigen Rohölnotierungen oder Beschaffungspreise, reagieren die Preise an den Zapfsäulen meist sehr schnell. Entspannen sich dagegen die vorgelagerten Märkte, kommt die Entlastung bei den Autofahrern häufig erst mit deutlicher Verzögerung an.“1
Sprich: Wenn der Ölpreis steigt, geht’s an der Zapfsäule sofort rauf. Fällt er wieder – na ja, dann warten wir mal ab. Küster geht sogar noch weiter: Es entstehe zunehmend der Eindruck, dass „ein generell höheres Preisniveau als neue Normalität erprobt wird“.1 Und der Kölner Autoclub ACV macht klar: Viele Menschen bezahlen diese Preise nicht, weil sie sie akzeptieren, sondern weil sie im Alltag auf ihr Auto angewiesen sind. „Das darf kein Freibrief sein“, so Küster.1
Obendrauf kommt ein regionales Problem, das NRW besonders trifft: Das Niedrigwasser im Rhein. Ab Mitte Juli sind laut Bundeskartellamt die Beschaffungskosten vor allem im Westen und in der Kölner Bucht stark angestiegen, weil die Frachtraten durch das Niedrigwasser in die Höhe geschossen sind. Die Engstelle Kaub konnte Ende Juli teilweise gar nicht mehr oder nur noch mit deutlich geringerer Ladung befahren werden – das verteuert den Kraftstofftransport und damit letztlich auch den Preis an der Zapfsäule.1
Auf der anderen Seite sieht es bei den Ölkonzernen richtig rosig aus. BP steigerte seinen Gewinn im zweiten Quartal auf 3,9 Milliarden Dollar, der Umsatz kletterte um 47 Prozent auf 70,1 Milliarden Dollar. Shell verdreifachte seinen Gewinn auf 10,8 Milliarden Dollar. ExxonMobil verdoppelte ihn auf 14,5 Milliarden Dollar, Chevron verfünffachte ihn sogar auf 12,1 Milliarden Dollar. Und der saudi-arabische Ölriese Aramco legte um 44 Prozent auf 122,6 Milliarden Riyal zu.1
Der ADAC fordert deshalb, dass das Bundeskartellamt die Preisbildung – insbesondere auf der Raffinerie- und Großhandelsstufe – genau unter die Lupe nimmt. Denn so läuft das nicht: Gewinne oben, Schmerzen unten.1
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