Les Ballets Jazz de Montréal feiern Leonard Cohen mit „Dance Me
Hand aufs Herz: Wer hat Leonard Cohen bisher hauptsächlich beim Rumkuscheln auf dem Flokati gehört? Genau. Aber das Kölner Sommerfestival beweist gerade eindrucksvoll, dass in diesen samtigen Balladen, Walzern und Midtempo-Nummern deutlich mehr steckt, als man so denkt. Les Ballets Jazz de Montréal gastiert mit ihrem gefeierten Programm „Dance Me“ in der Kölner Philharmonie – und das ist ein echtes Erlebnis.1
„Dance Me“ ist die Hommage von Kanadas populärster Modern-Dance-Kompanie an Leonard Cohen, den Dichter, Romancier, Wüstling und Gottsucher, der 2016 gestorben ist. Entstanden noch mit dem Segen des Meisters, tourt das Programm bereits seit 2017 als lebendiges Vermächtnis um den Globus.1 Drei prominente Choreografen haben sich 15 Songs und ein Gedicht aufgeteilt: der Grieche Adonis Foniadakis, die Belgierin Annabelle Lopez Ochoa und der Brite Ihsan Rustem.1
Das 14-köpfige Ensemble bringt Cohens Lieder dabei auf eine Art zum Leben, die wirklich überrascht. Wie viel Bewegung sich aus diesen Stücken ziehen lässt – sprunghaft ist da noch untertrieben!1
Besonders eindrucksvoll: Eine Tänzerin sitzt am Bühnenrand und singt „So Long, Marianne“ – Cohens berühmtes Abschiedslied an seine norwegische Geliebte und Muse Marianne Ihlen – mit klarer, ungekünstlicher Stimme. Dazu taucht im Bühnenhintergrund ein Mann mit Hut und dunklem Trenchcoat auf, ein anonymisierter Avatar des Dichters. Vom Band erklingt der Brief, den Cohen am Ende seines Lebens der sterbenden Marianne Ihlen schrieb: „Ich bin Dir so dicht auf den Fersen, wenn Du Deine Hand ausstreckst, kannst Du meine wohl erreichen.“1 Gänsehaut garantiert.
Für „Suzanne“ – die Geschichte einer faszinierenden, aber misslungenen Verführung – hüllt die Tänzerin ihren Partner regelrecht ein, klettert auf seine Schultern und berührt dabei kein einziges Mal die Bühnenbretter.1 Technisch auf höchstem Niveau, keine Frage.
Das Programm hat eine kommerzielle Glätte, die das Fachpublikum vielleicht abschreckt – aber genau das ermöglicht den breiten Erfolg und lässt das Publikum am Ende geschlossen aufstehen.1 Und Cohens Humor kommt dabei auch nicht zu kurz: Bei „Tower of Song“ werden lange Beine zu tippenden Fingern und Schreibmaschinen zu Klaviertasten – witzig, clever, ganz im Geist des Meisters.1
Das einzige echte Uptempo-Stück, Cohens quasi-terroristisches Manifest „First We Take Manhattan“, hat man sich für das rauschhafte Finale aufgespart. Und das passt perfekt.1
„Dance Me“ ist noch bis zum 9. August in der Kölner Philharmonie zu sehen. Tickets gibt es ab 79,99 Euro.1 Wenn du auf der Suche nach einem Kulturerlebnis bist, das dich wirklich vom Hocker haut – oder eben vom Flokati – dann ist das deine Chance. Vertrag erfüllt, wie es am Ende des Abends heißt. Wir sagen: hingehen!
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