Immer mehr Grundschüler in NRW brauchen Nachhilfe – 30 % der Schülerhilfe-Kinder sind im Grundschulalter.
Lesen, Schreiben, Rechnen – eigentlich das kleine Einmaleins der Grundschule. Doch für immer mehr Kinder in NRW läuft das eben nicht einfach so. Die Nachfrage nach Nachhilfe für Grundschülerinnen und Grundschüler steigt rasant – und das ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine echte Entwicklung, die Eltern, Lehrkräfte und Experten beschäftigt.1
Ein Blick in den Nachhilfeunterricht der Schülerhilfe in Duisburg-Rheinhausen zeigt, wie das konkret aussieht: Die neunjährige Liliana sitzt zusammen mit drei weiteren Kindern im Grundschulalter in einem Raum und übt das kleine Einmaleins. „Ich war in der Schule sehr schlecht, aber jetzt habe ich mich schon verbessert“, sagt sie.1
Dass Liliana kein Einzelfall ist, bestätigen die Zahlen. Laut Timm Langhorst, Marketingleiter der Schülerhilfe, sind mittlerweile rund 30 Prozent aller Schüler bei der Schülerhilfe im Grundschulalter – und er betont: „Das ist viel.“1 Auch der Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) meldet, dass immer mehr seiner Mitgliedsinstitute von einer wachsenden Zahl an Anfragen von Grundschülerinnen und Grundschülern berichten.1
Bildungsstudien wie der jüngste IQB-Bildungstrend unterstreichen das Problem: Ein erheblicher Teil der Schülerinnen und Schüler an deutschen Grund- und weiterführenden Schulen kann nicht ausreichend lesen, schreiben, zuhören und rechnen. Das Schulministerium NRW bestätigt das – genaue Zahlen zum Nachhilfebedarf hat es aber nicht.1
Die Gründe dafür sind vielfältig. Aus dem Schulministerium NRW heißt es, dass unter anderem folgende Faktoren eine Rolle spielen:1
Nachhilfelehrerin Gülay Artan beobachtet das täglich hautnah: „Viele Kinder sprechen noch nicht ausreichend Deutsch und können dem Unterricht deshalb nur schwer folgen. Zudem fehlt manchen Eltern wegen ihrer Arbeit die Zeit, ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen. Auch der hohe Medienkonsum könnte dazu beitragen, dass das Lernen in den Hintergrund rückt.“1
Was Gülay Artans Unterricht besonders macht: Sie setzt auf gegenseitige Unterstützung in der Kleingruppe. „Wenn ein Kind einmal nicht weiterkommt, frage ich die anderen, ob sie helfen können. So fühlen sich die Kinder mit ihren Problemen nicht allein und motivieren sich gegenseitig“, erklärt sie.1
Dazu kommen regelmäßige Pausen alle 20 bis 25 Minuten – mit Dehnübungen, Hüpfen oder einem kurzen Spiel. Liliana bringt es auf den Punkt: „Nach den Lockerungsübungen kann ich mich besser konzentrieren.“1 Klingt simpel, wirkt aber offenbar. Genau so sollte Lernen laufen!
Nicht jede Form der Nachhilfe passt zu jedem Kind. Der VNN empfiehlt, den individuellen Förderbedarf im Blick zu behalten:1
Die Zahlen sind eindeutig: Lernrückstände bei Grundschulkindern in NRW sind ein echtes Thema – und sie entstehen aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ob Corona-Nachwirkungen, Sprachbarrieren oder fehlende Unterstützung zuhause: Wer früh handelt und die passende Nachhilfeform findet, gibt seinem Kind eine echte Chance aufzuholen. Liliana aus Duisburg-Rheinhausen ist der beste Beweis dafür, dass es klappen kann.1
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