Der Bücherschrank am Eierplätzchen in Köln wird zur Müllkippe – Patin Anke Köwenig kämpft für mehr Rücksicht und erklärt, wie das Gemeinschaftsprojekt…
Bücher verschenken, Bücher mitnehmen, Bücher weiterleben lassen – das ist die Idee hinter öffentlichen Bücherschränken. Klingt wunderschön, oder? In der Kölner Südstadt sieht die Realität leider anders aus. Am Eierplätzchen stapeln sich regelmäßig Bücher vor dem Schrank, Müll landet dazwischen, und die Patin des Schranks ist am Ende ihrer Geduld. Die gute Nachricht: Sie kämpft weiter – und hat dabei tausende Menschen hinter sich.1
Anke Köwenig kümmert sich seit 2014 gemeinsam mit Elke Heidenreich um den Bücherschrank am Eierplätzchen. Das Projekt wurde damals von der IG Eierplätzchen mit viel Engagement und Lesungen finanziert – rund 7.500 Euro kamen so zusammen.1 Ein echtes Herzensprojekt also.
Als Köwenig vor Kurzem bei Facebook ihren Frust über den Zustand des Schranks teilte, war die Resonanz riesig: Mehr als 2.600 Menschen reagierten auf den Beitrag, über 400 kommentierten ihn. Offensichtlich kennen viele dieses Problem nur zu gut.1
„Ich bin Patin dieses Bücherschranks. Ich kümmere mich darum. Aber wenn Menschen einfach ihre Bücher überall abladen, egal, ob der Schrank voll ist, dann bin ich hilflos“, schrieb sie. Immer wieder würden so viele Bücher vorbeigebracht, dass sie nicht mehr in den Schrank passen – und dann einfach davor gestapelt werden.1
Für Anke Köwenig ist das Muster klar: Die meisten Menschen wollen ihre Sachen einfach nur loswerden – so schnell und bequem wie möglich. Ob der Schrank voll ist oder nicht, interessiert dabei kaum jemanden.1
„Ich war ziemlich verärgert. Verärgert über Menschen, die einfach nicht nachdenken oder ihre Bücher nur loswerden wollen“, sagt sie. Sobald Bücher auf dem Boden liegen, sind sie Wind und Wetter ausgesetzt und werden schnell zu Müll. Und wohin damit? Mit der AWB ist abgesprochen, dass Köwenig die öffentlichen Mülleimer nicht vollstopft – ein Dilemma.1
Besonders kurios: Immer wieder findet sie im Schrank Dinge, die dort wirklich nichts verloren haben. DVDs, vollgekritzelte Grundschulhefte oder völlig veraltete Computerliteratur – ein Windows-98-Buch zum Beispiel. Wie ist das in meinen Warenkorb gekommen? Nein, Spaß beiseite – aber wer denkt sich das bitte?1
Nur wenige Meter vom Bücherschrank entfernt steht ein öffentlicher Geschenkschrank – eine Initiative von Studierenden der TH Köln. Das Prinzip: Dinge des täglichen Gebrauchs wie Gläser, Teller oder Besteck können gebracht und mitgenommen werden. Auch hier kleben eindeutige Hinweisschilder, die zum Beispiel Kleidung und defekte Elektrogeräte ausschließen.1
Und trotzdem: Regelmäßig stehen Kartons mit Kleidung davor oder kaputte Gegenstände landen im Regal. Aktuell steht sogar ein Wasserkocher im Schrank. Piktogramme hin oder her – die Regeln interessieren viele einfach nicht.1
„Die Leute knallen es einfach rein. Wenn alles vollgestopft ist oder wie ein Müllcontainer hinter Glas aussieht, wühlt hier unten auch keiner mehr“, so Köwenig. Und dann kommt zu den Büchern rasch noch mehr Müll dazu.1
Für Anke Köwenig geht es um mehr als nur Ordnung. Ein öffentlicher Bücherschrank sei ein Gemeinschaftsprojekt und gehöre allen. Ihr Appell ist klar:1
„Nur wenn alle mithelfen, kann so ein Ort funktionieren“, sagt Köwenig. Und da hat sie absolut recht. Öffentliche Bücherschränke sind tolle Orte – aber sie funktionieren nur, wenn wir alle ein bisschen mitdenken. Also: nächstes Mal kurz überlegen, bevor die alte Bücherkiste einfach abgeladen wird!1
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