Das Verkehrsklima in NRW wird aggressiver – das zeigt eine aktuelle UDV-Studie. Was dahintersteckt und was du selbst dagegen tun kannst, erfährst du hier.
Kennt ihr das? Jemand drängelt euch im Stau, schneidet euch beim Einscheren oder hupt euch an, obwohl ihr doch eindeutig im Recht seid. Genau dieses Gefühl haben in NRW und ganz Deutschland immer mehr Menschen – und das ist kein Zufall. Laut einer aktuellen Befragungsstudie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) wird das Verkehrsklima auf deutschen Straßen tatsächlich immer aggressiver. Ein Trend, den die Forschenden seit über zehn Jahren beobachten.1
Die Ergebnisse der UDV-Befragung – an der mehr als 2.000 Personen teilnahmen – sind ziemlich eindeutig: Fast die Hälfte aller Autofahrenden drängelt, wenn ihnen jemand zu langsam fährt. Fast ein Drittel schert nach dem Überholen so dicht ein, dass andere bremsen müssen.1
Aber auch Radfahrende sind nicht aus dem Schneider: 43 Prozent erzwingen hin und wieder die Vorfahrt, und fast jeder Zweite überholt Autos links oder schlängelt sich durch den Verkehr. Das Bild auf unseren Straßen ist also auf allen Seiten ziemlich bunt – und nicht immer im positiven Sinne.1
Jetzt wird’s interessant: Laut UDV-Leiterin Kirstin Zeidler sehen die meisten die Probleme bei anderen – nicht bei sich selbst. Konkret: 92 Prozent aller Autofahrenden geben an, Radfahrende besonders rücksichtsvoll zu überholen. Gleichzeitig beobachten fast genauso viele, dass andere Autofahrende zu eng überholen. Wie ist das bitte möglich?1
Ähnliches Bild bei Radfahrenden: 48 Prozent geben zu, Autos auch mal links zu überholen – aber 83 Prozent beobachten dieses Verhalten bei anderen Radfahrenden. Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier bringt es auf den Punkt: „Man sieht alles durch seine egoistische Brille.“1
In der UDV-Studie tauchen Fußgänger gar nicht auf – dabei sind sie laut Roland Stimpel, Vorstand des Fachverbands Fußverkehr Deutschland, mit Abstand die größte Gruppe im Straßenverkehr. Gerade in Großstädten ist Gehen die verbreitetste Fortbewegungsart.1
Stimpel erklärt, dass auch Fußgänger aggressiv werden können – die sogenannten „Wutgänger“. Gleichzeitig werde Fußgängern aber auch viel Aggression entgegengebracht, teils sogar unbewusst. Gehwege, Fußgängerzonen und Parks seien eigentlich Schutzräume – würden aber häufig nicht respektiert. „Gerade Parks sollten ein Kontrastort zur Stadt sein“, so Stimpel. „Hier sollte man abschalten und unkonzentriert sein dürfen.“1
Verkehrspsychologe Fastenmeier erklärt das Ganze mit der sogenannten „Frustrations-Aggressions-Spirale“: Alle wollen möglichst schnell von A nach B kommen. Sobald das durch Baustellen oder andere Verkehrsteilnehmer gestört wird, entsteht Frust – und der mündet schnell in aggressivem Verhalten.1
Mobilitätsforscher Andreas Knie ergänzt, dass sich die Verhältnisse auf der Straße grundlegend verändert haben: Jahrzehntelang gehörte die Straße dem Auto. In den letzten 20 bis 25 Jahren wurde der Raum dann quasi unter der Hand neu verteilt – mit mehr Fahrradfahrern und neuen Mobilitätsformen wie E-Scootern. Das sorge für deutlich mehr Konflikte.1
Die gute Nachricht: Es gibt Ansätze, die wirklich helfen können.
Manchmal ist die beste Lösung auch die simpelste: „Aggressionen schaukeln sich im Straßenverkehr schnell hoch“, sagt Wirsch. Also lieber tief durchatmen, Abstand halten und den anderen ziehen lassen. Und Stimpel hat noch einen schönen Gedanken: Wer anhält und einem Fußgänger signalisiert, sich Zeit zu lassen, beschert nicht nur dem anderen einen netten Moment – „der eigene Tag wird auf diese Weise auch besser.“1
Also, NRW: Das nächste Mal, wenn euch jemand auf der Straße nervt – vielleicht kurz daran denken, dass ihr in dessen Augen gerade vielleicht auch die anderen seid. 😉
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