Pfarrer Franz Meurer geht in den Ruhestand – der Kölner Sozialpfarrer hat Höhenberg und Vingst über Jahrzehnte geprägt.
Köln verliert eine seiner bekanntesten Persönlichkeiten – zumindest ein bisschen. Pfarrer Franz Meurer, seit 1992 das Gesicht der Gemeinde St. Theodor und St. Elisabeth in Höhenberg und Vingst, geht in den Ruhestand. Der 75-Jährige ist in Köln eine echte Institution – laut domradio.de sogar bekannter als der Bürgermeister und Prinz Karneval.1 Und wer ihn einmal durch die Katakomben seiner Kirche begleitet hat, versteht sofort warum.
Fast 1.000 Quadratmeter Kirchenkeller hat Meurer zu einem echten Gegenmodell zur Armut im Viertel gemacht: Kleiderkammer, Lebensmittelausgabe, Fahrradwerkstatt und vieles mehr. Alles getragen von Ehrenamtlichen, alles kostenlos – denn bei Gemeindefesten gilt bei ihm das Prinzip: kein Würstchenstand, kein Getränkeverkauf. „Sonst schließen wir sofort die Armen aus“, sagt er dazu klar und deutlich.1
Erst im Juli bekam Meurer die Mevlüde-Genç-Medaille verliehen – eine Auszeichnung, die seit 2018 an Menschen vergeben wird, die sich für Toleranz, Verständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.1 Typisch Meurer: Für ihn ist die Ehrung keine persönliche Angelegenheit. „Das ist eine Auszeichnung für unser Hövi-Projekt. Für das, wo wir alle zusammenhalten“, sagt er.1
HöVi-Land – das ist die Ferienfreizeit, die Meurer seit Jahren als Herzensprojekt begleitet, ökumenisch und offen für alle. Sein Fazit zur Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde bringt’s auf den Punkt: „Ökumene ist doppelt so gut, aber nur halb so teuer.“1 Seine Liste an Auszeichnungen ist lang – von der Kardinal-Frings-Medaille über den Georg-Leber-Preis für Zivilcourage bis zum Ehrenring des Rheinlands. Aber wer ihm durch seine Katakomben folgt, merkt schnell: Um Medaillen geht es ihm nicht wirklich.1
Was bleibt nach Jahrzehnten im Dienst der Gemeinde? Sein Credo ist eindeutig: „Die Menschen sind nicht für die Kirche da, sondern die Kirche für die Menschen.“1 Diesen Anspruch hat Meurer täglich gelebt – in den Stadtteilen Höhenberg und Vingst, wo viele Menschen mit Migrationsgeschichte zuhause sind und Christen, Muslime und Konfessionslose längst gelernt haben, miteinander zu leben.
Kölsche Solidarität kennen wir übrigens auch aus anderen Ecken der Stadt – in einem früheren Beitrag haben wir euch berichtet, wie die Kölner Band Miljö mit ihrem Song „Mir sin Hai“ Gemeinschaftsgefühl für die Kölner Haie erzeugt.2 Auch das zeigt: Zusammenhalt ist eine Kölner Kernkompetenz – egal ob auf dem Eis oder in der Kirchengemeinde.
Große Geschenke oder lange Abschiedsreden? Nichts davon, bitte. Meurer hält es lieber pragmatisch: Im September gönnt er sich zum ersten Mal richtigen Urlaub, ab Oktober beginnt eine neue Lebensphase.1 Dem HöVi-Land will er trotzdem treu bleiben – und auch ein neues Buch lässt laut domradio.de sicher nicht lange auf sich warten.1
Sein wichtigstes Lebensrezept gibt er zum Abschied mit: „Man muss von den Menschen aus denken.“ Wer gute Absichten hat oder eine Idee – das reiche nicht. Was zähle, sei das Machen.1 Eine Lektion, die weit über Köln hinaus gilt.
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